Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1914)
- Date
- 1914-12-01
- Page
- Seite 442 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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am—s-• 442 Die Vorgeschichte Israels und seiner Religion. erscheint uns so dankenswert, daß wir es einer eingehenden Besprechung wort halten. Auch wir haben manche zum Teil schwerwiegende Bodonkcn gegen Ausführungen des Verfassers. Aber wir sind so durchdrungen von der Wichtigkeit apologetischer Arbeit gegenüber den Ergebnissen der modernen religionsgeschichtlichen Forschungen, daß wir in erster Reihe dem Verfasser den wärmsten Dank für das Gute zollen, das er uns bietet. Wir geben zunächst eine kurze Darstellung der Hauptgedanken des Buches. Erstens, und das steht im Zentrum aller Ausführungen des Verfassers: Die Auffassung des traditionellen Judentums, daß die geschichtliche Entwickelung mit einer vollkommenen religiösen Stufe beginnt und daß der später allgemein verbreitete Götzendienst ein Abfall von dieser errungenen Höhe und eine Trübung der ursprünglich reinen Vorstellung von Gott, seinem Wesen und Wirken ist, findet ihre Bestätigung in den Funden der letzten Jahrzehnte. Damit ist dem gesamten Aufbau der religionsgeschichtlicben Forschungen die Unterlage. entzogen. Diese Forschungen, deren Hauptinstrument zwar die Bibelkritik ist, die abor in Wahrheit mit religions- und goschichtsphilosophischen Voraussetzungen arbeiten, legon allen ihren Untersuchungen das ontwickelungsgeschichtliche Prinzip zugrunde. Auch die Religion Israels soi aus den niedrigsten Anfängen vom Totemismus, Ahnonkult, Polythoismus erst in langer Ent- Wickelung zum Monothoismus gelangt. Eine niedrige Stufe sei für Israel noch in der Zeit der Richter, mehr noch in der mosaischen und erst recht in der Zeit der Patriarchen anzunehmen. Jampel entwirft ein Bild von den Resultaten der Altertumsforschung der neuesten Zeit, nach welchem schon zur Zeit Abrahams, ja weit vor dieser Periode, eine so hoho Kultur in Babylon und den von ihm beherrschten und beeinflußten Ländern sich entfaltet hatte, daß wir die Annahmen aller der Vorstufen, die sonst naturgemäß für das äußoro und innero Leben Israels in der biblischen Periode erforderlich scheinen, ent-