Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1917)
- Date
- 1917-07-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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356 nationalen Forderungen des jüdischen Volkes in Rußland usw. und im Wesen der jüd. politischen Parteien die russische Revolution voraussichtlich bringen wird. Das russische Reich, ein Staat, dessen Fläche 40 Mal sogroß ist als die Deutschlands, hat eine Bevölkerung von 170 Millionen. Diese Bevölkerung ist nicht homogen, besteht vielmehr aus über 100 verschiedenen Nationalitäten und Volksstammen. Fast alle Menschenrassen finden wir da vertreten: Slawen aUer Stämme, Germanen, Litauer, Iranier, Semiten, Turanier, Mongolen, Tungusen und Völker der ugrisch-finnisehen Gruppe. Wir treffen dort die Bekenner aller Religionen der Welt: Evangelische,griechisch-orthodoxe,römisch-katholische und armenische Christen, Raskolniken, Israeliten, Mohammedaner, Buddhisten und Heiden. Eine Buntheit der Bevölkerung, die von keinem anderen Staate übertroffen wird und der gegenüber die Bevölkerung Österreichs geradezu homogen erscheint I Die russische Verfassung kannte aber all’ diese Verschiedenheiten nicht. Sie kannte nur ein Volk und das war das russische, oder, um genauer zu sprechen, das großrussische. Seine Sprache war die einzige Staatsprache, seine Kirche war die herrschende. Alle anderen Völker existierten für die russische Verfassung nicht. Nur den Finnländern und den Polen gegenüber war der russische Staat durch gewisse Be- Stimmungen gebunden. Es ist ja aber allbekannt, wie oft sich die russische Regierung über diese Bestimmungen hinweggesetzt hat. Allenfalls genossen diese beiden Völker, besonders aber die Finnländer, einen Schein der Selbständigkeit. Allen anderen Völkern Rußlands fehlte es dagegen an jeder elementarsten Freiheit. Man kann nicht sagen, daß die russische Regierung sie alle gewaltsam zu russifizieren suchte. Dazu fehlte es ihr an solchen ]Mitteln, wie z. B. der allgemeine Schulzwang. Sie hat auch nicht versucht, sie durch eine entsprechende Kolonisation zu verdrängen. Die russische Regierung hat aber fast jede kulturelle Regung ihrerseits gewaltsam unterdrückt. Schulen in andrer Sprache als die russische waren verboten, ihr Zeitungswesen kaum geduldet, Theater, Vorlesungen nicht gestattet usw. .Daß unter solchen Umständen von einer Selbstver-