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Jeschurun · 1919-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1919) · p. Seite 238

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1919)
Date
1919-05-01
Page
Seite 238 (sequence 16)
Language
German
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238 Mussarbemerkungen zur Zeitgeschichte. uferlosen Gewinnsucht anspornte und die Arbeiterlöhne in Höhen emporschnellen ließ, von denen sie ohne schwere Er- Schütterungen auch bei einem siegreichen Ausgange des Krieges nie hätten heruntersteigerkönnen, auch das Hindenburg־ programm ist als Ursache für die jetzigen Zustände in Rechnung zu stellen. Daß aber die Arbeiter in wahnwitzigen Streiks sich überboten, daß sie mit sichtbaren Augen dem Abgrund zueilten, daß die großen Massen — wir sehen hier ab von dem verhältnismäßig kleinen Kreise der Spartakisten, die für eine Idee fechten und mit voller Überlegung den Zusammenbruch herbeizuführen suchen — daß die großen Massen jeder Überredung und den schlichtesten Ausführungen des gesunden Menschenverstandes sich unzugänglich erweisen, das ist die alleinige Schuld eben jener Führer, die jetzt händeringend ihre Machtlosigkeit eingestehen müssen. Mea culpa, mea maxima culpa kann ein jeder von ihnen rufen. Denn sie sind es gewesen, die ein Menschen alter hindurch nichts anderes getan als den Arbeitermassen die Lehre einzuprägen von der Expropriation der Expropriateure, und selbst die, die revisionistisch gesonnen, theoretisch die Evolution als das berechtigte Prinzip anerkannten, wurden nicht müde, den Haß gegen die Kapitalisten, die Ausbeuter, die Blutsauger zu predigen, dem Arbeiter seine Macht und seine allein berechtigte Macht in das Hirn zu hämmern: AfLe Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will. Und da wundern sie sich, daß sie, die Wind gesät, den Sturm jetzt ernten. Daß nun, da der große Tag des Gerichts angebrochen, über die Arbeiter jenes Fieber gekommen ist, das die Massen in allen pseudomessianischen Zeiten durchglühte, daß die einen der ״Entwickelung“ spotten und die Erfüllung in die eigene Hand nehmen, die andern von der unersättlichen Gier ,zerfressen werden, die Stunde zu nutzen: laßt uns heute essen und trinken, denn morgen müssen wir sterben, über alle aber der Wahn der Zerstörung gekommen. Da stehen nun die Führer und reden, reden mit Engelszungen und lassen Bilder kleben, gute Bilder. Aber מדה בנגד מרה tönt’s ihnen entgegen. Ihr habt selbst die Grube gegraben,

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