Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1928)
- Date
- 1928-09-01
- Page
- Seite 551 (sequence 79)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Passauer JudenprozeB 1478 551 Vetterl,1 welche die beiden Hostien gestochen hatten2 und an ihrer Verbrennung beteiligt waren, wurden am 10. März mit glühenden Zangen zerrissen, sodann an demselben Tage mit den vier anderen Genossen auf den Scheiterhaufen gebracht und gefesselt3 verbrannt.4 Mehrere Tage später ereilte Christoph dasselbe Schicksal. Nachdem er mit glühenden Zangen zerrissen worden war, bekannte er, wieder zu sich gekommen, sein Verbrechen und wurde gleichfalls den Flammen übergeben. Äus den Familien der Juden ließen sich ungefähr 40 Personen taufen.5 Zur Sühne des Verbrechens ordnete der Bischof an, daß an der Stelle, wo die Uebeltat begangen worden war, eine Kirche gebaut wurde, und widmete sie nebst einem Kollegiatstift dem hl. Erlöser {St. Salvator).6 * * * 10 1 Nach Eck nicht Vetterl, sondern der Rabbi. Bruschius (siehe weiter) und ihm folgend Erhard machen Veidl und Vetterl zu Äeltesten und Synagogen Vorstehern (seniores ac sgnagogae ma^istri.) 2 Vorher heißt es, daß nur Veidl eine Hostie durchstach. Die Beziehung des Stechens und Verbrennens auf beide Personen beruht auf der Ueberschrift zu Bild 9 des Flugblattes. 3 illic compedibus vinciuntur. Ruf Bild 10 des Flugblattes tragen die Verurteilten Handfesseln; die Füße sieht man nicht, ebenso wenig Pfähle, die Erhard annimmt. Dagegen finden sich diese auf Bild 9, wo Veidl und Vetterl zerrissen werden. 4 Erhard fügt aus Eigenem hinzu: ״Die gefangenen Juden wurden auf Wägen aus dem Oberhause auf die zwischen der Ilzstadt und dem Markte Hals am linken Ilzufer liegende Wiese gebracht, auf welcher Schafotte und Scheiterhaufen errichtet waren.“ 5 Ex omnibus Judaeorum familiis circiter XL . . . conversi sunt. Erhard macht daraus 40 Familien! Fellhainer gibt genau 44 Personen an. Nach Eck waren es ״Nehem, Isaac, Valck und der Talman und der vieren Frawen, Kinder, Dienstleut biß in die XL Personen.“ Warum auch die Ängehörigen übertraten, wird nicht gemeldet. 6 Die von Fellhainer erwähnte Judenausweisung übergeht der Rnongmus. Die Tatsache steht nichtsdestoweniger fest. Bruschius spricht 1553 von perpetuo exilio. Die Ängabe Ecks, daß die Juden ״in großer Änzahl“ vertrieben wurden, ist zu bezweifeln. Wahrscheinlich wohnten 1478 in Passau überhaupt nicht viel mehr als 10 Familien, deren Männer damals im Gefängnis saßen.