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Central-Verein-Zeitung · 1935-11-14 · 46 (14.11.1935) · page 9

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
14 (1935)
Issue
46 (14.11.1935)
Date
1935-11-14
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Die Zerstreuung der Juden über XVII. Frankreich 1. Zu der Gruppe von Ländern, in denen es keine amtliche Konfessionsstatistik gibt, gehörte in Westeuropa in erster Reihe Frankreich. Die Religion wird als persönliche Anlegenheit jedes einzelnen Bürgers, aufgdfaßt, die für den Staat ohne Interesse ist und daher bei Volkszählungen nickst erfragt, wird. Man ist daher bei' konfessions- . statistischen Untersuchungen in diesen Ländern auf Schätzungenangewiesen, ein Ersatzverfahren/ das gerade bei einem so großen und wichtigen Lande, . wie es Frankreich t|'t; besondere Vorsicht erforderlich macht. ' -,. . ' Die Zahl der Juden in der französischen Republik (ohne die französischen Kolonien) wird in der - Slachkriegszeit mit etwa 220 000 angesetzt, eine Ziffer, die im Verlause der letzten beiden Jahre durch die Einwanderung deutscher Juden im 'Gefolge der Ereignisse des Jahres 1933 eine geringfügige Erhöhung, äußerstenfalls auf 230 000, erfahren haben dürste. Innerhalb der Gesamtbevölkerung des französischen Staatsgebietes in Europa von rund 42 Millionen Menschen bedeutet dies, daß unter 1000 Franzosen etwa fünf Juden' leben. Diese Quote liegt noch etwas über derjenigen der Schweiz, sie ist aber niedriger als der jüdische Bevölkerungsanteil in England und auch noch niedriger, als er derzeit in Deutschland ist. Der Assimilationsgrad der französischen Juden ist erheblich größer, als er jemals in Deutschland war oder es etwa in England ist. Zahlen über den Umfang der ersten jüdischen - Gemeinden auf französischem Boden, die sich allmählich gebildet haben, als Juden mit den Römern in das gallische Land kamen, sind nicht bekannt. Als mehr als tausend Jahre später Binjamin b. Jona aus Tudela einige südfranzösische Städte unweit der Mittelmeerküste durchwandert, findet er in einer Anzahl städtischer Siedlungen auch jüdische Gemeinden, für die er seiner Gewohnheit gemäß und bei seiner ausgePrä-Hn Neigung für zahlenmäßige Größenanordnungen abgerundete Ziffern angibt. So findet er in N a r b o n n e um etwa 1165 eine jüdische Gemeinde von etwa 300 Köpfen, die ein angesehenes Lehrhaus unterhielt, er findet Juden in Bizers, bei den Juden Montpelliers hebt er ihre Wohltätigkeit besonders hervor. In Lunel ist die damalige jüdische Gemeinde 300 Seelen stärk, ihre Bibel- und Talmudstudien erschienen ihm besonders erwähnenswert. Auf seiner weitgespannten Reiseroute» (siehe die Abschnitte über Bulgarien, Griechenland, Italien usw.) e»> wähnt er aus südfranzösischem Gebiet noch'jüdische Gemeinden in B e a u c a i r e und S t. Giles. in Arles wird die Lahl der Juden von ihm mir . 200 Köpfen beziffert., in Marseille, diesem . schon auf griechische Siedlungen zurückgehenden zentralen Mittelmeerhafen, findet er 300 jüdische ' Mensckien. die sich in zwei Gemeinden teilten, die eine, die sich am Meere angesiedelt hatte.- und die andere, deren Mitglieder.oben auf den Bergen wohnten, die unmittelbar hinter der- Stadt be- . ginnend - allmählich zuden Hochgebirgen Mittel- - enropas, überleitcn.