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Jeschurun · 1923-09-01 · Heft 9-10 (September 1923) · page 23

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
10 (1923)
Issue
Heft 9-10 (September 1923)
Date
1923-09-01
Page
– (sequence 23)
Language
German
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Die Knessia Gdola 339 So war von vornherein ein enger Kontakt gegeben, ein gegenseitiges Sichverstehen, ein Eingehen auf die geistige Mentalität des anderen Landes, eine geistige Nähe, die alle landsmannschaftlichen, historischen und geographisch-politischen Gegensätze überbrücken, die scheinbare Kompliziertheit der Fragen, mit denen sich die gesetzestreue Judenheit zu beschäftigen hat, entwirren half, um sie auf einige wenige grosse Probleme, die allen Ländern gemeinsam sind, zu reduzieren. Das, was die vorausgegangenen engeren Konferenzen den führenden Personen gegeben haben, das brachte die Knessia weiten Kreisen mit einem Schlage: das Bewusstsein von der unverwischbaren Einheit des Gttesvolkes, von der Gemeinsamkeit seiner Aufgaben, von der Gleichartigkeit seiner Ideale, das wohltuende Gefühl des Verstandenseins durch den anderen, und das Gefühl, dass man mit seinen Nöten nicht mehr allein steht, sondern dass die gesetzestreue Gesamtheit auch die aus ganz besonderen Voraus- Setzungen erwachsenen Probleme eines jeden Landes nicht nur mit teilnehmendem Interesse sondern auch mit ernstem, fruchtbarem Verständnis verfolgt, und bereit ist, zu ihrer Lösung beizutragen. Eine uniforme Versammlung war jedoch die Knessia keineswegs: sie liess im Gegenteil an Differenziertheit und Vielfarbigkeit nichts zu wünschen übrig. Unterschiede in der Geisteshaltung, an Temperament, Erziehung, Erfahrung, an politischer Reife, gedanklicher Schulung, jüdischer Intensität waren da und liessen sich nicht übersehen. Fraktionen, nach sachlichen Losungen gruppiert, haben sich nicht gebildet, nur die Landsmannschaften traten, ziemlich geschlossen, als besondere Individualitäten mit scharf ausgeprägten Charakterzügen auf. Da waren vor allem die Polen, gewichtig schon allein durch ihre Zahl, Vertreter der grössten und konzentriertesten jüdischen Massensiedlung in Europa, des Landes mit der stärksten jüdischen Kultur, der intensivsten Jüdischkeit und alten Traditionen. Sie brachten neben bekannten rabbinischen Grössen eine Reihe geschulter Parlamentarier mit, glänzende Organisatoren, Redner von hinreissendem Schwung, Menschen mit Temperament

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