Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1917)
- Date
- 1917-12-01
- Page
- Seite 626 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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626 Jüdischer Nationalismus und gesetzestreues Judentum. dem Religiösen nicht zu trennen, und wer das Religionsgeseta verließ, hörte damit auf, als Jude zu gelten. Als mit Beginn des 19. Jahrhunderts in weiteren Kreisen die Verbindlichkeit des Religionsgesetzes geleugnet wurde, andererseits aber die besseren Elemente sich scheuten, das Judentum zu verlassen, versuchten sie es mit der sogenannten Reform. Auch die Anhänger dieser Reform betrachteten sich als Juden der Religion nach. Sie wollten diese Religion nur dem Geiste ihrer Zeit änpassen. In Mittel- und Westeuropa waren es gerade diese Kreise, welche die Judenheit lediglich als religiöse Gemeinschaft auffassen wollten. Ihr Streben ging dahin, in jeder Beziehung, abgesehen von der Religion, sich der Landeskultur restlos anzuschließen. Da ihnen im Laufe der Zeit das religiöse Moment des Judentums^ der Betätigung immer mehr entkleidet, fast nur zu einer Theorie wurde, war ihnen die Assimilation ganz leicht geworden. Anders stand es in den dem Thoragesetze treugebliebenen Kreisen. Auch sie konnten sich den Folgen der allmählich fortschreitenden Emanzipation nicht * entziehen. Die Möglichkeit, teils auch der moralische oder politische Zwang, die Landeskultur in sich aufzunehmen, veranlaßte auch hier, teils gewollt, teils ungewollt, eine gewisse Assimilation. Restlos konnte diese nicht sein, Ma doch das Thoragesetz das praktische Leben zu sehr durchdringt. Theoretisch assimilierte man sich vielfach auch in diesen Kreisen, indem man sich lediglich der Religion nach als Juden betrachten wollte. Jedoch die Betonung der religiösen Praxis verhinderte hier eine weitergehende Assimilation. Die religiöse Pflicht, Thora zu lernen, bildete für die geistige Assimilation eine Grenze. Während daher in zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Reformjuden auch in ihrem Fühlen und Denken sich dem Judentum entfremdeten, schlossen die Gesetzestreuen eine Art Kompromiß zwischen jüdischer Lebensanschauung und Landeskultur. Bei bevorzugten Geistern wurde aus diesem Kompromiß eine Harmonie, wie wir sie bei Samson Raphael Hirsch am deutlichsten finden. Im wesentlichen ist ja die