- Damit hat es in dieser wichtigen jüdischstatistischen Quelle des Mittelalters sein Bewenden. Erst 700 Jahre spaterstoßt märst "auf. die ersten, statistisckien Schätzungen über, die -Zahl.. -- der Juden: für 1850 etwa wird ihre Zahl mit 95 000 angegeben, eine zeitgenössische Schätzung. . die etivas hoch ersckieint.und nach Zahlenaiigaben aus späteren Jahrzehnten wohl etwas niedriger angesetzt werden muß. Angaben der sranzösisckien Quellen für das Jahr 1885 — nachdem Elsaß- Lothringen aus dem französischen Staatsverband ausgeschieden war — beziffern für dieses Jahr die Zahl der Juden auf 77 000, wovon allein 50 000 aus Paris entfielen. In den späteren Jahrzehnten erhöhten sich diese Ziffern beachtlich, und schließlich durch' den Hinzutritt von Elsaß- Lothringen nach dein Kriege hat die Zahl der - Juden allmählich die gegenwärtige Höhe von rund 225 000 bis 230 000 erreicht. Ihrer Herkunft nach setzen sich die franzöfischen Juden sowohl aus Äschkenasim wie , aus Sefardim zusammen, wobei die erste Gruppe allerdings die der Spaniolen um ein Vielfaches übersteigt; hinsichtlich des Grades ihrer Assimilation dürften jedoch keine bedeutsamen Unter-, schiede bestehen. Ter Augenschein lehrt, daß sich spanische Juden auf ihrer Flucht, auch an der französischen Mittelineerküste niedergelassen haben, und heute noch findet man in Südfrankreich jüdische Gemeinden ausgesprochen sesardisckien .Charakters, die sich auf der einen S^ite von den zugewanderten Äschkenasim durch ihren religiösen Ritus unterscheiden, an dem sie streng festhalten, auf der anderen Seite haben sie sich an ihre -Umwelt sozial wie wirtschaftlich, sowie in ihrer gesamten Lebensgestaltung aufs engste angeschlossen. Bis nach Mittelfrankreich hinein reichen die . sefardiscben Gemeinden, , in der nördlichen Hälfte der Republik sind die. dort lebenden jüdsi scheu Menschen überwiegend aschkenasischer Herkunft. Die soziographisch-statistische Betrachtung der westeuropäischen Juden wird in der nächsten Ausgäbe der „C.-V.-Zeitung" fortgesetzt, vr. E. R—r. lungsverträge durch revolutionäre Veränderungen »ern nicht angetastet werden könnten. Das Publikum hatte zum Schluß den Eindruck, daß nicht nur die Reisen Klaus G. Hol- Rachdruck verboten! laenders etwas abenteuerlich sind, , . . 8n. - Die Lebrev Sheltering and Immigrant Aid Society (Ü1AS) -ljat einen Bericht ihres Pariser -Büros.veröffentlicht, in dem feslgeitcllt ivird, daß . die Durchführung der Pläne, Juden in Ekuador anzusiedeln, durch finanzielle und politische Schwierigkeiten aufgeballen worden ist. In dem Bericht beißt es u. a.: Wi.r hatten, Gelegenheit.' den Entwurf eines Vertrages zu prmen.' der. von der Regierung , von/. Ekuador 'und dein Parlier Komitee unterzeichnet werden. sollte. --Dieser Vertragbezieht sich - aut' ernen Kvlvmsatwn-rplan,.-..denen Verwirklichung Millionen Dollars erforderst Dä diese Millionen . fehlPi, kann der Plan natürlich nicht verwirklicht werden. Seit der -Niederlegnng ..des- Vertragseiitwilris in der PräsidentvonEknädör gefangen gefetzt worden lind eine Vlilitärdrktatilr wurde errichtet." Ente 'Anzabl Ansgewanderler.- die wir, individuell mach, Ekuador schicken wollten, hat es im Hinblick auf diese Verhältnisse abgelehnt, die Reise anzlitretei». Studiengesellschäft für Ucbcrsccsicdlung. Rach Fühlungnahme mit den zuständigen Stellen hat die Geschästsstelle zum Studium und zur Förderung jüdischer lleberscesiedlung. Berlin NW 87. Eurhavener Straße 1>, die Aufgabe über- - nommen. Gebiete außerhalb Palästinas ausfindig zu machen, die für die jüdische Kolonisation geeignet sind. Sie will die in Frage kommenden Gebiete in bezug auf Bodenbefchasfenheit. Klima und