Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Dritter Jahrgang 1810-1811
- Issue
- 1 Bd. 6 H. (1811)
- Article
- Allerlei
- Date
- 1811-01-01
- Page
- Seite 428 (sequence 2)
- Language
- German
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4*8 ßerlich ist ihre Spur bald verschwunden; innen wirken sie bedeutend fort. Was romantische Gemälde oder Erzählungen so anziehend macht, das ist die Unbestimmtheit ihrer Formen. Daher die oft unbegreifliche Kalte romantischer Menschen bei rührenden, aber wirklichen, Lebens- Vorfällen. Was wir sehen, wirkt mächtiger als was wir bloß hören; und dennoch machen große Züge aus der Vo» wclt einen stärker» Eindruck auf uns, als solche, von welchen wir Augenzeugen sind! Dies kommt daher, weil wir dort die vollendete Größe, nicht aber ihr Werden, erblicken; h i e r hingegen die Handlung im Reifen, ihre Natürlichkeit, oft sogar ihre Nothwendigkeit, vorherschen. Es geht demnach das Wirksamste jeder Erscheinung — die Ueberraschung, dabei verloren. — Hiezu kommt noch der vorhin erwähnte Formen« Unterschied zwischen dem Gegenwärtigen und dem Erzählten. Der Donner ist eine Deklamation der Natur. Auch die unglücklichste Lage hat ihre Lichtpunkte. Wer in diese aus einer glücklichern tritt, gleicht demjenigen, der aus dem Licht in die Dämmerung geräth. Anfangs ist es tiefe Nacht vor seinen Blicken; allmählig aber entwickeln sich ihm die Gegenstände zu einer Hellern Deutlichkeit. Manche Unachtsamkeit kömmt nur daher, weil wir sie andern zu sehr Zutrauen. L. M. Büschenthal.