Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 4 (1812)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Über den, im Allgemeinen Anzeiger der Deutschen Nr. 125 befindlichen Aufsatz: Über die Juden in Deutschland
- Date
- 1812-01-01
- Page
- Seite 58 (sequence 7)
- Language
- German
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5S thril ihrer Glaubensbrüder vergaßen, und überall den Grundsatz aussprachen: Laßt uns unfern Vortheil dem Wohl der Menschheit aufopfern. Gar oft hörten wir auch Juden in die Klage ausbrechen: Wie unglücklich ist unser Loos, daß wir den Untergang des Despoten nicht eben« falls von ganzer Seele wünschen können. Es leuchtet daher aus jener Beschuldigung entweder «in, in den Banden des Dorurtheils höchst befangener Ver« stand, oder eine niedrige Gesinnung hervor, welche ringe« sognrr Haß oder kleinlich« Privatabsichten mit der Sorge für das öffentliche Wohl bemänteln will. Mögen einige Juden im Scherze Napoleon ihren Messias genannt ha« den» weil er sie aus der Gefangenschaft befreite; sie sind deshalb weit ehr zu entschuldigen, als wenn manche Nicht« juden» um weit unedler Rücksichten willen, ihn zuihrem Gotte machten. Steht es doch in der Gewalt jedes Fürsten und jeder Regierung, den Juden ein solcher Mts« stas zu werden. Ein anderer, vielseitig wiederholter Vorwurf ist bas Schachern. Auch hier herrschen viele Widersprüche und Uebertreibungen. Was versteht man unter Schachern? Den Handel im Klr.nen und mit Kleinigkeiten? Was ist hierin so r״rdrbl>ch? Etwa daß der Jude dir alten Kleider, dir der eigmtllche Kaufmann gar nicht kaufen würde, einige Groschen zu wohlfeil bekommt, oder daß der Bauer seine Bedürfnisse an Maaren von dem jüdischen Hausirer erkauft, der, weil er die ganze Woche trocknes Drod ißt, mit einem kleinen Profit zufrieden ist, und sich nach und nach bezah«