wirtschaftliche Verhältnisse studieren, die unter Umständen nötig werdenden Expeditionen müssenden, sowie alle mit den Siedlnngsmöglichkeiten zusammenhängenden Fragen klären. - , Die Geschäftsstelle bittet Geographen. Aerzte. Kanüeute. ehemalige Kolvnialbeamte. die über Erfahrungen in überseeischen Ländern verfügen, sich zur Mitarbeit zu melden mit der Angabe, sür. welche Gebiete sie zu'iändig sind. Alle Mitglieder der Geschästsstelle arbeiten ehrenanulich. Dlitgliederbeiiräge werden nicht erhoben. Zur Beßreitung der lausenden Kosten werden freiwillige Verträge von Freunden der Studiengesellschäft dankbar angenommen. . Die Lernksstrnktnr der tschechoslowakischen Juden liebst die interessantesten Ergebnisse der Volkszählung, die im Jahre 1930 stattgefunden hat. haben wir in der Nummer 15, 16 und 17 dieses Jahrganges berichtet; jetzt hat das Statistische Staatsamt der Tschechoslowakei bisher nnverösfentlichtes Material herausgegeben, das sehr wichtige Ausfchlüsie über die Tendenzen gibt, denen die Berufsstruktur der rund. 375 000 Juden dieses Landes unterliegt. - Eine entscheidende Tatsache ist an die Spitze zu stellen: In dem Dezennium von 1921 bis, 1930 hat die Zahl der Juden in den landwirtschaftlichen Berufen von rund 42 000 auf rund 30000 abgenommen, und zwar insbesondere in den östlichen Provinzen des Landes, in denen die Verknüpfung der Juden mit dem Boden viel stärker war als in den ehemals österreichischen Gebiets» teilen. 'Das Gewicht dieser Tatsache wird dadurch ein wenig abgeschwächt, daß die wachsende Jndustrialisierung den Anteil der Agrarbevölkerung im ganzen Lande heruntergedrückt hat; die jüdische Bauernbevölkerung hat sich jedoch erheblich stärker vermindert. Die Bedeutung des Handels und der freien Bern sie für die''materielle Existenz der Juden in der Tschechoslowakei hat sich in dem Jahrzehnt von 1921 bis 1,930 weiter erhöhst. Im Warenhandcl »ft die Zähl der Juden von „rund 113 000 auf rund 122 000 gestiegen. Welches Gewicht mit diesen Ziffern dem Handel zukommt, , geht daraus hervor, daß durch ihn etwa 40 Prozent der Juden ihr B-rot verdienen. Industrie und Handwerk ernähren rund 77 000 Juden. In den freien Berufen waren 1930 einschließlich sämtlicher jüdischer Aerzte rund 17 000 Juden tätig. Im Rahmen der beruflichen Zusammensetzung der Gesamtbevölkerung ist die Erhöhung des im Beamte n- - t u m tätigen Bolksteiles besonders interessant, sie wird durch die Ergebnisse der Erhebungen des Statistischen Staatsamtes festgestellt; sehr. aus. schlußreich ist es. daß die Zahl der Juden-an diesen Berufen erheblich viel kleiner ist. als nach w ihrem BevölkeriHMsanteil zu erwarten wäre.' Bekanntlich kommen" auf 1000 tschechoslowakische Staatsbürger 25 Juden, unter 1000 Beamten in der Tschechoslowakei sind jedoch nur 5 Juden. Es ist bemerkenswert. Paß im gesamten Post- und Telegraphenwesen die Zahl der Juden gegenwärtig nur noch etwa 350 beträgt (gegenüber «550 ein Jahrzehnt früher), im Eisenbahn- und Npi-fphrsweken^ifst sie von etwa 2050 im Jahre 1921 Statistik doch beanspruchen, daß im Heeresdienst im Jahre 1930 über 2500 Juden standen, darunter 50 Offiziere. Die Verringerung der Zahl der Juden in der Landwirtschaft ist die Folge, einer sich fortsetzenden Landflucht, die die ungesunde, vorwiegend handelsbetonte Berufsstruktur der tschechoslowakischen Juden noch verstärken wird, wenn ihr nicht rechtzeitig von verantwortlicher; jüdischer Stelle Halt geboten wird. Tie jüdische Jugend der Tschechoslowakei