Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 1 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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'Tescgurun Januar 1916 3. Jahrgang Sch«bat 5676 Deutschland und die Ostjudenfrage. Die Ostjudentrage oder, enger gefaßt, die Frage der Juden Rußlands ist seit einem Menschenalter ein Problem der nichtjüdischen Welt, der Judenheit und des Judentums. An den unsäglichen Leiden von Millionen von Menschen durften die Vorkämpfer der sittlichen Ideale nicht teilnahmslos vorübergehen. Die gesamte Judenheit wurde immer und immer wieder bis ins Innerste von Schmerz erfüllt, wenn der Sehrei der Gequälteu an ihr Ohr klang. Und die Wandlungen, die sich in der Kultur und der Lebensauffassung des Hauptteils der Judenheit unter dem Druck der Not und den politischen Umwälzungen .vollzogen, machten sich auch im religiösen Leben dieser großen Masse geltend und konnten auf die Dauer nicht ohne Einfluß auf das Judentum bleiben. Insofern hat die Ostjudenfrage schon lange für die nichtjüdische und jüdische Welt auf der Tagesordnung gestanden. Durch den Weltkrieg ist sie aber ein spezifisch deutsches Problem geworden. Und wir wollen zeigen, daß das Interesse Deutschlands und das des Judentums an der Lösung der Ostjudenfrage und an der Art ihrer Lösung identisch ist. Es wird sich hei dieser zusammenfassenden Darstellung nicht vermeiden lassen, Gedanken, die schon vielfach ausgesprochen wurden, zu wiederholen. I. Als Deutsche und als Juden haben wir das gleiche Interesse, daß das russische Riesenreich aus diesem Weltkriege mit 1