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Central-Verein-Zeitung · 1935-12-12 · 50 (12.12.1935) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
14 (1935)
Issue
50 (12.12.1935)
Date
1935-12-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XIV. JaKrg&ng l Nr. SO Berlin, 12. Dezember 1935 Preis 10 Pfennig entral ALLGEMEINE ZEITUNG DES JUDENTUMS Geschaltwtelle^Veriag, Schriftleitnng, Anzeigenannahme, Vertriebsabteilung): Berlin W15, Emser Strasse 42. Fernsprecher: J 2 Oliva 81ll-r~tr,. Telegrammadresse: Centralglaiiben. Berlin. Postscheckkonto: Berlin 30472. ■ iCV pa1 nn^ erschwot. WoAeitUck^ui Donnerstag. Redaktionsschluss: Dienstag. Bestellungen nimmt jedes Postamt und die 'Geschäftsstelle entgegen. ZustciSng erfolgt durch die Post, die dio'. Gebühren ouren den Postboten erhebt. — Bezugsgebühren: Abonnement vierteljährlich 99 Rpf. (Ansland 2.30 RM, ungerechnet in die Landeswährung) einschliesslich Zustellgebühren. Einzelnummer 10 Rpf. (Ausland 20 Rpf.). i“ pfe ... Jer .Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Rückvergütung der gezahlten Beträge, — Anzcigengcbühren: Preisliste 5 gültig. Die P’gespn'tone Millimeter-Zeile 20 Rpf., für Stellengesuche iu Kpr., für ramilienanzeigen 16 Rpf., weitere ermässigte Grundpreise siehe Preisliste. Einzelanzeigen nur gegen Vorauszahlung. — Anzeigenschluss: Dienstag, l’i'itz- und Datenvorschriften ohne Verbindlichkeit, Das Bildungsproblem der jüdischen Schule Von Dr. H. Stern Bericht an «len Völker Ii und § rat In der gegenwärtigen Situation über unser Bildungsproblem und seine Lösung zu schreiben, ist nur unter zwei wesentlichen Voraussetzungen zweckvoll: der e rstcn, daß wir die Entwicklung unserer Lage aus einige Sicht hin überblicken und danach unsere Bildungsarbeit ein- und ausrichten können; der z w e i t e n , daß uns die innere Ausgestaltung der- Schule nach unseren Praktischen Notwendigkeiten und nach unserer kulturpsychylogischen Haltung ermöglicht wird. Unser Meinen und Wollen steht, also im Schatten eines zweisachen „Als ob". Schon daraus erhellt die Relativität der nachstehenden Ausführungen, zugleich aber auch die ungeheure Schwierigkeit der Ausgabe, bevor noch ein Wort zur Sache gesagt ist. Die Sache verlangt aber noch eine andere „vorläufige" Klarstellung. Die Schule und ihre entscheidenden Probleme sind keine Partei- und Richtungsfragen mehr. Seitdem wir alle unter dem einen Gesetz der Notwendigkeit stehen, ist all das, was der einzelne an Wünschen und Sehnsüchten in sich trügt, Privatsache. Der verantwortliche Schulmann muß.daher — wie jeder Verantwortliche an seiner Stelle — aus der gesamtjüdischen Wirklichkeit — und nur ans dieser — seine Ausgabe erkennen und diese Aufgabe in Ansehung der gesamtjüdischen Notwendigkeiten zu lösen suchen. Wenn wir von einem Bildungsproblem in der jüdischen Schule zu sprechen anfangen, dann ist eigentlich eine wichtige Entscheidung schon getroffen: die zugunsten der „Bildung" gegenüber der bloßen geistigen Ausrüstung unserer Jugend für den unmittelbar bevorstehenden Daseinskampf. Die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen; auch wir empfinden den Druck dieser Notwendigkeit und daher unserer Verantwortung. Ist „Bildung" nicht wirklich ein Luxus für eine Gemeinschaft, die in dem Daseinskampf in seiner härtesten Form sieht? Sollte man nicht wirklich allen „Bildungsballast" beiseite, werfen und die Schule kurz entschlossen auf. „praktische Arbeit" umstellen? D. h. auf. Hebräisch mit Palästinakunde für die einen. Englisch für die zweiten. Spanisch für die dritten? Denn sprachliche Schulung ist heute doch wirklich die wesentliche geistige „Hachschara" neben der körperlichen und charakterlichen Ertüchtigung. Diese Nummer umfasst 28 Seiten. Sie enthält u. a.: Hauptblatt: Wo sind die Jaden Deutschlands geboren? 