Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1919)
- Date
- 1919-11-01
- Page
- Seite 502 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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02 ד Er ziehungsf ragen. ’ f unser Svstem zutrifft, nämlich die Unabänderlichkeit des ן ׳י Religionsgesetzes, auf das Yolk und seine Geschichte übertragen wird, die gewiß historischen Einwirkungen unterliegen. Die Gefahr, die aus dieser fehlerhaften Auffassung nun ersteht׳ ist eine doppelte; zunächst hat uns das gewiß eindeutige jüdische Ideal oft daran gehindert, den Forderungen der Zeit! diejenigen Konzessionen zu machen, die der Idee nicht Feinq sind, wohl aber ihr Gedeihen in einer ihr ungünstigen Epoche! gewährleisten — der tragische Irrtum der alten Führer iml Osten. Dann aber hat es uns dazu verfuhrt, eine zeitliche! Lösung, ein Kompromiß לשעה unerlaubterweise לדורית zu prokla-! mieren — wofür die deutsche Orthodoxie das Schulbeispiel: liefert. Die gewiß außerordentlich wirksame und tüchtige Lösung des fpolitisehen und kulturellen Konfliktes in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war imstande, die Thora für Deutschland zu retten. Aber es fehlt ihr — wie es natürlich ist — zeugende Kraft. Und so ist die Sterilität unserer Gegenwart eine natürliche Folge der auf Erhaltung zielenden Politik aus den vergangenen Jahrzehnten. | Kehren wir nach dieser Abschweifung zu unserem Gegen-f staud zurück. | Die Erwägung der geschichtlichen Antezedentien erklärtj zur Genüge, warum wir auf einem toten Gleis sitzen. Zu sehr{ steht die heute in der Reife der Jahre befindliche Generation \ unter dem Eindruck der Notwendigkeit politischen Gemeinde- und Klal-Kampfes und dem Eindruck erfolgreichen Strebens der letzten großen Führer. Zu deutlich — so meint sie — hat sich die Berechtigung jener Bemühungen erwiesen, und diese hätten auch jetzt noch allein wahre Geltung. Wir wollen die Bedeutung jener Epoche nicht schmälern. Nur ihre Begrenztheit wollen wir hervorheben. So kommts, daß die jüdische Gemeinschaft Deutschlands 2>01itisiert wurde. Und je mehr der Erwerbskampf und die berufliche Betätigung die Entfremdung von jüdischer Kultur begünstigt — ich sehe im Moment davon ab, daß sich in manchen Kreisen seit ein bis zwei Jahrzehnten eine Rückkehr