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Jeschurun · 1919-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1919) · p. Seite 312

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1919)
Date
1919-05-01
Page
Seite 312 (sequence 90)
Language
German
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312 Palästina im Widerstreit der Großmächte. könig nach Ägypten oder Äthiopien zog oder die Pharaonen nach Ninive strebten, immer ging der Weg über Palästina. Das Eingekeiltsein zwischen zwei Großmächten schloß weiterhin aber auch die beständige Gefahr einer unsteten, schaukelnden Politik Palästinas in sich, gegen die die Propheten Israels mit aller Energie sich auflehnten, und die schließlich den Untergang des jüdischen Staates tatsächlich herbeiführte. Auch in dem großen Weltkrieg unserer Tage spielte Palästina eine nicht unbedeutende Rolle. Zunächst hören wir, daß am Anfänge des Krieges das türkische Hauptquartier sich in Jerusalem niedergelassen habe, daß der Bau einer durch Palästina führenden, die Wüste durchquerenden Eisenbahn der Türkei die Möglichkeit eines Angriffs auf den Suezkanal und damit auf die Weltmachtstellung Englands gewähren sollte. Diese kühne Hoffnung wurde freilich bald zunichte. England hat im Gegenteil Palästina erobert, die Türkei zu Boden geschlagen, und das Schicksal Palästinas liegt z. Z. noch verhüllt vor uns. Wenden wir uns von der augenblicklichen Lage Palästinas ab und einer kurzen geschichtlichen Betrachtung der Frage zu, welche Rolle Palästina seit ältester Zeit im Kampfe der Weltreiche gespielt hat, so sehen wir, daß zu manchen Zeiten die großen Weltereignisse in der Geschichte des kleinen jüdischen Landes sich widerspiegelten, daß sie sein Schicksal direkt beeinflußten, so daß die auf dem Boden Palästinas sich abspielenden Vorgänge aus ihrer Isolierung herausgehoben und zur Weltgeschichte werden. Es ist ein langer Weg. den wir bei dieser Betrachtung zurücklegen müssen; darum kann das einzelne nur kurz behandelt werden. Wir beginnen mit einer Zeit und mit Ereignissen, die man bisher als ganz unhistorisch zu betrachten geneigt war, die aber jetzt durch die lautsprechenden Urkunden der Ausgrabungen in Mesopotamien und Ägypten ihren vollen Anspruch auf Geschichtlichkeit erwiesen haben. Ja wir können sogar auf Zeiten zurückgehen, für die wir in der Bibel geschichtliche Ereignisse gar nicht verzeichnet finden.

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