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Central-Verein-Zeitung · 1935-11-28 · 48 (28.11.1935) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
14 (1935)
Issue
48 (28.11.1935)
Date
1935-11-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
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-7'r; XIV. Jahrgang I Nr. 48 Berlin, 28. November 1938 Preis 10 Pfennig entral ALLGEMEINE ZEITUN6 DES JUDENTUMS Geschäftsstelle (Verlag, Schriftleitung, Anzeigenannahme, Vertriebsabteilung): Berlin W15, Emser Strasse 42. Fernsprecher: 32 Oliva 8141—15. Telegrammadresse: Central gl 2 üben, Berlin. Postscheckkonto: Berlin 80472. Die „C.-V.-Zeitnng“ erscheint wöchentlich am Donnerstag.. Redaktionsschluss: Dienstag.’ Bestellungen nimmt jedes Postamt and die Geschäftsstelle entgegen. Zustellung erfolgt durch die Post, die die Gebühren durch den Postboten erhebt. — Bezugsgebühren: Abonnement vierteljährlich 99 Rpf. (Ausland 2,30 RM, umgerechnet in die Landeswährung) einschliesslich Zustellgebühren. Einreinummer 10 Rpf. (Ausland 20 Rpf.). Im Faüe höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Rückvergütung der gezahlten Beträge. — Anzelgengebühren: Preisliste 5 gültig. Die «gespaltene Millimeter-Zeile 20 Rpf., für Stellengesuche 10 Rpf., für Familienanzeigen 16 Rpf., weitere erinässigte Grundpreise siehe Preisliste. Einzelanzeigen nur gegen Vorauszahlung. — Anzeigenschluss: Dienstag. Platz- und Datcnvorschrifteu ohne Verbindlichkeit. Verschlossener Planet? A. H. Der Jüdischen—Telegraphen» Agentur wird über London aus Genf gemeldet, daß „der seinerzeit vom Völkerbund ernannte, aber dem- Völkerbund nicht direkt unterstellte Oberkommissar für Auswandererfürsorge, der Ameri» kaner James G. MacDonald habe sein Amt für den 15. Dezember d. I. zur Verfügung ^gestellt. Anfang Dezember wird, so heißt es in der Meldung weiter, noch eine Konferenz für Auswandererfragen abgehalten werden, in der über die Zukunft der Auswanderer aus Deutschland beraten werden wird. Der Völkerbundsrat wird in feiner Tagung im Januar 1936 den Bericht des Sachverständigenausschusses entgegenNehmen und über . den Schutz der Auswanderer endgültige Beschlüsse fassen. In einem Interview teilte Oberkommissar G. MacDonald dem Leiter des Londoner ITA- Hauptbüros Victor M. Bienstock mit, das Oberkommijsariat werde bis zum Zusammentritt des Dölkerbundsrates im Januar 1936 seine Arbeiten fortführen, dann aber werde der Völkerbund selbst die Verantwortung für das Schicksal der Auswanderer übernehmen. Die Maßnahmen, die notwendig sind, um die Tausende durch die Länder Europas wandernder Menschen — weitere tausend werden sich diesen in der Zukunft noch zugesellen — seßhaft zu machen, können durch niemand anderen als durch den Völkerbund, seinen Einfluß und seine Autorität, getroffen werden. Auf diesen Aktionskurs habe 'er. MacDonald, auch den Vorsitzenden des Verwaltungsrates des Oberkommissariats, Viscount Cecil os ChelwoÄ), gedrängt.^ Genf wird also, wenn diese Informationen zutresfen, für die Juden in Deutschland in den nächsten Wochen von der Stadt der Sanktionen zu dem Ort werden, cm' dem über ihr Schicksal Bedeutsames geredet und hoffentlich auch beschlossen werden wird. Freilich verbindet sich auch für unsere besonderen Fragen mit dem Begriff Genf sehr viel Skepsis. Zu oft sind großartictzangekündigte Absichten, die uns betreffen, in nichts aufgegangen und haben durch die Enttäuschung, die ihnen folgte, den Seelenzustand derer, denen geholfen werden sollte, verschlechtert, als daß wir von den Ankündigungen schon dac> Heil erwarteten. Als es vor mehr als zwei Jahren zur Einsetzung MacDonalds als Oberkommissar für Auswandererfürsorge kam, sind in Genf sehr viele Reden gehalten worden, die uns allen Wohltaten, weil sie unsere menschlichen und jüdischen Werte anerkannten und weil es so schien, als ob man bereit sei, unserer Lage Rechnung zu tragen, die offene Grenzen für die wachsende Zähl auswanderungslustiger Juden aus Deutschland forderte. Die Zwei- Jahres-Bilanz des Obcrkommisiariats be- Diese Nummer umfasst 22 Seilen Sie enthält u. a.r Hauptblatt: Die Auswanderung Aachener Juden seit 1933. Von Karl Löwenstein. 