muß zur Landwirtschaft und zum Kleingewerbe zurückgeführt werden, sollen ihr schwere Enttäuschungen erspart bleiben. Lechs.Jahre in Südamerika -- ein Tatsachenbericht In einer Versammlung der „R eichsver - Vereinigung nichtarischer Inter? eff enter» für die S ü da me r i ka - Auswanderung"' gab Klaus Gustav Hollaender einen „Tatsachenbericht:' sechs Jahre in Südamerika"'. Vor dem.Referat von Hollaender sprach nach der Ankündigung des Berliner Lrtsgruppenleiters der „Reichspropagandaleiter'' Ganter. In scharfen Worten versuchte er. die Angriffe der jüdischen Presse und der anderen „Feinde" auf die „Reichsvereinigung" zurückzuweifen. Er behauptete, die ..Reichsvereinigung" wolle nichts anderes, als in uneigennützigster Weise einerseits die. Menscheu sammeln und vorbereiten, die nach Südamerika auswandern wollen, andererseits mik den zuständigen Behörden verhandeln, um Siedlungs¬ und andere Arbeitsrnvglichkeiten zu schaffen. Diese Behauptungen wurden zum Schluß durch eindring, liche Bitten um Spenden ergänzt. Klaus Gustav Hollaend e r gab im ersten Teil seines Referats eine farbige und packende Schilderung seiner Erlebnisse in Südamerika.-Ein an Abenteuern reiches Leben führte ihn von Buenos Aires über Antofagasta nach La Paz, der Hauptstadt Boliviens. Und von dort auf 600 Kilomeler langer Fußwanderung ins Innere des Landes. , Das Publikum, dem die Erzählungen Hollaenders anscheinend zu abenteuerlich waren, bat um „Ppsitives". Hollaender sprach - darauf über Bodenbeschaffenheit, Klima und Wirtschaftsstruktur in den einzelnen Ländern. Seiner Ansicht nach beständen vor allem in.den unerschlossenen Gebieten Perus und Ekuadors große Möglichkeiten für industrielle und landwirtschaftliche Betätigung. In eigenartigem Gegensatz stand seine Behauptung, auch in den Wäldern Südamerikas sei das Klima für Europäer erträglich, .zu dem voranqeaanqenen. Auslands^ Nachrichten Griechenland Im Namen der jüdisck-en Bevölkerung Grieckjenlands hat der jüdische Abgeordnete im griechischeu Parlament. Daniel Allalous. folgendes Huldigungstelegramm an König Georg II. nach London gesandt: „Mit von Freude und Begeisterung erfülltem Herzen hat die jüdische Bevölkerung ihre Stimme für die Wiedererrichtung der Monarchie in unserem geliebten Vaterland unter der ruhmreichen Herrschaft Eurer Majestät abgegeben. Ich bitte Eure- Majestät, den Ausdruck unserer tiefgefühlten Ergebenheit und Treue mit dem aufrichtigen Wunsch nach Glück und Gedeihen des Vaterlandes - unter der Leitung Eurer Majestät entgegenzunehmen." - Oesterreich Der frühere Minister Tr. Emmerich Ezermak. der seinerzeit das Luch ..Ordnung in der Judenfrage" herausgab. führte in einem Interview u. a. folgendes über das Ziel feiner Bestrebungen zur Lösung der JuLem'rage in Lenerreich aus: Die jüdiickte Volksgruppe in Leüerreich soll selbstverständlich als eine Gruppe'von vollberechtigten Staatsbürgern besiehen. An'etwas wie die Scheidung von Staatsbürgern und Staats- - angehörigen denken wir nicht. Ich bin der Meinung, daß die Juden ihre sehr weitgehende Autonomie haben müssen .und daß ihr Anteil an der Verwaltung des Staates und an der Beeinflussung' der Staatsführung ihrer -Zahl und ihrer Bedeutung zu entipreckien hast — Es ergibt sich aus allen meinen Erklärungen, daß die Zerstörung der wirt'ckiafllickien Grundlagen unserer' jüdi''ci>en Mitbürger, nicht das Ziel meiner Bestrebungen 'ein kann und daß das auch nicht im, Sinne des Ständestaates läge^ Aber es ist Tatfache, und das