1. Beiblatt: Junge jüdische Komponisten. Von Dr. Anneliese Landau. 2. Beiblatt: Brasilien, Land der Möglichkeiten. Von Fine Levy (Sao Paulo). — Bibliographie jüdischer Werke. 3. Beiblatt: Besuch im Breslauer jüdischen Museum. Von Dr. Max Osborn. — Kunstausstellungen. Von Dr. Olga Bloch. — Palästina-Umschau. 4. Beiblatt: Das neue Buch. Mit Beiträgen <i.n^=hthus—Bab. Leo Hirsch unj Kurt 5. Beiblatt: Die Juden von Alexandrien. Von Heinz Berggrün. — Juristische Wochenschau. 6. Beiblatt: Sportblatt. — Wirtschaft der Woche. — Neues Devisenrecht. Von Dr. Werner Rosenberg und Rudolf Gräupner. Zentrale Aus Wanderungsprojekte Der Vorschlag der Jewish Agency Im Anschluß an die Gcnfer''Beratungen über Auswanderung und Ansiedlnng von Juden aus Deutschland, von denen in der vorigen Nummer ausführlich berichtet wurde, veröffentlich das ständige Büro des Jewish Agency beim Völkerbund ein Commüniguö. dem wir folgendes entnehmen. Die Jewish Agency hat der Sachverständigenkommission des Völkerbundes für Auswanderungsfragen, wie hier schon mitgeteilt wurde, eine Denkschrift überreicht, in der sie ihr besonderes Interesse an den Fragen der aus Deutschland ausgewanderten und in Zukunft auswandernden Juden erklärt. Sie weist u. a. auf die Notwendigkeit hin, ein mit dem Völkerbund eng verknüpftes wirksames Verwaltungsorgan zu schassen, das sich mit allen den Schutz der aus Deutschland Ausgewanderten betreffenden Fragen (Nechtsstatus, Pässe, Niederlassungs- und. Arbeitserlaubnis, Verhandlungen mit den interessierten Regierungen, Ausrechterhaltung des Kontaktes mit den offiziellen und privaten Organisationen nsw.) zu befassen hätte. Auf Grund ihrer Uebcrzengnng, daß die neueste Gesetzgebung eine weitere starke Auswanderungswelle notwendig machen wird, hat die Jewish Agency ferner der Expertenkommission einen detaillierten Plan vorgelegt, der eins Lösung des künftigen Auswanderungsproblems von rund 200Ö00Juden aus Deutschland im Laufe der nächsten acht. bis zehn Jahre vorsieht. Nach diesem Plan soll Palästina allein 10- bis 12 000,' und andere Länder, insbesondere gewisse überseeische Länder, etwa 8- bis 10 000 jüdische Auswanderer aus Deutschland jährlich aufnehmen. Eine wesentliche Vorbedingung für die Durchführung dieses Planes bildet die Lösung der Frage der Liquidierung und des Transfers des Eigentums derjenigen Juden, . die aiis Deutschland auswandern müssen.!)htt ein mit der nötigen Autorität ausgestattetes Organ des Vötkerbundes könnte imstande sein, die Durchführung eines solchen Planes, der Verhandlungen mit den Regierungen des Ans- und der Einwanderungsländer sowie mit den unmittelbar interessierten offiziellen lind privaten Organisationen erfordert, zu organisieren und zu verwirklichen. Der Lchlusshericht der Expertenkommission Wie der „Jta" ans Genf gemeldet wird, hat die vom Völkerbundsrät eingesetzte Erpertenkommissivn für die Neuregelung der Auswanderersrage ihre Arbeiten abgeschlossen. Das Ergebnis wurde in einem 30 Seiten' umfassenden Bericht niedergelegt, der nach der Tagung des Völkerbundsrates am 20. Januar veröffentlicht werden wird. In ihren Entschließungen sprach sich die Kommission, die unter dem Vorsitz des tschechoslowakischen Gesandten in Paris, Dr. Stephan