Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- – (sequence 55)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Replik. 55 habe, in Babylon dagegen wies ich S. 94 auf die älteste Gottheit Bel^yn hin, deren Existenz über jeden Zweifel erhaben ist, ganz unbekümmert darum, ob sie in den allerfrühesten Perioden das semitische Appellativum בעל oder das gleichbedeutende sumerische En־lil getragen hat. 3. Die Ansicht, daß die griechische Geistesentfaltung viel früher begonnen und weit höhere Erzeugnisse zuwege gebracht hätte, wenn die griechischen Kolonien Kleinasiens der babylonischen Sphäre näher gewesen wären, bezeichnen Sie als ein Banausentum und meinen, daß dieselbe bei einem Schüler den Eindruck erwecken könnte, daß der Verfasser von griechischer Kunst und Wissenschaft keinen Hauch verspürt habe: Nun, da ich mir auf Gebieten, die nicht zu meinem speziellen Forschungsbereiche gehören, kein Urteil erlaube, so habe ich gerade betreffs der Heranziehung des griechischen Kulturmaßstabs mit Nachdruck auf Ed. Meyer hingewiesen, und so kann ich, trotzdem die Schriften jenes Gelehrten mir momentan nicht zur Verfügung stehen, Ihnen nach meinem Gedächtnis die Versicherung geben, daß der von Ihnen inkriminierte Satz vollinhaltlich jenem weltberühmten Philhellenen entnommen ist. Wenn dann auch Ed. Meyer, nach dem Urteil Ihres Schülers, ״keinen Hauch von griechischer Kunst und Wissenschaft verspürt“ haben sollte, dann.Hätte ich mir aber diese Ansicht auf Grund meiner Informationen selbst erlaubt, so würde mir das Urteil des Schülers immer noch sehr hart erscheinen. Habe ich denn gesagt, daß, wenn Plato und Aristoteles zu den babylonischen Priestern in die Schule gegangen wären, daß Sie dann größere Gei-teserzeugnisse zutage gefördert hätten? Vielmehr habe ich nur von den Urgriechen gesagt, daß sie, in der Nähe Babylons, um Jahrtausende früher auf den Schauplatz der Kulturgeschichte getreten wären. Tatsächlich haben Sie beim flüchtigen Lesen des von Ihnen sehr beanstandeten Satzes die bedeutsamsten 3 Worte ״ungleich früher begonnen“ ganz übersehen, wie ja auch diese Worte in Ihrem Zitate fehlen. 4. Sie beanstanden ferner, daß ich die Grundgedanken meines Buches als neue Entdeckungen ausgab, während doch 1. jeder Religionslehrer in der Bibel diese altsemitischen Bilder zeigt, 2. jeder im Cod.- Ammurabbi die noachidische Gesetzgebung erkennt, und 3. jeder in den Texten Elephantines die mündliche Überlieferung findet. Zu 1 bemerke ich, daß ich die von Barth und hundert andern verteidigte, von Ihnen allen Religionslehrem insumierte Anschauung mit aller Entschiedenheit zurückgewiesen habe. Daß Sie mir eine Anschauung vindizieren, die ich so heftig bekämpft habe, ist mir unbegreiflich. Zu 2 bemerke ich, daß die fast unzähligen mir zur Kenntnis gelangten jüdischen Äußerungen über den Cod.־Ammurabbi, — so besonders in den die Babel und Bibel-Frage behandelnden Broschüren, —