Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Dritter Jahrgang 1810-1811
- Issue
- 1 Bd. 1 H. (1811)
- Article
- Eine Blume auf das Grab des Herrn Jakob Stern, Mitglied des Israelitischen Vorstandes zu Frankfurt am Main
- Date
- 1811-01-01
- Page
- Seite 64 (sequence 6)
- Language
- German
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64 Mann, iu der Fülle seiner Kraft, in der Mitte der Aus« führung seiner Plane entrissen werden sollte den Armen seiner ihn zartlichst liebenden Eattm, seiner ihn innigst verehrende» Freunde! , Nach unsäglichen Schwierigkeiten war es ihm endlich gelungen, ein Lokal für die Schule angewiesen zu bekam« men; er sah endlich der Erfüllung seiner Hoffnungen entgegen; aber sie sollte ihm nicht werden — die Freude sie ausgeführt ^u sehn, und den edcln Wunsch zu befriedigen, heilsam zu wirken ans die künftige Generation. Schon in der letzten Neujahrsmesse zu Leipzig — wo er sich wegen seiner Kaufmannsgeschafte befand — fühlte er die Anna» herung einer heftigen Krankheit — doch unermüdet thätig wie er war — ließ er sich durch nichts abschrecken, auch nach Braunschweig zur Messe zu reisen. Dort brach sie mit Ungestümm aus; doch er konnte dem Drange seines Herzens nicht widerstehn. Krank reiste er hieher, um vor seinem Tode seine Lieben noch zu sehn, zu umarmen; krank Iraser hierein, und kaum hat er seine zärtlich geliebte Gattin umarmt, als er schon alle Besinnung verliert und ohnmächtig zu Bette gebracht wird. Noch einige Tage rang er mit dem Tode, schwebten seine Freunde zwischen Furcht und Hoffnung — gestern verschied er! Von dem Schmerze feiner Gattin, siner Kinder, von den Empsindungcn seiner Freunde, von der Trostlosigkeit aller, die ihn kannten, schweige ich. Wer dicß nicht zu fühlen vermag, auch ohne eine pompose Beschreibung — für den ward ticicr Aussatz nicht geschrieben!