1. Beiblatt: Wassermann - Premiere in Hamburg. Sonderbericht von Dr. Hugo Lachmanski. 2: Beiblatt: Bibliographie jüdischerWerke — Das Blatt der jüdischen Frau. . 3. Beiblatt: Das neue Buch. — Juristische. Wochenschau. ' 4. Beiblatt: Sportblatt. — Wirtschaft der Woche. 5. Beiblatt: Palästina-Umschau: Sondcrberichte aus Palästina und England. stätigt aber den Eindruck auch deS über Einzelheiten ununterrichteten Juden, daß nämlich MacDonald in vielen Hauptstädten inner- und außerhalb Europas ein mehr oder minder gern gesehener, mitunter wohl auch unbequemer Besucher gewesen ist, daß das Problem selbst aber durch seine Tätigkeit einer Lösung nicht entgegengesührt wor- Zwei veraltete Methoden trafen zusammen und bewirkten, daß die Zahlen in dom Bericht, den MaxDonald dem Verwaltungsrat des Oberkommissariats unter Vorsitz von Viscount Cecil of Chelwood erstatten wird. Reisekilometer und Unkosten, aber nicht erfolgreich angesetzte Auswanderer bedeuten. — Die Methoden MacDonalds folgten einmal zu sehr den ausgetretenen Pfaden der Geheimdiplomatie. Ein Problem, das so offen von aller Welt diskutiert wird, brauchte nicht in internen Aussprachen mit den Einzelregierungen behandelt zu werden, die alle in diesem bewegten Jahrzehnt ihre Aufmerksamkeit lieber ihnen vordinglicher erscheinenden Aufgaben zuwand^^s diesen. So blieb schließlich 1 jeder Regierung als Entschuldigung, daß der Nachbarstaat, den MacDonald dann besuchen würde, 'eine positivere Antwort erteilen werde. Man entlastete das Gewissen wegen - des „Nein" durch Sympathieerklärungen, die sehr viel Rühmendes und Ehrendes über uns Juden enthielten, aber kaum einem eine Existenz schufen. Der zweite Faktor, der den negativen Ausgang der Arbeit des Oberkommissariats verschulden mußte, war, daß man an Stelle eines konstruktive n Planes für brauchbare und arbeitsfähige Menschen den Fürsorgeg e d a n k e n unterstrich. Zwar ist ganz allgemein innerstaatlich die Armenpflege zur Wohlfahrtspolitik gewandelt worden. Aber anscheinend kam im Oberkommissartat niemänd auf den naheliegendeü Gedanken, als richtig erkannte innerstaatliche Grundsätze auf eine Aufgabe anzuwenden, die über die Grenzen eines Landes, ja sogar eines Kontinents hinausragt. Denn es handelt sich ja nicht um die Versorgung der relativ Wenigen, die 1933 übereilt Hinausgegangep sind und nun fremdländische Wohkfahrtsef-. «n^tnngen und Fremdenpolizei und AusweisungSstellett beschäftigen. Es muß vielmehr der Auswanderungddruck Berücksichtigung finden,. der auf den Juden innerhalb Deutschlands immer lastender ruht. Wenn die Tätigkeit MacDonalds nachträglich eine Rechtfertigung und Begründung erhalten soll, so liegt sie allenfalls' darin, daß man wohl allgemein und endgültig gelernt hat, wie man es nicht machen soll und wie eS nicht geht. Die Berichte der Sachverständigen. die dem Völkerbund im Januar 1936 vorgelegt werden sollen, werden ohne Frage die. negativen Erfahrungen MacDonalds berücksichtigen und feststellen, daß die klügsten akademischen Analhsen des Problems wertlos sind, daß vielmehr eine vielleicht ungewöhnliche. aber praktische und umfassende Konstruktion gefunden werden muß. auch wenn durch sie erst die wirklichen Schwierigkeiten