geben auch die meisten Juden schon zu. daß die Beruksgliederung der Juden ungesund itt. Eine llmschichtu'ng ist notwendig, aber ich denke nicht daran, sie im Wege einer Zerstörung oon Ernlenzen durchzutühren. Wenn die Inden Plätze zu räumen haben, münen sie natürlich Platze bekommen. Türkin Die Sakonikier Zeitung ..E'Iockeptzuckänt" meldet, daß an die Universität Stambul. an der bereits dreißig jüdische bzw. nichtarifche Pro'e'- foren aus Deulichkand tätig sind, woitere fünfzig aus Deut'chla,nd ausgewanderte jüdische Gelehrte berufen werden sollen. Dieser Beschluß sei von einem Minii'terrat einstimmig gefaßt worden. Bei bieier Gelegenheit 'ei von den Ministern die Arbeit der in Stambul wirkenden jüdischen Pro- ' fenoren aus Deutschland außerordentlich lobend hervorgehoben und betont worden, daß diese Universitätslehrer das uneingeschränkte Vertrauen der Regierung genießen. Eduard v. Simson Zum 125. Geburtstag am 10. November 1935 In feinen reizvollen Eriunerungen berichtet der bekannte Literarhistoriker Heinrich S, piero unter anderem über feine -Beziehungen, die ihn mit seinem großen Ländsmaiiii Martin, E d ii a r d v. S i in s o n verbanden: ..Das gleiche Gefühl der Goethe-Rähe (wie bei Herman-GrimM) umsingmicki. wenn ich Eduard- Simsött gegenübersaß. und hier nnl leibhaster'Berechtigung, denn Simwu hatte auf seiner Doktorreise.. von Zelter -euipfohleii. Goethe besucht und dessen achtzigsten Geburtstag »n 'ILeimar miterleben dürfen. - - Eduard v. Slmfvn ivar nicht »nehr als mittel- , groß, aber sei», bedeiitender .Kopf mit den fprechen» deii, diniklen Augen und den l)ohfn Braneir adelte. die Er scher iiu ng.iiiid man , begriff -noch beidem , fchiverbeweglickien Greise dre Macht, womit -er große und erregte Parlamentarisckte ..Berfamni-' liingen beherrscht und nach feinem Willen gelenkt Spiero erzählt dann noch, daß der greise Simioii. obwohl er mit Kiiidern. Enkeln,-und Urenkeln, mit jedem »nitlehte. der ihm nähertreten durfte, doch das Gefühl hatte, dem Aus und Ab des Lebens entrückt .zu selii, das Ihn. trotz mancher Schmerzen-und Enttäuschungen, so hoch getn'ben hatte. Er habe ivvlst die Beivegnugeii der Welt empfunden, aber doch so. als ob er durch einen Vorhang von ihnen getrennt »väre. In der Tat konnte der Mann, der am 2. Btai 1899 hochbetagt zu Berlin verstarb, mit einer »vahrhast Gvetheschen Abgeklärtheit »irid Zufriedenheit auf seine reiche"Lebens<rrbelt zurückblicken. TaS Schicksal hatte ihn >vie nur ivenige seiner Herkunft und feines Starides auf die hohe Bühne geschichtlicher -Wirksamkeit hiiiaüfgesührt. In» Qsten des Reiches, im vstpreußischen Königsberg, an» 10. November 1810 geboren, hatte der junge Siinson sich der Rrchtsivisfeiisciiast zugewaiidt. An der Universität seiner Vaterstadt, dann iii Verlin. Vom». Göttingen niid in Paris betrieb er feine Stndieil. Nach seiner Rückkehr in die Heimatstadt erhält er eine Professur des römischen illechts iind ivird zum Gcrichtsrat ernannt. Im-Stiirmjalir 1^18 steigt er von der private:» in die geschichtliche Sphäre ans. .Königsberg entsendet ihn als Abgeordneten in die erste dentsche 'Nationalversammlung, die in der Paniskirche zu Frankfurt a. Nt. tagt. Das erste dentsct,^ Parlament beruft d.e„ ivegen seiner Unparteilichkeit hochangeschciien Mann zu feinem Präsidenten. In seinem Auftrag bietet er Friedrich Willielm IV. von Preußen die deutsche .Kaiserkrone bergeblich an. Jahre glänzender parlamentarischer Wirk- - samkeit folgen. Am 18. Dezember 1870 