Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1921)
- Date
- 1921-07-01
- Page
- – (sequence 80)
- Language
- German
- Belongs to
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342 Eine Anregung usw. wissend gewordenen Kinderaugen anklagend und vorwurfsvoll an, da irren sie, von nagendem Hunger getrieben, durch die verlassenen Dörfer, scheu und verängstigt durch die schauervollen Erlebnisse ihrer Jugend, und ihr junges Leben sinkt auf die Stufe triebartigen Vegetierens hinab, nur die Fristung der Lebensnotdurffc vor Augen, da gellen die ekstastischen Schreie höchster Seelenangst aus den Herzen flüchtender Waisen, die ihr aufspriessendes Leben vor den nachsetzenden entmenschten Mordbrennern retten wollen, über die Trümmer einstigen Familienglücks. Doch alle diese Bilder, die auf unsere Phantasie einstürmen, sie reichen nicht heran an die grausige Wirklichkeit von der namenlosen Waisennot in der Ukraine und ihren unabsehbaren Folgen. Und da sollten wir nicht zu ganz opferungsfreudiger Hilfeleistung fähig sein? Da sollten wir nicht für einen Augenblick alle Bedenken und Rücksichten, alles Klügeln und Abwägen ausschalten können und nur der eindringlichen Sprache bitterster Not Gehör leihen, um nur den Regungen des aufgewühlten Herzens zu folgen und über uns selbst uns erhebend, rein Mensch und ganz Jude zu sein? Fort mit allen Einflüsterungen der Selbstberuhigung, mit all den Einschüchterungen und Bedenklichkeiten, die die zur Hilfe schon halb ausgestreckte Hand wieder lähmen, die den edlen Sinn auf freudig beschwingter Tat ernüchtern und einschläfern! Der Preis, den es gilt, Hunderttausende unmündiger Kinderexistenzen, die ebenfalls Anwartschaft auf ein Leben und seine Auswirkungen haben, Hunderttausende jüdischer Seelen von den besten unseres Volkes, die berufen sind, einen grossen Teil unserer jüdischen Zukunft auszumachen, dieser Preis muss jeden zur äussersten Anstrengung, ja selbst zur Selbstentsagung an gern erstrebten Gütern und Genüssen veranlassen — er wäre sonst nicht wert, das göttliche Menscbheitsideal in seiner jüdischen Persönlichkeit darzustellen. Und wir, die jüdischen Lehrer der jüdischen ()Öffentlichkeit, «lie wir leben und weben in der Welt des jüdischen Kindes, die wir uns die Entwicklung der jüdischen Kinderseele zur