finanzpolitischer und devisenrechtlicher Natur sichtbar werden sollten. Niemand in den Kreisen der betroffenen - Juden wird positive Ergebnisse der neu gestarteten ^Genfer Arbeiten deswegen ablehnen, weil er von dem. was bisher geschah, grenzenlos enttäuscht worden ist. . Während der Jahve, in denen MacDonald sich erfolglos mühte, hat sich freilich auch innerhalb der Juden Deutschlands die fachliche und seelische Situation erheblich ge- Tagung der Agency Die Mitglieder des Administrative Oommittes und des Eouneil der Jewish Agency in Deutschland veranstalteten am vergangenen Sonntag gemeinsam mit dem Präsidium des Keren Hajessod für Deutschland eine Tagung, zu der zahlreiche Freunde der einladenden Gremien aus Berlin und dem Reich erschienen waren. Nach einleitenden Worten von Rabbiner Dr.Bae.ck, der den Vorsitz führte, sprach Dr. Friedrich Brodnitz über die Oouneiltagung der Jewish Agency in Luzern, die dort im Anschluß an den letzten Zionistenkongreß stattgesunden hat. Zwischen der Scylla, einer wohlinformierten Versammlung eine Wiederholung bekannter Tatsachen bieten zu müssen, und der Charybdis. Neues dadurch bringen, daß die Anwesenden ihrer Qrtentierungspslicht bisher nicht genügt hätten, steuerte er geschickt hindurch, rüdem er ein stark impressionistisches Bild der Luzerner Ereignisie zeichnete. So vermittelte er über die mehr oder minder bekannten Referate und Arbeitsergebniffe hinaus einen anschaulichen Eindruck der Menschen, die dort zusammengekommen waren, und des Geistes, der sie erfüllte. In seinen Schlußbetrachtungen meldete Brodnitz nachdrücklich den Anspruch , der Nicht-Zionisten auf Teilnahme auch an allen laufenden Arbeiten an. Er wies auf die Notwendigkeit der Schaffung eines wirklichen Vertrauensverhältnisses zwischen Zionisten und Nicht-Zionisten hin und verlangte, daß es für beide nur einen Maßstab gebe: die Bereitschaft zur Mitverantwortung, zur Mitarbeit und zum Mitopfer für den jüdischen Palästinaausbau. Als zweiter Referent erstattete Dr. Martin Rosenblüth (London) Bericht über die Tätigkeit der Abteilung zur Ansiedlung für Juden aus Deutschland in Palästina. Diese Abteilung hat durch Finanzierung von Bauten. landwirtschaftlicher Kolonisation. Schulen und wissenschaftlicher Institute, die so ihrerseits in die Lage versetzt wurden, jüdische Lehrer und Schüler aufzunehmen".' Durch - Unterstützung der Jugend-Alija und zu einem kleinen Teil auch durch soziale Hilfeleistung an wirtschaftlich Schwache die schwere Ausgabe der Einordnung der deutschen Mza ihrer Lösung näher geführt. Zwischen dem l. März 1933 und dem 1.. Oktober 1935 si d gemäß der offiziellen Statistik 27 000 Juden aus Deutschland nach Palästina eingewandert. Diese Zahl dürfte mindestens auch die von der genannten Abteilung betreuten Menschen bezeichnen. Nach der Mittagspause sprach Dr. Michael Traub über „Die konstruktiven Aufgaben des Keren Hajessod. Planung und Verwirklichung'". Nach einem historischen Rückblick aus die Entwicklung der nationalen Fonds, der zu Stolz und Freude über das Geleistete berechtige. — als em Faktum für viele wurde die Erschließung und Kolonisation des Emek durch den Keren Hajessod erwähnt — ging Traub auf die gegenwärtige Lage über. Er kennzeichnete sie als ein bedenkliches Anseinanderklassen' zwischen den dauernd verstärkten Anforderungen, die die wachsende Einwanderung an den Keren Hajessod stelle, und den zur Verfügung stehenden Mitteln. Er verstand. Zahlen vor den Hörern lebendig zu machen, als er eine direkte Linie von den Lücken des gegenwärtigen Budget zu den Menschen zog, die auf dem Land bleiben möchten, aber durch das Fehlen von Ansiedlungsgeldern dazu gezwungen werden, in die Stadt zu