Osusky, stand, dahin aus, daß zur Lösung der Auswandererfrage eine Zusammenarbeit aller direkt interessierten Staaten notwendig sei. Aber auch die Mitarbeit der nicht direkt interessierten Staaten an der Lösung des Problems durch Aufnahme einer bestimmten Zahl Ausgewanderter in ihr Staatsgebiet sei zu fordern. Bezügl'ich der Auswanderer aus Deutschland wird vorgeschlagen, daß ein international, gültiges Rechtsstatut für sie 'ausgearbeitet Ueber den Inhalt des Berichtes der Kommission erfährt der Genfer - „Jta"-Berick,terstatter weiter, das; ein Alternativvorschlag an den Völkerbnndsrat ansgearbeitet.wurde, demzufolge entweder für die Auswanderer ans Deutschland eine besondere autonome Abteilung dem Nansen-Amt angegliedert Welchem „Praktiker" aber wird bei dieser Aussicht wohl? Nein! Wir wollen bei der „Bildung" bleiben. Das will sagen: wir treten für eine Vergeistigung ein, die gewiß nicht auf die Schule, aber auch nicht nur aus das Leben abgestimmt ist, sondern für eine Vergeistigung, die ihren Eigenwert hat; wir wollen auch jetzt noch, gerade jetzt, eine. Bildung pflegen. die eben um dieses Eigeiüvertes willen für den. der sie besitzt, einen hohen Persönlichkeitswert hat. Warum wir das w 0 ll en? Nicht, weil wir aus der alten Haut nicht herauskönuen, sondern — weil w i r I u de n s i n d. Ter Jude ist .zujeder Zeit und in jeder Situation ein geistiger Mensch gewesen, darum soll er es bleiben. Im Geistigen hat er seine Widerstandskraft gesunden und aus dem Geistigen seine Waffen geschmiedet. So ist Bildung auch ein Rüstzeug für den Lebenskampf und r— in heutiger Zeit weniger, denn je zu vergessen — auch eine Quelle höchsten Lebensglücks. Daruni empfinden auch die Ehaluzim ihre „gänzlich überflüssige" höhere oder gar akademische Bildung nicht etwa als Ballast, sondern als ein Lebensgut. das sie aus einem Schisfbruch gerade noch gerettet haben. Bildung aber wächst nicht im luftleeren Raum; Bildung wächst aus der Kultur hervor und in die Lebenswirklichkeit hinein. D. h.: Bildung setzt die anerkannten Kulturgüter einer Gemeinschaft in wirkende, formende, gestaltende Kraft um und schasst den „gebildeten" Menschen, der nun. wenn, seine Bildung nicht totes Kapital bleiben soll, die Möglichkeit haben - mnsi. seine Bildung in seinem Lebens- und Gemeiuschaftsraum auszuwirkeu..und somit der Aufgabe als Kulturträger seiner Gemeinschaft, seiner höchsten sozialen Pflicht, zu genügen. . Wie steht es nun bei uns mit diesen Grundlagen der Bildung? Der Kulturboden,' aus dem unsere Bildung, abgesehen vom religiösen Sektor, erwachsen ist. ist der deutsche; der Rauin,/ iu dem wir unsere Bildung — wiederum abgesehen von .der.'religiösen. -- ansgelebt haben, war der deutsche. Ter Ausschluß aus dem deutschen Kultur- und Lebeuskre.is sowie die Entwicklung der deutschen Kultur der Gegenwart nach einer Seite hin", die sie als Bilbuugselemeut für uns Juden gegenstandslos macht, haben unsere bisherige Bil- -dungsgrnndlage zerstört. Andererseits ist die jüdische Kultur und. somit das höchste Bildungsgut nochJiicht so entwickelt— und wie kvNAte.das auch sein? — daß wir den Ersatz aus allen für die Bildung wichtigen Gebieten TSgreifbar" hätten. Damit kommt die Unklare heit des Bilduugsziels und die Unsicherheit der Bildungsardeit in unsere Schule. . Ihre Uebeiwiuduug ist das erste allgemeine Bildqugsproblem der jüdischen Schule in Deutschland. Aber die Losung dieses Problems — das mus; unzweideutig tlargest'lll werden — ist nicht Ausgabe der Schule, denn werden und der künftige