Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 14 (1935)
- Issue
- 52 (24.12.1935)
- Date
- 1935-12-24
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Bücher zur Wirtschaftswissenschaft Prof. Dr. Max Muss: Die Struktur der modernen Wirtschaft. Ein Ueberblick über die Zusammenhänge, die Gestaltungen und Kräfte in der Volkswirtschaft. Walter de Gruyter & Co., Berlin und Leipzig 1935. —Dr. Gerhard Weisser: Kommt es in den Wirtschaftswissenschaften zur Bildung einer neuen deutschen Schule? W. Kohlhammer. Stuttgart 1935. — Dr. G. Weisser? Wirtschafspolitik als Wissenschaft. W. Kohlhammers. Auch wenn die jüdischen wirtschaftenden^ .' Menschen in Deutschland ausschließlich. Objekte - der Wirtschaftsführung findist es für sic wich, v tig,. wissenschaftliche Erörterungen kennen- - zulernen? die sich um eine umfassende Deutung und Gestaltung der Wirtschaft der Gegenwart bemühen. Insofern dürfen die drei angesühr. ten Arbeiten auch an dieser Stelle Platz und Aufmerksamkeit beanspruchen. Die wirtschaftswissenschaftliche Literatur ist in - Deutschland noch ganz mit der Aufbereitung, Derarbeitung und wissenschaftlichen Formulierung der weltanschaulichen Prinzipien beschäftigt, die ihren Niederschlag in den gesetzgeberischen Aktionen des Staates gefunden, haben. Der Vorrang der Politik gegenüber der Theorie ist nicht nur unbestritten, sondern im Begriff der „politischen Wissenschaft" selbst zu einem Programm geworden. Da Politik die Wirklichkeit verändern, Wissenschaft sie jedoch erkennen will, enthält dieser Begriff a definitione eine vielfach erörterte Spannung. Sind selbst Naturwissenschaften wie Biologie, Rassentheorie, Vererbungslehre und andere in einen politischen Rahmen gespannt, so gilt dies in noch stärkerem Grade von den Gesellschaftswissenschaften. Ihre Theoretiker sind dieser Spannung in vollem lim* fang unterworfen, aber nur zum'Teil ihrer bewußt. Das Bewußtsein, sich, im Krastfelde von Antinomien zu bewegen, findet sich unter andcrm 'bei Muß und Weißer. Es führt, wie zu erwarten, bei beiden Autoren zum Bestreben, sie in irgendeiner Form aufzulösen. Das Buch von Professor Muß ist eine, vielleicht allzu knapp geratene, Darstellung der modernen 'Wirtschaft in ihrer Totalität. Tie einander ab», lösenden Wirtschaftsstrukturcn, wie primitive Vcrbrauchswirtschaft, mittelalterliche Tauschwirtschaft und moderne Erwerbswirtschast werden von Muß zwar in rational durchsichtige Formeln gefaßt, zugleich mildert er jedoch ihren matheinatisch starren Charakter durch den betonten Himveis auf nationale Schattierungen, die den Sinngehalt dieser Formeln notivendig beeinflussen und ändern müssen. Der biologisch und geschichtlich bedingte Volkscharakter wird — dies ein Element neuer Wirtschaftstheorie — in den wirtschaststheoretlschen Funktions- und Kausalzusainmeuhang als mitbestimmender Faktor cingeordnet. Er tritt gleichberechtigt, wenn nicht, überlegen, ökonomischen Faktoren, wie Geld, Kredit, Produktionsmittel gegenüber. Es ist nicht mehr die Wirtschaft selbst, sondern ein ihr übergeordneter Zweck, was in erster Linie die Aufmerksamkeit auch des Wirtschaftsforschers beansprucht. Dieser Zweck besteht nicht tn Bedarfsdeckung oder Erwerb, er liegt außerhalb der. wirtschaftlichen Ebene lind besteht darin (Seite 112). „eine Harmonie des ganzen Volkslebens, und in ihm auch des Wirtschafts-. Verlaufs durch -richtige Führung" . zu erreichen. Ein theoretisches. Schema, für dielen Begriff wird , von Muß nicht entwickelt, sondern es bleibt, der Politik, . dem staatlichen Eingriff, überlassen, .. die .Disharmonien, die ■ „kritischen Punkte der Strukturentwicklung" (Seite 9t) - zu beseitigen. Die bisherigen Umbildungsvorgänge mit ihrem Kampf zwischen freier und gebundener Wirtschaft, zwischen Erwerbsstreben und gesamtwirtscl/astlichem Keltungsanspruch, seien erst ein Beginn, „wir sind noch in der Zeit des Ucbergangs. Der Staat hat sich schon über die Wirtschaft erhoben, aber die Auseinandersetzung mit ihr ist noch nicht beendet" (Seite 113), nicht zuletzt deshalb, weil jede Volkswirtschaft Teil der Weltwirtschaft sei und bleiben werde. An diese und andere Möglichkeiten und Grenzen der Politik zu erinnern, ist der Dienst. den wissenschaftliche Arbeit ihr zu leisten vermag (Seite 3). Der Vorrang