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Kinderblatt · 1935-09-26 · 5 (26.9.1935) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Kinderblatt
Volume
1935
Issue
5 (26.9.1935)
Date
1935-09-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Kr. 5 Beilage der C-V.-Ze§tung 26. Sept. 1935 Cs regnete unaufhörlich seit drei Tagen. Peter und Liselotte hatten ihre Märchenbücher schon siebenmal dnrchgeblättert. dreimal „Tachstuhlbrand mit höchster Alarmstufe" gespielt - und eben der Puppe Hildegard den vierten Blinddarm herausgenvmmen. t/Nnn blieb nichts Übrig, als die fallenden Tropfen zu zählen, die außen die Fensterscheiben des Kinderzimnwrs entlang liefen. — Hundertdreiundilelinzig — hundertvierundneunzig — zählte Peter, da kam ihm eine feine Idee! „Mutti, Mutti", rief er ins Wohnzimmer hinein. „Mutti. erzähl' doch eine Geschichte!",— „Ja. erzähl' eine Geschichte. als dll klein warst, bitte, bitte", bettelte jetzt auch Liselotte. Und schon saßen sie rechts und links neben der Mutter auf dem „Als ich klein war", begann die Mutter und dachte einen Augenblick nach, „da wohnten wir auf dem Lande. Wir waren drei Geschwister. Hanna. Thomas' und ich. .und unsere Mutter hatte eine ganze Menge damit zu tun. das Haus, den großen Garten und uns drei Kinder im Zug zu halten. Das war nicht immer so ganz einfach, denn wir waren eine ziemliche Nüpelbande. — Hanna z. B., die damals, als diese Geschichte passierte, gerade 14 Jahre alt war, war schrecklich vernascht. Marmeladentöpfe, Mutters Keksbüchse — nichts war vor ihr sicher! Vor allem aber, hatte sie es sich angewöhnt, nach dern Frühstück, wenn Mutter in die Küche gegangen war. schnell, mal einen ordentlichen Griff in die Zuckerbüchse zu trm. Eie nahm eine Handvoll und gab auch uns ein oder zwei Stückchen. Aber den Löwenanteil as; sie selbst, weil sie der „Unternehmer" sei, wie sie zur Erklärung sagte. — Nun. also an diesem Morgen. es war der Tag vor Rofch Haschana. kam die Sache zum Klappen. Ich bin ganz sicher. Mutter hatte schon lange gemerkt, daß der Zucker auf-merkwürdige Weise abnahm, aber eben an diesem Morgen riß ihr die Geduld. . „So", sagte sie, als sie wieder hereinkam. „jetzt.möchte ich sofort wissen, wer hier immer Zucker stibitzt!'" Nun. wir sagten natürlich kein Wort, so-etwas tut man zwar leicht, 'aber eingestehen ist schon erheblich schwerer! Also standen wir. drei in einer Reihe mucksmäuschenstill und kniffen die Lippen Zllsammen. „Na. wird's bald? 1, 2. 3 . . ." Zählte Mutter. „Dann haltet mal eure Hände vor euch hin. und nun kriegt ihr alle drei so lange was aus die Finger, bis sich derjenige A/VXM1:. mmA. meldet, dessen Finger mausen!".— Nuu >var die Kiste also einmal verfahren. Wir hielten die Hände l)in und kriegten der Reihe nach unsere Klapse - übrigens tat es »iclit sehr weh. Das ging so vielleic!<t drei Niinuteit lang. da. nnirde Thomas die Sache zu langweilig. Draußen schien die Lonne — Herbstferien -- unsere Bäume voller Pflaumen nein, es war wirklich zu dumm. die Zeit init so etwas-zu.verbringen! — „Ich war es", sagte er. und ich verstand sofort, daß er das nicht sagte, mn seiner großen Schwester aus der Patsche zu helfen, sondern deshalb, weil ihm die ganze Sache, einfach zu lange dauerte. ,.N'a also", Mutter.schien froh, daß die Angelegenheit endlich zu Ende ging, eie gab Thomasnoch eine Ohrfeige ertra und ließ uns laufen. Thomas war sehr befriedigt. „Kommt. Mädels", rief er. wir steigen in den Pslaumeubaum." 'Aber da geschah, etwas'Unerivartetes. „Ich gehe nicht mit dir", sagte Hanna«trotzig. „im lügst!" Thomas »nd ich waren ganz verdattert. Was fiel denn Hanna ein! .'Natürliche war-,es.die Univahrl;eit, daß er den Zuckergenommen hatte, aber Hanna tvar dvcl, eigentlich recht gut dahei ivcgges kommen! Wir verstanden ße einfach nicht. : - Thomas trollte fiel) allein in den Garten und war beleidigt Hanna ging in ihr/Zimmer'hinauf und riegelte fiel) ein. und ich setzte .-mich in den hintersten Winkelndes Treppenhauses, wo ich immer hockte, wenn ich über was nachzudenten hätte. Mir liefen die dicken Tränen herunter, so verzweifelt war ich. Mir schien mit einem Male die ganze Welt uns den Fugen. Sicher hatte Thomas gelogen. aber was war denn bloß mit Hanna! Ich saß in einer Ecke, heulte und überlegte mir immer wieder hin und her. was ich tun könnte. um alles wieder in Lrdlurug zu bringen. Tenli nun kamen ja noch dazu die Feiertage! 'Neujahr! Heut abend follteii nur in den Tempel gehen und zu Gott beten.... . das -ging doch, so gar nicht! So kann man doch nicht beten, nnb ein neues Jahr aufaugen mit so einer Sache aiif.dem Genüssen.. -Aber'.was sollte ichdenn tun!- Nlit Thomas reden! 'Ach. der war zu Tode beleidigt/ mit» mii ' fand ich. / Hanna! Au die kam ich doch gar nicht erst ran. dis

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