Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1923)
- Date
- 1923-09-01
- Page
- – (sequence 85)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Jüdische Grabmalkunst in Osteuropa Er .unn aber auch den Verstorbenen repräsentieren. Ob in diesem Falle ein mystischer Volksglaube*) vorliegt, der die Seele des Toten sich in einen Vogel verwandeln läßt, oder ob, durchaus realistisch, das Portrait**) des Vorstorbenen, ode** besser, weil ja Menschenfiguren nicht dargestellt werden, der Ersatz für dessen Portrait***) hingesetzt werden soll, das läßt sich nicht entscheiden. In jedem Fall aber meint der Vogel die Person des Verstorbenen, meistens in seinem lebenden, mitunter aber auch in seinem toten Zustand. * *־ר^יי r י׳ .*׳•:־•*פטר! •אליריתתא Abb. 59. Brest-Litowsk 1911. *) Ein solcher Glaube darf für die chassidischen Kreise angenommen werden; denn der Sohar erklärt den Psalmvers 84/4 ״Auch der Vogel findet sein Nest“ mit den Worten: ״das sind die Geister der Frommen“ und fügt hinzu, daß an jedem Morgen viele fromme Seelen sich in Vogelgestalt auf den Zaun des Gan Eden schwingen und Gott ein Loblied singen. Vgl. אוצר התפלה Wilna 1914 S. 944 Kommentar ראש בשמים ־:־־:־) Auf christlichen Friedhöfen in Osteuropa begegnet man häufig dem Brauch, die Photographie des Verstorbenen an dessen Grabstein anzubringen. Die Versuche, die nachweisbar hie und da gemacht worden sind, diesen Brauch auf jüdischen Friedhöfen nachzuahmen, sind am konservativen Sinn der Juden gescheitert. ***) Vogelgestalt als Ersatz für Menschenfigur ist auch sonst nachweisbar. In der Synagoge zu Kobryn ist die Decke mit den 12 Bildern des Tierkreises geschmückt. Dort sind Jungfrau, Zwillinge usw. durch Vögel wiedergegeben.