der Politik ist für den Verfasser kein Problem, sondern der nicht weiter zu erörternde Ausgangspunkt für die Darlegung der wirtschaftlichen Erscheinungen. Ohne den Begriff der politischen Wissenschaft zu analysieren, gibt Muhs eine, beständige An- Wendung dieses Begrifss aus die Praxis der wissenschaftlichen Theorie. ' Kommen in dem Buch von Muß die Probleme der politischen Wissenschaft nur mittelbar zum Ausdruck, so bilden sie den Inhalt, den beherrschenden Fragenkreis zweier Bücher von Weißer. Das erste dieser Bücher ist ihrer Methodik, das zweite ihrer Erkenntniskritik geividmet. Das eine lucht den besten Erkenntniswech das andere das letzte Erkenntnisziel der politischen Wissenschaft . zu ermitteln. Die erste von Weihers Schriften beginnt mit der Feststellung, daß unbeschadet der gemeinsamen Weltanschauung ihrer Vertreter die Nationalökonomie sich immer noch in einem chronischen Stadium des Methodenstreites befindet. Trotz der Gleichheit der politischen Anschauungen ist „die für wissenschaftliche Schulen typische Nebereinstimmung des Forschens selber noch kaum zu spüren" (S. <S). Daraus erwächst der Wissenschaft eine neue Aufgabe, nämlich die, eine Methode zu entwickeln, welche geignet ist, tragsäyige Basis einer zugleich politischen und wissenschaftlichen Wirtschaftssvrschung zu sein. Mit dieser Aufgabe konfrontiert Weißer die repräsentativen Methoden und Schulen der National- Ökonomie. Mathematische und historische Schule. Universalismus und verstehende Nationalökonomie werden in diesen Zusammenhang hineingestellt und untersucht. Weißer gelangt dabei zu dem Ergebnis, daß keine der bisherigen Forschüugsrichtungen in der Lage sei, dieser neuen Aufgabe gerecht zu werden. / Nur eine schöpferische Kombination von mehreren dieser Richtungen ermögliche es dem Forscher, den Schwierigkeiten der gestellten Aufgabe, zu entsprechen und die Spannung, die dem Begriff der politischen Wissenschaft innewohnt, zu überwinden. Eine solche, politisch fruchtbare Kombination erblickt der Verfasser, was die Methode betrifft, in einer Synthese bon mathematischer und kontemplativ-verstehender National- Ökonomie, Beide schulen werden von ihm als gleichberechtigte, sich ergänzende methodische Richtungen betrachtet, um wirtschaftliche Wirklichkeit wissenschaftlich und politisch fruchtbar zu erkennen. Die eine vermag in engerem Rahmen quantitative Bestimmungen zu geben/ die ändere deutet die - wirtschaftlichen Kräfte.vom rational nicht erfaßbaren Sinn auch der den gesellschaftlichen Erscheinungen zugewiesen wird. Lenkung der Ratio durch den als normativ erkannten Sinn der Erscheinungen, Wirtschastsnähe der „ganzheitlichen" Erkenntnis mit Hilfe quantitativer Analyse ist die ■ doppelte- Aufgabe, die dieser Methode zusällt. Dieser normative „Sinn" selbst ist, - soweit er sich als „Norm", - als Formungsprmzip einer noch zu erreichenden Wirtschaftsstufe und nicht als ihre rückblickende geschichtliche Sinn- . Deutung darstellt (aber auch hier in gewissem Maße), mit Fragen der politisch wertenden-Weltanschauung aufs engste verknüpft. Diese Verknüpfung führt den Verfasser zu der Frage, der er seine zweite Broschüre widmet, nämlich, ob „normative Wirtschaftspolitik als Wissenschaft möglich" sei. „Es genügt vielen", so schreibt Weißer zur Begründung seiner Frage, „die Prüfung, ob und inwieweit die volkswirtschaftlichen Erscheinungen dem Geiste der eigenen Nation und Rasse entsprechen. Gültigkeit wirtschaftspolitischer Pvstulate wird von ihnen nur innerhalb nationaler oder rassischer Grenzen beansprucht. Diesen Theoretikern gegenüber grenzt Weißer sich ab, in dem Bestreben, die Normen auch Außenstehenden gegenüber wissenschaftlich zu begründen und die „kontemplative Sinnschau" zu objektivieren; er befürchtet, in der Einleitung zu seinem Buch, die Forschung könnte, sonst bei freiwilliger Beschränkung ihres Gültigkeitsanspruchs Gefahr laufen, ihren Einfluß auf die wissenschaftliche Arbeit des Auslandes zu verlieren. (§. 