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Jeschurun · 1920-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1920) · p. Seite 306

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1920)
Date
1920-05-01
Page
Seite 306 (sequence 108)
Language
German
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806 Leebn und Wirken Dr. L Hildesheimers. Was er dem gesetzestreuen Judentum in der Stadt selbst gewesen ist, wie sich um ihn in inniger Verehrung weiteste Kreise sammelten, auch solche, die nicht der engeren Adass Jisroel angehörten, wie er und die Y0n ihm geleitete Gemeinde allmählich ״das Gewissen der Berliner Judenheit“ geworden ist, das bedarf nicht erst der Feder des Darstellers. Was Hildesheimer für die Gewissensfreiheit der unter dem Zwang einer irreligiösen Mehrheit lebenden Gemeindemitglieder durch den Kampf für das Austrittsgesetz, im Verein mit den in Wort und Schrift sich ersetzenden S. R. Hirsch und M. Lehmann gewirkt bat, — ihm als dem am Ort der Reichsgesetzgebung Lebenden fiel dabei entschieden die Hauptarbeit zu — das ist ein bedeutsames Kapitel der Kulturgeschichte der deutschen Judenheit. Was er an grosszügigen Schöpfungen auf dem Gebiete der Wohltätigkeit durch die Begründung des Vereins ״Lemaan Zijon״, durch die beispiellose Hingabe bei der Aktion für die bedrängten Glaubensgenossen Persiens und Russlands und bei jeder geistigen und leiblichen Not Gesamtisraels geleistet hat, neben seiner unerinüdiichen Fürsorge für einzelne Arme, und besonders für Talmide- Chachoraim, — das bildet ein Ruhmesblatt in der Geschichte der Humanitätsbestrebungen aller Zeiten. In solcher Zeit des Massenelends gingen aber auch er und seine Familie mit gutem Beispiel voran, denn viele hundert Arme wurden von dort aus verpflegt und fanden, das Haus Tag und Nacht umlagernd, Rat und Auskunft. Hildesheimers Drang zur Wohltätigkeit hat sich aber nicht auf die Grenzen der Glaubensgenossen beschränkt, sondern diente der Allgemeinheit ohne Unterschied des Bekenntnisses. In den der Linderung der Not dienenden Bezirksvereinen war er ein tätiges Mitglied, und vor allem bewährte sich sein herrliches Tun im deutsch-französischen Krieg. Da nahm er sich der Pflege der verwundeten Krieger in den Lazaretten mit Aufbietung all’ seiner Kraft an, sorgte für die Angehörigen der zur Fahne Einberufenen durch Auslösung ihres verpfändeten Eigentums, hierbei unterstützt von seiner hochsinnigen Gattin, die, im Verein mit ihren Töchtern, den kranken Soldaten jede mögliche Linderung zu bieten suchte. Und so gross war die Macht seiner

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