gehen. Daß es sich dabei keineswegs mir um individuelle Schwierigkeiten handele, sondern um das zentrale Problem der Berussstruktur dos Landes und in weiterer Auswirkung um die Frage der Handelsbilanz. die durch die Einfuhr landwirtschaftlicher Erzeugnisse belastet werde, wies er überzeugend nach. In Konsequenz dieses Mißstandes forderte, Traub die Aktivierung aller verfügbaren Kräfte für den KH. Die Jewish Agency habe beschlossen, daß das aktive und passive Wahlrecht zu ihren Gremien in 'Zukunft von der Pflichterfüllung gegenüber dem Keren Hajesiod abhängig gemacht werde. Dasselbe gelte für die Nutznietzer des Palästina-Aufbaus im allgemeinen. Auch von ihnen müsie eine ,Hapitalisten-Hachschara". d. h. Erfüllung ihrer nationalen Steuerpflicht verlangt werden, und dieses Verlangen müsse sin Bestandteil der öffentlichen—Meinungwerdpni—~ - Tie sich an die drei Referate anschließende Aussprache fand ihren Abschluß in der einstimmigen Annahme der folgenden drei Resolutionen: 1. Tie Tagung der Jewl*h-Agency-«reini«n und fcefi Präsidiums des Keren Hajesiod für Deutschland, die am 24. November 1935 ftattsand. nimmt mit besonderer Genugtuung den Beschluß der Peichsver- Irelung der Juden In Deutschland zur JRcnntnl«, sich dem Seren Hajesiod sJüdischen Palästinawerk) 9. D. In corpore anzuschlietzen und di« jüdischen Gemeinden nachdrücklich auszusordern, ihrem Beispiel zu folgen. . Sie erblickt in diesem Beschluß die Willenskundgebung der Vertretung der Juden Deutschlands, gemeinsam mit dem Präsidium d«S Keren Hajesiod in Deutschland sein« dem Ausbau vrez Israels dienend« Arbeit mit allen Kräften zu unterstützen. Sie fordert daS PräsidiumdeS Keren Hajesiod aus, di« notwendigen Schritte zu unternehmen, um «in« entsprechende Beteiligung der jüdischen Gemeinden Deutschlands am Etat des Keren Hajesiod herbeizuführen und insbesondere aus ihre aktiv« Teilnahme an der Aktion des Keren Hajesiod zur Anstedlung von Juden au» Deutschland in Palästina hinzuwirken. 2. Die Tagung der Jewish Agency beauftragt das Präsidium d«S Keren Hajesiod, der Aufgabe einer Aktivierung der zentralen und örtlichen Instanzen der Jewish Agency besondere Ausmerksamkeit zu widmen. S. Di« Tagung der Jewish Agency verpflichtet die Mitglieder der-auf ihr vertretenen Gremien, sich mit allen Kräften für den Keren Hajesiod und insbesondere für daS volle Gelingen einer Aktion zur Ansiedlung von Juden aus Deutschland in Palästina «inzusetzen. Es wurde sodann bekanntgegeben, daß an die Stelle des bisherigen Initiativkomitees der Jewish Agency in Deutschland ein aus etwa 150 Mitgliedern bestehender Beirat treten soll. Die Bestätigung der Mitglieder dieses Rates ist dem neuen Präsidium des Keren Hajessod in Deutschland Vorbehalten. Zum Präsidenten des Keren Hajessod in Deutschland wurde Rabbiner Tr. Leo Baeck gewähst. Vizepräsidenten sind: Tr. Rudolf Cal lma'n n-Köln, Tr. Siegmuud Wassermann, Dr. Siegfried Moses und Dr. Michael Traub. Ferner gehören dem Präsidium als Mitglieder an: Tr. Eli Aschor, Dr. Friedrich Brodnitz. Earl Goeritz- Ehemnitz, Lola Hahn- W a r b u r g. Ministerialrat a. D. Dr. Otto H i r s ch, Rabbiner Dr. Jacob Hoffman« - Frankfurt a. M., Rabbiner Tr. Gfil n ewa ld .Mannheim. Dr. Franz Meyer, Tr. Egon Ros e n be r g und Friedrich A. Straus- Karlsmihe. Im Namen des neugewählten Präsidiums dankte Tr.^ Lco Baeck der Versammlung für " Vertrauen und bat um tatkräftige Unterstützung der neuen Leitung. Auf jeden einzelnen komnre es an. Mit der Aufforderung, einem Minimum trennender Begriffe ein Marimum gemeinsamer Arbeit enigegcnzustelleu. schloß Tr. Baeck die Tagung. Fortsetzung Hauptblatt 2. Seite

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