Präsident des Nansen-Amtes gleichzeitig auch als Oberkommissar für die Auswanderer aus Deutschland gelten soll oder ein völlig selbständiges Amt für die Fragen der Auswanderer aus Deutschland mit einem eigenen Oberlvmmissar geschaffen werden soll. Für diesen Alternativvorschlag haben vier Mitglieder der Kommission gestimmt, das fünfte jedoch, der Italiener Senator de Michaelis. lehnte ihn ab und vertrat den Standpunkt, daß die Regelung der Answandererfürsorge ohne Schaffung eines neuen ständigen Bölkerbundsämtes den privaten philanthropischen Organisationen überlassen werde. Da die endgültige Entscheidung über diesen Vorschlag. der erst , der im September 1036 zusaiiiiueulreteudeil Völkerbundsversammlung zusteht. beantragt die Erperteukommissivn, für die Zeit vom Januar bis September ein provisorisches Amt mit einem eigenen Oberkviumissar für Auswanderer ans Deutschland eiuzurichteu. Dieser Oberkvmmissar soll die lausenden Angelegenheiten der Auswanderer ans Deutschland in der Zeit bis September 1036 unter technischer Mithilfe des Bölkerbnndssekretariats erledigen. Schließlich wird, nach dieser Meldung, in dem Bericht ein detaillierter Ueberblick über die Lage der Inden in Dentschlaiid gegeben, wobei die Notwendigkeit einer endgültigen Regelung und Liquidierung des Transfer- Problems herborgehoben wird. Finanzierungs-Absichten 1 Tie vom A m e r i c a n I e w i s h I oint D i st r i b n t i v n E o nun i t t e e für den 8. Dezember nach Ehieago einberufene aicherurdeiitl'che Konferenz zur -Einleitung einer Nothilfsaktioil für die Juden Mittel- und Osteuropas hat beschlossen, 3'.00 00i) Dollars für den Wiederaufbau eines Auswaiideruiigs-- hilfsdienstes für die Inden Mitteleuropas aufzUbringeii. Mit Ansprachen traten ans der Konferenz der Gouverneur des Staates Illinois. •V.'ieinl) .vorner. der Ehrenpräsident des Joint Distribution Evinmittee. Felix?M. Warburg. der Vorsitzende der. Exekutive Paul Baerwald, I. E. Hyman. S. Loewen, stein, A. Kahn und W. .Rvsenwald hervor. Kulturgüter zu schassen, kamt nie und nimmer Aufgabe der Pädagogik sein? das ist Aufgabe.der/Gemeinsehast.' die sich geistig erhalten will. Das; unser Geschieht die Kraft finden.möge, kulturichöpserisch zu. Wirken, ist eine Hoffnung — noch keine Tatsache. Bis dahin könnte es scheinen, als werde und solle die Zweigesichtigk'elt der jüdisrlieu Bildung in Deutschland ein vorübergehender Zustand sein, der in dem Tempo verschwinden werde, in dein eine jüdisch-hebräische Kultur sich entwickelt, Nun. ganz so ivird es wohl nullt sein. Ter Jude in Deutschland, auch, dev BMljude. wird ijiliuev ein Europäer fein. Tie europäische — abeudläudisihe - - Kultur ivird au seiner Prägung iveiterarbeiten. wenn auch nullt in dem Grade und in dem Sinne wie fiülji'i-. Europäische Kultur ist aber in wesentlichen PElenienten nur ein Begriff; lltzirklick|keit gewinnt sie'erst in einer b.esonf deren nationalen., ovlkhnsten Ausprägung, der deutschen, sranzösistljen.. englischen nsw. Es gibt z. B. leine europäischen Lieder -- aber ^dz'utsche. französische usw. Das; für uns die deutsche Auspragiiug der europäischen Kultur die höchste Lebeuswirklichkeit haben ivird. ist eine Selbstverständlichleit, die siehnaturgeüiäß aiieh in der jüdischen Sel,ule darstellen mus;. Tie Zweigesichtigkeit wird darum zum üdese.n unserer Schule gehören .wie zum Wesen unserer Kultur, unserer Bildung, unseres — Eharakters.. Aber in Klarheit und Sicherheit! Tie Grenzlinie so zu ziehen, daß

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