Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Dritter Jahrgang 1810-1811
- Issue
- 1 Bd. 5 H. (1811)
- Article
- [Nachricht]
- Date
- 1811-01-01
- Page
- Seite 359 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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359 den ans der Insel St. Thomas enthalten. Die Juden, heißt es darin, sind zahlreich und sehr reich, und haben eine schlechkr Synagoge, wo sie ihren Gottesdienst verrich. ten. Nirgends habe ich die rel!ziöfen Gebrauche mit so wenig Ernst und Würde verrichten sehen als hier. Diese Israeliten, die mehr mit dem Handel als mit der Reli. gion beschäftigt sind, kommen herein, gehen wieder fort, kommen nochmals wieder und sprechen mit -einander als ob sie auf der Börse waren; man sieht sie häufig von einem Platze zum andern laufen, und die Postenzettel lesen, wäh, rend dem Zuhörer von den kreischenden Stimmen des Rab» biners und seiner Untergeistlichen die Ohren wehe thun *). Se. Maj. der Kaiser von Oesterreich haben der Jsraelitischen Gemeinde in Wien die Erbauung einer Synagoge und Lehranstalt daselbst zu erlauben geruht. Die dortigen Israeliten sind deshalb sehr erfreut. Das men- *) Diese Art des Gottesdienstes ist vernunftwidrig und den Gesetzen entgegen. Ein Gebet ohne Andacht, heiß: es bekanntlich in den jüdischen Religionsschriften, ist ein Körper ohne Seele. Der Sinn des Betenden muß frei von allem Irdischen, nur das Höhere und Göttliche muß ihm vor 2lugcn seyn. Auch das übeltönendc. zwecklose und unanständige Schreien während des Be» - tenS ist von den cvmperentcsten, alten jüdischen Religionslehrern streng untersagt. Wenn also ein Israelit sich in der Synagoge unanständig beträgt: so handelt er nicht allein wider die Moral überhaupt, sondern auch wider seine religiösen Vorschriften insbesondere, zeigt dadurch zugleich, daß er solche gering achtet, und daß er nickt zu denen gehört, die eine gute Erziehung und Bildung genossen haben, und denen eine gottgr-- weihet» Stätte heilig ist- — -- Der Herausgeber.