Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1917)
- Date
- 1917-09-01
- Page
- – (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
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Die nationalen Forderungen des jüdischen Volkes in Rußland usw. 487 Die jüdische Volksgruppe ist vor ungefähr zwölf Jahren entstanden. Im März 1905 fand in Wilna eine große jüdische Zusammenkunft statt, an der sich die Vertreter der verschiedensten Schichten des jüd. Volkes in Rußland beteiligten. Es war am Vorabend der ersten Revolution. Man hat auf dieser Konferenz die Schritte erwogen, welche unternommen werden sollten, um für die Juden die Gleichberechtigung zu erlangen. Das Ergebnis dieser Konferenz war die Gründung des ״Verbandes zur Erreichung der jüdischen Gleichberechtigung“. Dieser Verband war an sich ganz parteilos gedacht. Er sollte eine Centralorganisation darstellen, in der alle Schichten der jüd. Bevölkerung vertreten sein sollten, einzig und allein zum Ziele, die Gleichberechtigung der Juden zu erreichen. Und tatsächlich gehörten diesem Verbände an fromme Rabbiner wie auch ganz liberale Juden, Zionisten sowohl, wie Assimilanten. Ein Stand war aber in ihm besonders stark vertreten. Das war die jüdische Intelligenz, und zwar die jüdische Intelligenz Petersburgs. Man muß diesen Kreis genau kennen, um über ihn richtig zu urteilen. Es gehören ihm meistens ganz assimilierte Juden an, die kraft ihrer großen Begabung und hervorragenden Talente zu sehr hohen Stellungen im gesellschaftlichen Leben gelangt sind. In der hohen Petersburger Gesellschaft, wie im politischen Leben überhaupt spielen sie eine überaus wichtige Rolle. Meistens sind es Rechtsanwälte. Wir treffen unter ihnen berühmte Namen, wie z. B. Winawer, jetzt ein Senator, Sliosberg und andere. Mit dem Judentum verbindet sie wohl kaum mehr als ein Pietätsgefühl. Aber der Juden haben sie sich stets warm angenommen und waren ihre Fürsprecher in der Not. Diese ״ nflußreichen jüdischen Kreise haben dem ״Verbande zur Erreichung der jüdischen Gleichberechtigung“ so- Zusagen ihren Stempel aufgedrückt, sie führten seine Politik. Und es war eine eigenartige Politik, die sie trieben. Sie führten keinen offenen politischen Kampf für die Rechte der Juden. Sie suchten vielmehr ihre großen Verbindungen und den großen persönlichen Einfluß, den sie in der höchsten Ge- Seilschaft der Hauptstadt hatten, auszunutzen. Sie bemühten