Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Dritter Jahrgang 1810-1811
- Issue
- 1 Bd. 3 H. (1811)
- Article
- Gesammelte Blumen und Früchte zur neuern Sittengeschichte der Israeliten
- Date
- 1811-01-01
- Page
- Seite 147 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2304627-2304628-2304630-10858302-2305665--03096-2305956- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
147 Sprache war er wohl nicht mächtig genug, obschon er Haller und Le ffi ng ') gelesen hatte. — Jin 1.17/8 gcrieth er, vermuthlich in Leipzig, in einen bösen Handel, ward eines wichtigen Diebstahls, oder wenigstens einer Diebcsbehlcrei verdächtig, und nach P — a auf die Fe« stung gebracht, wo er über zehn Monate in Fesseln und Banden saß. Er schien dort ganz vergessen zu seyn, denn «s erfolgte weder Verhör noch Urtheil *) **). Endlich gelang es dem Elenden, aus dem Kerker einen Brief an seinen Lehrer und Gönner nach Berlin zu schaffen, worin er sein Mißgeschick in Orientalischem Etil, doch auch in diesem wohl nicht übertrieben, schilderte, und um Mendelssohns Fürsprache und Unterstützung flehte. — Was konnte aber der Weise für einen Unglücklichen thun, dessen Schuld oder Unschuld ihm gänzlich unbekannt war? Wie sollte er ihm in einer entfernten Stadt dienen, woselbst keiner seiner Glaubensgenossen wohnte, ja wo sogar kein Jude über« nachten darf? Ein Fürschreiben an den Magistrat würde auch wenig gefruchtet haben, besonders da Mendelssohn weder das Verbrechen noch den Grad des Verdachts kannte. *) Diese beiden Schriftsteller waren vorzüglich die Lieblinge der Juden, die damals anfingen der Lektüre Ge« schmack abzugcwinnen. **) Dicß muß nicht unwahrscheinlich oder gar unglaublich scheinen, da der Staatsminister von Arnim in sei׳ ner bekannten Schrift ein Beispiel aus Frankfurt an der Oder anführt, daß ein Polnischer Jude allda nach vielen Jahren im Gefängniß starb, der uic verhört worden war.