Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1917)
- Date
- 1917-09-01
- Page
- – (sequence 62)
- Language
- German
- Belongs to
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ijO6 Die nationalen Forderungen des jüdischen Volkes in Rußland usw. nicht Voraussagen, wie diese Entwicklung weiter vor sich gehen wird. Das hängt auch zum Teil von der künftigen Gestaltung ]Rußlands ab. Die Politik ist bekanntlich die Kunst des Mögliehen. Und was in einer russischen konstitutionellen Monarchie nicht möglich war, das wird in einer russischen demokratischen Republik möglich. Für uns ist hier ein anderes von Bedeutung. Die russische Judenheit tritt in diesen Abschnitt ihrer Geschichte nicht im Zeichen der Assimilation, sondern im Zeichen der Nationalismus ein. Die russischen Juden sind von dem Wunsche beseelt, fortan nicht nur gute russische Bürger mosaischen Glaubens zu sein, sondern als ein besonderes jüdisches Volk bestehen zu bleiben und sich auf allen Gebieten des nationalen Lebens zu betätigen. Man kann jetzt schon mit Bestimmtheit sagen, daß die Juden ihr nationales Ziel in Rußland erreichen werden. Die Stimmung der regierenden Kreise wie auch die gesellschaftliche Meinung geht dahin, daß man den Juden, gleich allen anderen Völkern, eine Autonomie gewähren soll. Ob es eine politische oder nur eine national-kulturelle Autonomie sein wird, läßt sich freilich noch nicht sagen. Diese Frage hat auch prinzipiell eine nur untergeordnete Bedeutung. Eine allgemein wichtigere Frage drängt sich uns auf! Welche Richtung im nationalen Judentum wird die Oberhand gewinnen: die territorielle oder die autonomistische? Werden es die Zionisten oder die jüdischen Parteien sein, die den Sieg davon tragen werden? Wird sich das russische Judentum mit nationalen Rechten an Rußland begnügen und dem neuen Leben entgegenschreiten wie eines der Völker Rußlands, oder wird es sich nach wie vor danach sehnen ein eignes Heim einzurichten, sei es im Zion, sei es auf irgend einem anderen Territorium? Das ist eine schwerwiegende Frage, von deren Lösung das künftige Schicksal des jüdischen Volkes abhängt. ZurZeit macht der Zionismus in Rußland geradezu ungeahnte Fortschritte. Sechs Monate sind es nur her, daß man für den Zionismus öffentliche Propoganda machen darf, daß die Zugehörigkeit zur Zionistischen Organisation nicht mehr mit