Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1917)
- Date
- 1917-09-01
- Page
- – (sequence 59)
- Language
- German
- Belongs to
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Die nationalen Forderungen des jüdischen Volkes in Rußland usw. 503 dem Helsingforser Programm sehr nahe steht. Auch sie vertreten die Forderung einer autonomen nationalen Gemeinde und eines Gemeindebundes. Nur wollen die Poale Zion, gleich allen anderen jüdischen sozialistischen Parteien, der jüdischen Gemeinde ausschließlich einen weltlichen Charakter zuerkennen. Die religiösen Angelegenheiten sollen ihr entzogen werden, da sie die Privatangelegenheiten der einzelnen Mitglieder der Gemeinde sind. Zur Befriedigung der religiösen Bedürfnisse sollen die Mitglieder der Gemeinde entsprechende freie Vereinigungen gründen. Auch sonst nehmen die Poale Zion in dem Helsingforser Programm gewisse Änderungen vor, die die Folgerungen ihrer radikal sozialistischen Gesinnung sind. Das sind die jüdischen politischen Parteien und Verbände aus der Zeit vor der letzten russ. Revolution. Ich habe mich bemüht, ihr Wesen und ihr Programm möglichst getreu darzulegen. Unter ungünstigsten Bedingungen, von der Regierung verfolgt, mußten sie ihre politische Arbeit tun. Während all der finsteren Jahre der Reaktion durften sie nicht offen auftreten und waren gezwungen, im geheimen zu arbeiten. Sogar solche unschuldige Handlungen wie der Verkauf von Nationalfondsmarken hatten Getängnisstrafen zur Folge. Nun kam die russ. Revolution. Endlich konnten sich die jüdischen Parteien offen zu ihren nationalen und politischen Zielen bekennen und auf Erreichung dieser Ziele hinarbeiten. Eine der ersten Handlungen der revolutionären Regierung war die rechtliche Gleich- Stellung der Juden mit den anderen Bürgern. Es wird immer ein Ruhmesblatt in der Geschichte der russischen Juden bleiben, daß sie den Fehler ihrer westlichen Brüder aus der Zeit der Emanzipation nicht begangen haben. In dem Freudentaumel über die Erlangung der Gleichberechtigung haben sie nicht vergessen, daß sie nicht nur Bürger Rußlands, sondern daß sie auch ein besonderes Volk sind. Sie waren dessen eingedenk, daß die bürgerliche Gleichberechtigung die Judenfrage nicht aus der Welt schafft, sondern umgekehrt sie erst ins richtige Licht rückt. Stärker als je bekennen sich jetzt die