trägt Simson — diesmal nicht vergeblich — die Kaiserkröne dem König Wilhelm I. von Preußen an. Es »var der Höhepunkt seines Lebens, als er. nunmehr Präsident des 'Norddeutschen ilieichs'.ags. die Wiederausrichtuiig des deutschen Kaiserreichs mitbewirken durfte. Kaiser Wilhelm beruft ihn 187!» als Präsidciiten des neuen Reichsgerichts in Letpzig. Kaiser Friedrich erhebt ihn 1888 in den erblichen Adelsstand. Ein Lebeiislans, der in steiler - Kurve aufwärts führt und-das Dasein eines in seiner Gesinnung adeligen und untadeligen Mannes. eines warniherzigcn Patrioten, -nnischließt. Und dennoch vermöge'» wir Juden in Deutschland mir mit geteilten Gefühlen des bedeutenden Plannes zu gedenken! Denn Eduard »'. Sinison - hat der jüd,isct»en Glaubensgemeinschaft nicht mehr angchört. Er darf somit lediglich im Siiliie heut geltender Rassennnschannng al-s—Jude—.bezeichnet - werde». Er wie seine weitverzweigte Familie ist ein Lpser jener mißverstandenen, über das Ziel »veit hinailsschießendeii Assimilation geiveicn. die die Frühzeit der Emanzipation der Inden in Deutschland in so betrüblichem -Ausmaßkennzeichnet. Sein ganzer Lebenskrcls stand dem Jndeiitnm nicht mir gleichgültig gegenüber, sondern, war ihm auch entfremdet: August Simson. Eduards Bruder, ging zur christlichen Theologie^ über, darin ein Seitenstück zu 'Neander: Bernharid 'v.'Simson. Eduards Sohn..der eine Dokumente»- biögraphie seines Vaters znsammensteUte. ging als Historiker im Genuß romantischer Kaiserherrlichkeit ank. Insofern , stand Eduard Simson zeitlebens, nicht nur in einem, parteipolitischen , Gegensatz zu seinem Landsmann, dem starren Königsberger Deinokraten Johann Jacoby. der das Jndeiein stets als Problem und die Gl nibenö- , treue zum Judentum als den Ankergrund seines Wesens empfand. Deshalb können »vir Jiiden -in.Deutschland zwar das Lebeiiswerk Eduard Simiviis un»'vrcingenvm»»en »vnrdigen. »vir ver- »nögen ihn aber nicht jenen Männern zn,z»lzählen. die mir als Nepräsentanten unserer Art verehren. I>r. Erite Fricdlaender. auf rund 1050 im Jahre 1930 zurückgegangen — aber gleichzeitig ist die Gesamtzahl aller Beamten dieser Zweige des öffentlichen Dienstes sehr erheblich gestiegen. Interesse kann die Feststellung der amtlichen "Bericht, in, dem er aüsstihrucy dieichweren und langwährenden Fieberkrankheiien schilderte, die ihn wiederholt in Südamerika befallen hatten. Leider blieb auch die Behauptung unbewiesen, daß die durch die „Reichsverclnigung" abgeschlossenen T-ied- Bei der Dreihnndertjahrseier der Aschkc scher» Gemeinde in Amsterdam, die am 14. »'erntet dlirch cincn Feiraft inid einen-Üeson! Gottesdienst begangen »oird. ist die Jüdische meinde Berlin durch ein Äorstanüsnlitglied Amerika-Wanderer. Au» den Aufsatz „Jmmigraulen, nicht Emigranten" in Nr. 44 wird uns von verschiedenen Seiten geschrieben, daß die darin angegebene Burgicyaf! in Höhe—von 100» bis .1500 Dollars zur Erlangung eines Affidavit; nicht, ausreiche. Ls'enbar wird diese Frage bei den zuständigen Behörden sehr individuell behandelt. Es bedars deshalb in jedem Fckll be'vnberer Rückfrage' beim Konstilat, ' ' , Wegen des Busstags erscheint die nächste Ausgabe der „C.-V.-Zeitung“ erst am Freitag. HvjptschrifiMter: Dr Alfred Hirschberc; v«tr und v«r.-,r,»wörtlichfür di« Aufnahme B;;-i.-rn: I<r M.i/ueu K d e l b e i m V-ra.-i ul. fir ~:-'rtr. I,r. - Krn»t <i, I.-0 w e n t h > I Druck der Buch- und Ticidruck Gesellbchaft mbH,

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