2.) Darum unternimmt er den Versuch, mit Hilfe erkenntniskriti- - scher Argumente einen gleichsäm objektiven Pegel in die Strömungen der politischen Ideologie zu treiben. Eine zentrale wirtschaftspolitische „Grundnorm" soll als Formel eines absoluten Bezugssystems von primärer Geltung erkenntuiskritisch und logisch unangreifbar gemacht werden. Aus der Nationalökonomie selbst heraus läßt sich die für den Verfasser brauchbare Grundnorm nicht entwickeln; OekonomiSmus wird voy ihm ebenso abgelehnt wie ökonomischer Materialismus und soziologischer Politismus. Zwar ist die Grundnorm der Wirtschaftswissenschaften nicht alißerwissenschaftlich. aber sie entstammt Wissenschaften von noch breiterem Geltungsanspruch als Soziologie. Oekonomie und Naturwissenschaften, nämlich der Philosophie. Der philosophische Skeptizismus bestreitet zwar die wissenschaftliche Bestimmbarkeit der wirtschaftspolitischen Grundnorm, aber ohne seine These hinreichend zu cstützen. Auch der philosophische Empirismus bleibt der Wirtschaftspolitik die gesuchte oberste Prämisse schuldig, denn „weder biologischeugenische. technische oder ökonomische Imperative sind kategorisch"; ihr Pathos ist dahmler stehen« den, unmittelbaren Werten entliehen, und „ihre Gültigkeit folgt nicht allein aus ihrem faktischen Gelten" (S. 124), Die oberste Prämisse der normativen Wirtschaftspolitik kann also — dies, ist Weihers These — nur aus nichtempirischer Erkenntnis fließen, und zwar ist sie „nur als Inhalt nicht evidenter, jedoch erschließbarer Werterkenntnis a priori möglich; es entspricht also bestimmten Werturteilen eme unmittelbare Werterkenntnis von allgemeiner Gültigkeit. Damit ist die Grurwuyrm formal, aber nicht inhaltlich bestimmt. Ihre wenn auch noch vage inhaltliche Bestimmung sin- . bei Weißer in einer These der Fries-Nelsonschen Schule. Jnteressanterweise erblickt Weißer in der . von dem 1927 verstorbenen-Göttinger Philosophen. Nelson. ausgestellten und „in klassische Form ge- ■ brachten Maxime der Gerechtigkeit" (S. 159) jene letzten Wertes denen das ...Pathos der" technischen, ökonomischen und ' biolögisch-eugenischen Imperative entstammen soll. Ob und wie weit diese Lösung über ihr Ziel Hinausgreifs, wird die wissenschaftliche Diskussion entscheiden, die sich an dieses Buch vielleicht knüpfen wird. Weißer selbst hält es für not-? wendig, an die Philosophie zu appellieren, es möge ihr gelingen, von der unangreifbaren Nelsonschen Gerechtigkeitsmaxime aus Normen von gleichermaßen zwingender Evidenz, wenn auch größerer politischer Bestimmtheit zu entwickeln und zur Verfügung der politischen Wissenschaften zu stellen. K. H-g. Erstattungsfähigkeit von Gebühren aus- . scheidender Anwälte Das Kammergericht hat sich in einem in der „J uri sti schen W o ch e n sch r i ft" vom 14. Dezember 1935 veröffentlichten Beschluß mit der Frage beschäftigt, ob die Anwaltsgebühren eines zweiten nichtarischen Armenanwalts zu erstatten sind, wenn der e r st e der Partei beigevrdnete Armenanwalt nach 1933 nach Palästina ausgewandert ist, und zwar nicht auf Grund gesetzlichen Zwanges, sondern weil er als überzeugter Zionist seine Absicht der Auswanderung im Iabre 1934 verwirklicht hatte. Das Kammergericht hat dahin entschieden, daß das Ausscheiden eines nichtarischen Anwalts als Prozeßbet ollmächtigten, auch wenn kein gesetzlicher Zwang bestand, dann als durchdie politische Umwälzung^edingt anzusehen ist, wenn erkennbar die auf weltanschaulicher Grundlage entstandene Veränderung der polnischen Lage der entscheidende Beweggrund für das Ausscheiden ge. wesen ist. Dis Frage, ob beim Ausscheiden eines nichtarischen Anwalts infolge der politischen Umwälzung die Kosten des nachfolgenden Anwalts von der unterliegenden Partei zu erstatten sind, ist vom Oberlandesgericht Z w e i b r ü ck e n jetzt (..Juristische . Wochenschrift" vom 14, Dezember 1935) dahin entschieden worden, daß der an Stelle des ausichcidendrn nichtarischen Anwalts neue eintretende Anwalt n ü r die Prozeß gebühr erhält und daß nur diese eine Gebühr erstattungsfähig ist. Ma. Go. tnze ( Altenburg ) ( Düssseldorf \ Ihre FAMILIEN¬ ANZEIGE hat Wert, wenn sie Ihre Verwandten und Bekannten in ganz Deutschland erreicht. /Wenn Sie ein Familienereignis anzukündigen haben, so wählen Sie die G-V.-Zeitung. Sie hat eine grosse Verbreitung über ganz Deutschland* IL. Kaufhaus M X 8. Cohn 1 Immer führend J Slf@mb@Fg9 Königsallee 46 Dos Modehaus in Düsseldorf ( Annaberg ) ( Frankfurt a. M. ) UKthyien Bernhanl Chaskel Spezialhaust. 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