Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 123 (sequence 125)
- Language
- German
- Belongs to
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12S Zur Charakteristik usw. Barmherzigkeit Gottes1). ״Unser Vater im Himmel44 diese innige Bezeichnung des Verhältnisses zwischen Gott und dem Menschen, der Bibel entnommen und in talmudischer Zeit immer mehr in Gebrauch gekommen, sagt alles2 *). Das Vertrauen zu Gott, das hebt auch über manches hinweg. Die Generationen während des Bestandes des ersten Tempels waren sicher grosse Frevler, aber sie setzten ihr Vertrauen auf Gott8). Man sage nicht: ich habe gesündigt, jetzt gibt es für mich keine Wiederherstellung mehr, sondern man vertraue auf Gott. (4 *הכר בקרו״ 5הכל בזכות הבטחה —) alles durch das Hoffen, alles um des Vertrauens willen, das ist das Leitwort. Freilich ist Gott ״unser Vater im Himmel“ dann züchtigt er auch den Menschen wie der Vater seinen Sohn. (Dt. 8, 5; Ps. 94, 12). Darum muss, dies Bibelwort ist für Talmud- und Midraschwort massgebend, die Strafe der Sünde folgen. Und auch inbezug auf den Charakter der Strafen, die Stufenfolge je nach der Schwere der Sünden, hat sich das Thora- und Prophetenwort deutlich genug ausgesprochen. Die F u r ch t aber *) Ber. 10 a. 2) Weber behauptet: (a. a. 0. S. 154) 4״er oft gebrauchte Name אבינו שבשמים besagt nichts weiter als dass Gott Israel zu seinem Eigentnmsvolk erwählt hat; ein tieferes Eindringen in das Wesen Gottes, als der die Liebe ist, hat der Name Yater in der jüdischen Theologie nicht zur Folge gehabt.״ Dalm&n, der jetzt sicher berufenste Beurteiler unter den christlichen Theologen hat (״die Worte Jesu״ S. 154) in einer Polemik gegen J. H. Wendt ,die Lehre des Judentums“ II S. 144 erklärt: ״eine grössere Neigung zur Anwendung des Vaternamens auf Gott seitens der Juden ist eine historische Tatsache. Jesus hat diese Bezeichnung Gottes dem Volksgebrauch seiner Zeit entnommen“ nnd führt weiter aus, dass auch diese Bezeichnung nicht nur für das Verhältnis Gottes zu seinem Volke sondern auch für das Gottes zum Einzelnen üblich war. Gegen Bousset, der trotz dieses Zeugnisses und der entsprechenden Belege sich nicht zu diesem Zugeständnis entschlossen kann vgl. Perles a. a. 0. S. 127—129. Köberle findet in seinem 682 Seiten grossen Werke .Sünde und Gnade im religiösen Leben des Volkes Israel“ überhaupt keine Gelegenheit auf diesen Kernpunkt in der Beurteünng der Gnade und Liebe- Gottes einzugehen. ך־ Joma 9 b. 4) Midr. Teh. zu Ps. 40,5 S. 258. 6) Gen. R. 98,15.