Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1917)
- Date
- 1917-09-01
- Page
- – (sequence 89)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Juden in Rußland und Polen. 533 zählt, daß in dem polnischen Heer, das den Feldzug gegen die Kosaken führte, sich auch ein jüdisches Regiment von tausend Mann befand. Aber im Grunde verstand der Jude besser zu sterben, als zu kämpfen, und unter Führung seiner geistigen Häupter und von ihnen ermutigt zog er freudig Folter und Martern dem Glaubenswechsel vor, der ihn von beiden errettet hätte. In Polonnoje versammelten sich dreihundert Juden, in ihre Sterbegewänder und Gebetmäntel gehüllt, in der Synagoge und erwarteten mit einem heißen Gebet auf den Lippen die Mörder. In Tulczyn zeigten die Juden noch größeren Heldenmut. Sie hatten, vereinigt mit einigen hundert polnischen Pans, beschlossen, diese befestigte Stadt lange Zeit gegen die belagernden Haidamaks zu verteidigen, als sie plötzlich erfuhren, daß die Pans trotz ihres feierlichen Eides ihr Leben dadurch retten wolltem daß sie die Juden an ihre Feinde verrieten. Die Juden schlugen vor, mit den polnischen Verrätern kurzen Prozeß zu machen. Aber da erhob sich Rabbi Aron, der Leiter der talmudis.chen Hochschule des Ortes, und erinnerte sie an die Gefahr, in die sie durch eine solche Handlungsweise ihre Brüder im ganzen polnischen Reiche bringen würden. Die Tulczyner Juden ließen es unter Führung desselben Rabbi wehrlos zu, daß sie verraten und bis auf den letzten Mann hingemetzelt wurden. Es kann vielleicht eine gewisse Genugtuung gewähren zu erfahren, daß die verräterischen Pans der Nemesis nicht entgingen. Denn eine neue Kosakenschar nahte in Eilmärschen heran und vollzog zum Schimpf für ihre Verräterei an ihnen ihr Geschick. Auch die Frauen standen den heldenmütigen Männern nicht nach; sie gaben lieber ihr Leben preis, als ihre Ehre. Viele jüdische Mädchen wurden von den Kosaken weggeschleppt und zur Ehe gezwungen. Eine stürzte sich auf dem Wege zur Hochzeitsfeierlichkeit von einer Brücke herab und ertrank; eine andere erweckte in dem Kosaken den Glauben, daß sie gegen Kugeln gefeit sei, und brachte dadurch ihren Gatten dazu, sie zu töten. Alle diese Metzeleien waren nur ein Vorspiel zu den folgenden Leiden. Chmielnicki war schließlich gezwungen,