Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1914)
- Date
- 1914-02-01
- Page
- Seite 68 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Hinter Mauern. 68 Liebe! . . . Und alle christlichen Nationen sehen zu, und er selbst sieht zu, wie er so viele Male zugesehen hat . . . .“ Er überweist der Schwester sein halbes Vermögen, sorgt für sie besser als ein Vater vermöchte. Aber noch halten ihn die selbstgeschlungenen Bande, ln der Versammlung der freiheitstrunkenen Idealisten im Hause seines Freundes kündet er die satte Weisheit des realistischen Politikers, wenn er auch sehr warm die Sache der Juden verficht. J.)a trifft ihn ein Ruf vom Sterbebett der Mutter. Wie er dorthin eilt, sie sterben sieht, Zeuge wird der Schändung des Grabes seiner Mutter durch den Angriff gegen den Täter für seinen Teil den Ausbruch des Pogroms beschleunigt, als dessen Opfer er dann trotz seiner hohen Stellung fällt, das verfolgt der Leser in fieberhafter Spannung. So sühnt der Tod, den er für seiner Väter Glauben erleidet, die Schuld seines Lebens. Das Mal des Abrahambundes an seinem Leibe ist für seine Henker entscheidend tx*otz des christlichen Kreuzes und des unfehlbaren Schutzbriefes, das ihm sonst in seinem Passe alle Türen geöffnet. Hinter Mauern war er geboren und hinter Mauern ist er gestorben, und sein Leben in der Abtrünnigkeit erschien ihm wohl eine Zeitlang als die Freiheit. Aber in Wahrheit w~ar dort sein Auge getrübt und es leuchtete erst wieder in vollem Glanze, als er den Weg hinter die Mauern zuriiekgefunden. Verantwortlicher Redakteur Dr. J. Wohlgemuth, Berlin. Verlag des Jeachurun, Berlin. Druck von Mas Schmeraow in Kirchbain N.-L.