Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 4 (1812)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Anekdoten
- Date
- 1812-01-01
- Page
- Seite 354 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2304627-2304640-2304641--03940-2306843- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
3S4 Anekdoten. Moses Mendelssohn war Buchhalter in einer Handlung in Berlin und zwar bei eincm Kaufmanue von sehr beschrankten Fähigkeiten. ״Das Schicksal ist doch sehr ungerecht," sagte Herr . . . zu ihm; Sie, so ein gescheuter Mann, müssen einem so beschrankten Kopfe dienen!" ״Ich finde das sehr verständig von dem Schicksale, versetzte Mendelssohn; denn wenn ich Herr wäre, ihn könnte ich nicht gebrauchen." Einst wurde dieser Gelehrte in Berlin auf der Straße von einem gemeinen Soldaten insulkirt. Sein Begleiter, ein junger Gelehrter, äußerte darüber seinen Unwillen. ״Aber, mein Gott!" sagte Mendels« sohn sehr gelassen, ״was bleibt solchem Menschen sonst noch übrig, wenn er nicht einen Juden coujonim, darf?" Als Mvfts Mendelssohn zuerst in der gelehrten Welt auftrat, war es in Berlin Ton unter den Gelehrten, in den Abendgesellschaften Schach zu spielen. Mendelssohn wollte sich aber nie zu diesem Spiele verstehen, und wenn man ihn dazu aufforderte, so sagte er: ״Schach ist für den Verstand zu viel Spiel, und als Spiel fordert es zu viel Verstand." Ein junger Offizier, der in einem Thore Berlins die Wache hatte, sah einen unansehnlichen verwachsenen