Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936)
- Issue
- 45 (5.11.1936)
- Date
- 1936-11-05
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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I us der Cl- K-ticu'etju 11/7 Kalender der C-V.-Veranstaltungen 14. .November. KASSE L 20 Uhr 15, Hauptsynagoge .- Redner: Dr. Hans Reichmann, Berlin ■15. November ' ■ , BEZIRKSTA G U N <3 KASSEL ■10 Uhr-30,' Gemeindehaus, Grosse Rosen- .. s'rasse 22 Es sprechen: Dn Hans Reichmann, Berlin Dr. Wolfgang S. Matzdorf, Frankfurt a. M. 19. Novembe. HAMBURG . - . 20 Uhr 15, Gabriel - Riesser - Saal, Oberstrasse 120 ■ .. ■ Redner: Dr. Margarete Edelheiten 19.—23. November LAN DE SV ER B A N D RHEINLAND - WESTFALEN . Dr. Alfred Hirschberg spricht: 19. November.- Gelsenkirchen 2b November: Hagen. 22. November: 'Münster". - 23. November: Bochum Jüdischer Central-Verein e.V. Cross-Berlin . Im Hinblick auf die Bedeutuiig. die daS Recht" der Auswanderung in den letzten fahren für die Inden in Deiitichlaiid gewonueit hat-, veranstaltet der Landesverband Groß-Berlin des C.-B. für Anwälte eitlen Kursus über Auswande-- rungs recht, der einen starken Betuch aufwies. Tevisenberater Tr. Heinz C v f) n berichtete an zwei Abenden über die Rechtsgrundlagen de-; AuswanderuiigsreihtS sowie über da-:- Verfahren und Transsersragen. -HerrRi i ch a e l,i '$ unni der Firma Gebr. Arnhold! sprach über „Tie verschiedenen Arten der Mark nnd ihre Verwertung". Beide Referate waren außerordentlich instruktiv utzd wurden von den Hörern dankbar anfgenommen. - Falls sich genügend Teilnehmer finden, wird eine Wiederholung des Kurses beabsichtigt. Interessenten werden gebeten, sich an die Hauptgeschäftsstelle des E.-V. (Berlin W15, Emfer Straße 42, Oliva 8141/45) zu wende»: Landesverband Mitteldeutschland Bon "der tiefen Verbundenheit der - E.-B.- Frennde in der Provinz Sachsen, dein Lande Sachsen 'und Anhalt zeugte die Telegiertenta gu na des Landesverbandes Mitteldeutschland, die am Sonntag, denHd. Rovember iin»Gemeinde- Hans in Ha l l e an der Saale stattfand. Rabbiner/ Dr. K a h l b e r g «Halle! begrüßte nainens der Ortsgruppe die Grschienenen.^ Tie starke Teilnahme ans Rabbiner- und Lehrerschaft beweise die FrltS Suepll« StBatl. geprüft. "Heilgehilfe. Masseur. Krankettftk'Kcr, z.iiffol. zu all. Kraukonkass. Spez. A craltote Ischiasu. Kheumaerkr. Sportverletze. l'iirurause!. F.ntfctt.- Mass. ChaiJlottenburg Wilmersdorfer Str. 125. C 1, 1948. besondere Verbundenheit dieser Kreise mit.dem E.-V. " Ter . Landesverb^ndSvorntzende Rudolf Apt (Dresden) hielt darauf eine-Gedenkrede für die., verstorbenen führenden Persönlichkeiten des E.-B. lieber die Tätigkeit des Landesverbandes Mitteldeutschland berichtete zunächst Stindi.kusKurt S ab a tz k h «Leipzig!-, danach Her geschäft-führende Lande-verbändsvorntzende. Laudqerichtsrat t. ü«. Tr. Kurt E ohn «Chemnitz!. Während der erste Redner die Tätigkeit des E.