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Jeschurun · 1928-09-01 · Heft 9-10 (September 1928) · p. Seite 555

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
15 (1928)
Issue
Heft 9-10 (September 1928)
Date
1928-09-01
Page
Seite 555 (sequence 83)
Language
German
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Der Passauer JudenprozeB 1478 555 besunders. Dann ich far hewt dahin. Got geb unns geluk. Datum Passau an erchtag frue vor oculi anno etc. LXXVIII. Hanns FrieBhagmer. [in verso] Den fursichtigen, ersamen und weysen kamrer und rate der stal Regenns[purg], meinen günstigen herren. Dieser Brief ist von besonderer Wichtigkeit. Zunächst ergibt sich aus ihm ein für alle Mal unwiderleglich, daß die gefangenen Juden der Folter unterworfen wurden. Gewiß sagt schon das Flugblatt,1 daß die Juden nach der Wahrheit gefragt wurden. Auch der anonyme Fortsetzer zu Schreitweins Geschichte erzählt, daß man die Juden der gesetzlichen Frage unterzog, und Bruschius spricht von den traurigen Formen der Inquisitionen.2 Aber hier haben wir doch einen urkundlichen Beweis mitten aus dem Prozesse heraus, und zwar die klare Mitteilung, daß die Juden so zäh während der Folterung waren, daß viele von ihnen überhaupt nichts eingestehen wollten. Die anderen, die weniger widerstandsfähig waren, gaben den Kauf der acht Partikel und die Versendung von sechs nach außerhalb zu, auch daß sie die beiden übriggebliebenen gemartert und mit einem Messer zerschnitten hätten. Bei der Zerschneidüng habe sich Blut gezeigt. Das Messer wurde gefunden, dagegen nicht die zerschnittenen Partikel. Das zeigt, daß am 16./17. Februar das Geständnis von der Verbrennung der Hostien noch nicht erfolgt war. Wir haben oben3 von Leonhard Bauholtz und Jakob Unrest erfahren, daß Kaiser Friedrich durch Mandate die Hinrichtung der Passauer Juden verbot, der Bischof sich aber darum nicht kümmerte. Am 16./17. Februar war noch kein Eingreifen des Kaisers erfolgt, was ganz verständlich ist, da die Juden erst am 10. Februar gefangen gesetzt wurden. Aber mit einer Einmischung des Kaisers nach Regensburger Vorbild rechneten die Passauer, wie der Brief Frießhaymers meldet. Sie hätten die Bestrafung der Juden gern sofort vor genommen, bevor sie vom Kaiser verboten würde. Doch wollten sie den Prozeß nicht übereilen, da die Hostien noch nicht 1 Oben S. 543. 2 Oben S. 550, 553. 3 Oben S. 552.

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