Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 4 (1812)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Über den, im Allgemeinen Anzeiger der Deutschen Nr. 125 befindlichen Aufsatz: Über die Juden in Deutschland
- Date
- 1812-01-01
- Page
- Seite 55 (sequence 4)
- Language
- German
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55 vielt Verrathcreien zuzuschreiben, wodurch die Franzosen oft große Vorthrile erlangten, indem die meisten Spione Inden gewesen waren. Wahrlich eine solche, ganz aus der Luft gegriffene, ohne alle beweisende Thatsachen hinge« worfene Beschuldigung kann nur aus dem Munde eines sinnlosen Schwätzers, oder eines blinden Fanatikers, oder eines ruchlosen Verläumders kommen! Ein vollkommenes Seitenstück zu jener Erdichtung finsterer Zeiten: die Juden schlachteten an ihren Ostern christliche Kinder, um ihr Blut zu trinken. Man nenne unter dem Heere französischer Spione und geheimer Polizeidiener in Deutschland die I uden, die als Spione erkannt wurden! Denn daß man hie und da einen armen Trödler auf das Geschwätz des Pöbels als Spion verhaftet habe, davon sind wir selbst Augenzeuge gewesen, haben ihn aber auch nach eini« gen Wochen unfruchtbarer Untersuchung wieder als unschul« dig entlassen sehen. Wie, wenn der Verfasser jenes Auf« satzes eine Polizeistellt bei der Armee bekleidete, wie viel jüdische Spione würde er nicht a priori entdecken und viel« leicht Monate im Gefängniß schmachten lassen! O es ist schändlich, so in den Tag hinein Tausende unschuldiger Menschen vor den Augen des Publikums herabwürdigen zu wollen! Weil die Juden keine Heere schlecht anführen, keine Festungen dem Feinde übergeben, keine Kass 1, über« liefern, keine verderblichen Rathschlage in Kabinetten er« theilen, keine Staatsgeheimnisse verrathen können, so svl« len sie wenigstens die Mittelspersonen oder vielmehr die Mittelspersonen der Vermittler sein. Doch laßt uns ,ene Beschuldigung der Anhänglichkeit an die Franzosen und de» ren Quellen naher und mit kaltem Blute untersuchen.