-B. aut dem Gebiet . der Wirtschaft hervor hob, ging - - Tr. Cohn haupttachlichrauf Nechtsf-ragcu ein. "T . lieber die Tätigkeit des. E.-D. km Reiche berich-. tote in einem, großzügigen Referat der ^hndikus . des .E-V. Tr: Hans R e i chm a n n «Berlin!. 'Gr aab einen eingehenden lieberblick über die gesamte Situation des Judentums in Deutschland und in der Welt, der außerordentliches Interesse fand. Rach dem Referat fand die Borstandswahl zum Landesverband statt. Tie Tagung hinterließ bei allen Teilnehmern einen nachhaltigen Ein-. In Suhl gab der Syndikns des Landesverbandes Mitteldeutschland, Kurt S a b atzkh, in einem - Referat „Iüdisel>es Schicksal — Jüdische Aufgabe" einen nmfasfenden lieberblick über die jüdische Lage in Palästina und in den Ländern der Tiaipvra und sehilderte-die ausgedehnte Tätigkeit-dr- E.-V. in bezug auf Rechts- und Wirtfchastsfragen. Linksrhein Inüberfüllten Versammlungen in K ö l n am Rhein - .und B o n n sprach Tr. Alfred Hirschberg über „Ausblick in südische Zukunft". Es sei kein prophetischer Versuch beabsichtigt, sondern es solle geprüft werden. ivelehe Elemente unseres . gegenwärtigen Seins der Entwicklung in unseren eigenen Kreisen und in der allgemeinen Welt zu- - knnft-voll und zukunftswert feien. Bon dieser «Grundlage aus Prüfte der Redner unseren Besitzstand an materiellen mtd geistigen Werten und zog den Schluß, -daß 'eine ihrer überkommenen Werte bewußte ältere Generation, die sich um die" jüdischen Werte neu bemühe, und eine zur-Lebenstüchtigkeit aus jedem Platz vorbereitete junge Generation jüdische Zukunft garantieren. Abschied von Paul Waldstein Ter Landesverband Rheinland-Westfalen, seine - - Ortsgruppen und Vertrauensmänner, die ,Freunde in den großen Ortsgruppen und an den 'kleinen Plätzen trauern um Paul Waldstein, cheu ehemaligen Shndikns des VePbandes, den mngjährigen treuen Helfer und freundschaftlichen Berater. Am . 7. November ist er im Alter von 77 Jahren nach schwerer Krankheit he.imgegangen. Paul Waldfteiu ist im Jahre 187.9 in Gnesen geboren. stllach bestandener Reifeprüfung widmete er sickfIiT'Berlin und Halle dem Studium der alten Sprachen. Diesem Fach galt auch seine Lebensarbeit als Lehrer nnd Erzieher, iüdem er insbesondere in Halle lange Zeit im Schuldienst als Altphilologe wirkte. Oktober 1920 wurde Wald- . stein als Direktor an das Deutsch-amerikanische Kinderheim in Nordhvlz bei Cuxhaven berufen, das, aus amerikanischen Mitteln unterhalten, unter dem Protektorat des Deutschen Roten Kreuzes segensreiche- Arbeit leistete: hier war Waldstein bis April 1922 tätig. Im Mai 1922 kam Waldstein nach Essen zum Landesverband :>«hei>iland-Weilalen und damit zur Gemeinschaftsarbeit des E.V. Ter bereits «,2jährige wollte sich nicht die wohlverdiente Muße.gönnen, es trieb ihn. mit ferner Kraft und Erfahrung, auch weiterhin der Gemeinschaft zu dienen. Fast zehn Jahre hindurch führte Waldstein