Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1916)
- Date
- 1916-05-01
- Page
- Seite 241 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Kulturhöhe und Fall einer Weltmacht. 241 und Silber aufgehäuft wie Staub und Gold wie Gassenkehricht, so wird doch Gott es einnehmen lassen und ins Meer schlagen seinen Reichtum“ usw. Alle seine hohe Kultur, sein Glanz und seine Pracht, sein ererbter Reichtum und seine Klugheit werden es nicht vor dem Niedergang und vor dem Sturz schützen. Seine Hoffart, die keinen andern neben sich dulden wollte, die es in den Wahn versetzte, Alleinherrscher zu sein auf den Meereswogen — diese Hoffart mußte bestraft und gedemütigt werden. ,.Darum bringe ich Fremde über dich, kriegsgewaltigeVölker; sie zückenihre Schwerter gegen die Schön־ heit deiner Weisheit und sie entweihen deinen Glanz“ (Ez. 28, 7). Die Kulturhöhe von Tyrus erregt die Bewunderung der Zeitgenossen; diese Stadt (oder ihr König) ist ihnen ein ״abgeschlossenes Gebilde, voll von Kunstsinn und Weisheit, einideal von Schönheit“ (28,12). ״In Eden, dem Gottesgarten warst du?* köstliches Edelgestein war dein Baldachin; deine kunstvoll gearbeiteten Pauken und Flöten, am Tage deiner Geburt wurden sie bereitet“ (ebd. 13). Konnte die alte Kultur, die Tyrus umgab, der ererbte Luxus, in dem seine Bewohner aufgewachsen waren, deutlicher und anschaulicher hervorgehoben werden? Diese Macht, dieser Reichtum, diese materielle und geistige Kultur, die Tyrus sich errungen hatte, sie stammten nicht von kurzer Zeit her, in Jahrhunderten hatte sie sich entwickelt, auf ihnen hatte sich die Weltherrschaft aufgebaut, die für die Ewigkeit gegründet zu sein schien, gegen die mit Erfolg anzukämpfen kaum für möglich gehalten wurde. Was Tyrus so selbstbewußt und siegessicher machte, das war seine unbegrenzte Herrschaft auf dem Meere, die große Fülle seiner Handelsniederlassungen an allen Küsten und auf zahlreichen Eilanden, die ganz von ihm abhängig waren und seinen Zwecken dienstbar gemacht wurden. Das Geheimnis seiner glänzenden Erfolge war, daß es ״buhlte mit allen Reichen der Erde“ (Jes. 23, 17), daß es Handelsbeziehungen mit allen anknüpfte und viele durch Gunstbeweise in seine Netze zu ziehen wußte, so daß sie ihm nachliefen und von ihm abhängig wurden.