Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1922)
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 61 (sequence 61)
- Language
- German
- Belongs to
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Briefe aus dem Golus 61 zur mechanischen Funktion. Was bedeutet die Erkenntnis einer Unfähigkeit gegenüber der anderen, dass sie niemals ganz zu überwinden sein wird. Kann ein Mensch den anderen niemals in vollkommener Güte erfassen?! — — Wie unbegreiflich ist der Weg der Heiligung. Wie zahllose Dinge führen von ihm ab; wie leicht scheint es, ihn zu betreten, wie unendlich schwer, auf ihm zu beharren. Es kommt das Leben mit tausend süssen Sünden und schillernden Torheiten, und man nimmt sie von ihm. Ach, wären sie bitter, wer griffe danach? — Gibt es nicht auch eine Sehnsucht zur Sünde? — — Wohin verirre ich mich? — oder ist das alles nur ״Ringen nach Ausdruck?״ — Wie raffiniert versteht man, sich die Begriffe dienstbar zu machen. Sünden des Golus! ״ — Ich bin Haschern, Dein Gott, nicht andere Götter habe neben mir! —“ Süsse Melancholie des Weltabends! Schwin־־ dender Ton eines Waldhorns aus dämmergrauem Sommerabend! Gibt es nicht Sünde der Inbrunst auch? — Inbrünstig bin ich und bist Du! Wohin sind wir gerichtet? — Sind wir auf Unheiliges gerichtet, dass unsere Seelen einander nicht begegnen, im Rhytmus Gott?! — Möchten die Schauer des Ewigen unsere Seele zerwühlen, wenn sie betend sich richtet auf Ihn: Damit sie anffliege wie ein Pfeil! Unabwendbar wie ein Schrei zerteile Welt, zu erreichen Jeruschschalojim, die Ewige! — ״Gebet von Deinem Munde fährt ins Leere —״ Ich rang meine Hände zu Dir aus meiner tausendjährigen Verbannung: ״Höre mich, Gott meiner Väter״ — — und er hörte mich nicht. Klipaus hiDgen sich an die Schwingen meines Gebets, sodass sie trauernd sich zur Erde senkten, und Kwonoh verloren!