Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1914)
- Date
- 1914-02-01
- Page
- Seite 33 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Tescfjurun 1. Jahrgang. Februar 1914 Schebat 5674 Heft 2. Die drei Säulen. Von Rabbiner Dr. David Feuehtwang, Wien. Stehen sie noch aufrecht und ungebrochen? Ist ihre Tragkraft ungeschwächt; sind sie durch andere Stützen ersetzbar? Unseren alten Lehrern und Führern, Wächtern und Hütern galt als unerschütterliche Überzeugung, daß Thorah, Abodah und Gemilluth-Chassadim die stärksten Stützen und Träger jüdischen Denkens und Lebens, jüdischer Welt- und Lebens- Auffassung seien. Lernen und Lehren, Gottesdienst, Menschenliebe waren für Alt-Israel ein harmonischer Dreiklang, dessen Grundmotiv durch alle Lebensphasen tönte, alle Lebensäußerungen vom Anfang bis zum Ende begleitete. Ist das so geblieben und soll es notwendig so bloiben? Ein ehrwürdiges, historisches Denkmal ragt Israel selbst aus der Weltgeschichte in die Weltgeschichte. Nicht ein stummer, toter, angestaunter Zeuge einstmaliger Größe; nicht eine romantische Ruine sagenumwobener Vorzeit — ein lebendiges, schaffendes, atmendes, kämpfendes, siegendes Volk. Es lebt und will leben; loben unter den Bedingungen, die seinem leiblichen und geistigen Organismus seit Beginn zugrundeliegen und sich durch Jahrtausende als krafterhaltende, energieerzeugende bewährt haben. Sind diese Säulon auch heute noch tragfähig? finden wir unser gesichertes und sicherndes Auslangen mit ihnen? Schon die Fragestellung mag vielen und insbesondere Traditionstreuen ungerechtfertigt erscheinen. Wir müssen ihr trotzdem Rocht und Berechtigung zusprechen. Welt und Welt- 3