Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 5 (1817-1820)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Der Siegelring des Salomo
- Date
- 1817-01-01
- Page
- Seite 44 (sequence 5)
- Language
- German
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44 Still war's und einsam in des Tempels Hallen, Verstummt das Hosianna der Leviten;; Und keiner Stimme Laut durchbrach die Stille, Allein von meiner Füße Tritt erbebend. - Die Lampe schwebte, düster leuchtend, an Der Decke nächtlichem Gewölbe; und . Des Altar's Brand, der ewig lodernde, War seinem sterbenden Erlöschen nah. Ein ehrfurchtsvoller Schauder faßte mich; Ich sank zu des Altares Stufen, mein Gefühl in heißen Strömen zu ergießen. Doch war's, als ruht' ein Fluch auf meiner Andacht; Das Wort blieb in dem Busen mir gefesselt. Umsonst sich auf die bange Lippe drängend. Beschämt, verworren, richtet'ich mich auf; Und — ohne daß ich seinen Tritt vernommen — Stand vor mir da des Tempels Hohepriester, Gleich einer höher«, göttlichen Erscheinung. ״Unglücklicher, begann er feierlich, Du wolltest beten, und vermochtest nicht!" Da warf ich schluchzend mich an seine Brust, . Ihn um des Rathsels schwere Deutung bittend, Und, wehmuthsvoll mich in die Arme schließend, Gab er mir Aufschluß über mein Verhängniß. ״Nur reinen Lippen׳— dieß sind seine Worte --- Mag reine Andacht froh und leicht entwallen. Du aber bist ein Sünder, bist gefallen; Und, unbewußt der Lhat, die du gethan, Vermagst du nicht dem Heil'gen dich zu nah'n." ״״Und welche Schuld ist's denn, die auf mir lastet? ""