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Jeschurun · 1917-09-01 · Heft 9-10 (September 1917) · page 64

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1917)
Issue
Heft 9-10 (September 1917)
Date
1917-09-01
Page
– (sequence 64)
Language
German
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jo8 Die nationalen Forderungen des jüdischen Volkes in Rußland usw. gilt jetzt alle Positionen, die uns übergeben werden, zu besetzen und auszubauen, alle nationalen Institutionen zu errichten, unsern inneren Ausbau zu vollenden. Kurz — die nationalen Rechte ins Leben umzusetzen. Hierzu kommt noch die Heilung der Wunden, die uns der Weltkrieg in weit höherem Maße noch als den anderen Völkern geschlagen hat. Diese ungeheuere Arbeit wird die ganze Aufmerksamkeit und alle Kräfte des jüd. Volkes in Anspruch nehmen. Die Zionisten werden eine Partei innerhalb des Judentums bleiben. Der Zionismus wird sich innerlich noch mehr konsolidieren, wird seine Arbeit mit größeren Mitteln fortsetzen. Er wird aber seine Anziehungskraft für die Massen verlieren. Dieser Zustand wird zwei, drei Generationen andauern. So weit wird das Erbe der Väter ausreichen! Solange werden wir noch unter ihrem Einfluß sein. Nach dem raschen nationalen Aufschwung wird aber allmählich, und doch sicher, die Zeit des Verfalls kommen. Man wird, vielleicht mit Erstaunen» bemerken, wie aus den nationalen Eormen allmählich der nationale Inhalt zu verschwinden beginnt. Wir werden im Besitze nationaler Rechte sein, werden aber diese Rechte nicht ausnutzen. Die nationalen Rechte werden für uns zu einem leeren Rahmen werden. Wir werden eigene nationale Schulen auf Staatskosten haben, die junge Generation wird sie aber nicht besuchen. Wir werden eigene Gesetze haben, werden aber nach fremden Gesetzen leben. Unsere Sprache wird zum öffentlichen Leben zugelassen sein, wir werden uns aber ihrer nicht bedienen. Das Leben wird auf seine Rechte kommen. Da wir überall in der Minderheit und von der Mehrheit wirtschaftlich abhängig sein werden, werden wir uns an sie anpassen müssen. Das Leben selbst wird uns zwingen, ihre Sprachen zu lernen, ihre Gewohnheiten uns anzueignen. Wir werden denselben Assimilationsprozeß durchmachen, wie unsere westlichen Brüder ihn bereits durchgemacht haben. Keine nationalen Rechte werden uns vor diesem Prozeß bewahren können. Und doch! eins ist es, was uns jetzt die Berechtigung gibt, zu glauben, daß wir doch schließlich einen anderen Weg

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