die Geschäfte des Lan-- desverbandes. Mit freudigem Eifer widmete er sich den großen und schwierigen Aufgaben, die in jerier wechselvollen Zeit immer, von neuem gestellt wurden. Unermüdlich zog er von- Ortsgruppe zu Ortsgruppe, um unser Wepk auszu- . bauen, den in Not befindlichen zu helfen und zur Seite zu stehen. Seine Arbeit war ausgezeichnet und gesegnet durch die besonders gütige und vor-, nehme Art seines Denkens und'Handelns: sie ge-. wann ihn überall.wo er hinkam. Freunde, die ihm gern un.d willig Gefolgschaft leisteten und sich mit ' ihm zur segensreichen Arbeit vereinigten. Sie alte blieben mit ihm in treuer.Freundschaft verbunden. als er im Jahre 1931 die «Apschästsführung des . Verbandes niederlegte, um chic verautivvrtungs'» .! schwere Arbeit jüngeren Händen anzuvertrauen. Auch nach dieser Zeit, hat Waldstein als. Mitglied unseres Vorstandes.immer wieder an unserer Arbeit in treuer Anhänglichkeit teilgenommen und unser Werk nach besten Kräften gefördert.' Nun müssen wir von Paul Waldstein für immer Abschied nehmen. Wir danken ihm für. alles, was er uns gewesen ist. Die Erinnerung, an den lieben Mitarbeiter und Freund wird in unseren Reihen fortwirken. / David Krombach (Essen). SCHACH« i€KI Wann und wo finden Sie Rat? Mitteldeutschland Magdeburg Gv. Schuhtr: 2b (Mpmtelssnhn- . Loge). »w 17. November, . 15'V—17Vi Uhr. Linkisrhein Trier Die Spreclistumlc am 18. November fällt aus. Hessen-Nassau und Hessen Frankfurt a. M. Steinwejr!). Zimmer 75—77 (Tel.: 254 03), Montag, Mittwoch, Freitag, 11—13 Uhr. Xainz Albinistr. 12, II (Tel.: 318 57), Montag, Bienstaff, Donnerstag. Freitag, 18—18 Uhr. Dsrmstadt Kasinostr. 31 (Tel.; 362), Diens- . tag, 16-1712. Uhr.- Wiesbaden Kircfiga?se 7, I,.-nach Vereinbarung.- Kassel Gemeinrii-hau«:'. 2. Dezember, Fulda Hnfel Kaufherr: 2. Dezember,- Marburg Kaffee Hlujuenfetd: 3. Dezember, Limburg Werner-Senper-Str. 13 . bei Albert Metz'pcr, 8. Dezember, 15 Bad Eni Friedberg Öraiibaclier Str. 17 bei PabbiDer Dr. ^Laupheimer, 8. Dezember,' Gnmeindeliaus: 12. Nnvember, 10. Dezember. 10—12 lihr. Hersfeld Gemeindehaus:* 19. November, 17. Dezember, 10—12 L’hrr . Worms Gemeindehaus: 26. November, 24. Dezember, 15—17 Uhr. Beratungsstelle in der Hauptgeschäftsstelle des Jüdischen Central-Vereins e. V., Berlin W 15, Emser Strasse 42 (Tel.: J 2 Oliva 8141 bis 8145). Sprechstunden täglich 12 bis 14 Uhr (ausser Sonnabend und Sonntag), für Mitglieder ausserdem jederzeit nach vorheriger Anmeldung (ausser Sonnabend und Sonntag). Schachaufgabe Kr. 88 von Michael Levy (Krefeld) Malt in drei Zügen. IVeiss: Kel. Dgl, Tal, ScB, Sd3, Bao, 1>3, F3, p(t. f3 19) . Schwarz: .Kdö, Tl-7, Th-1,. LfS, Beo, f5, f4 «7) Schachaulgabe Nr. 84 von Rechtsanwalt. Ludwig-Mayer «Berlin) « m Ka2, Lhjiu, Sd5, Se6, Ba4, b4, e3, d2, Schwarz: K<:4, DcT, T.f3, Tg4, Lh6, Bd3 Lösung der Aufgabe Nr. 82: 1. Td4-d7. (drnliend Df2—fä matt). .... DblXe4, 2.'Sb4—d3 matt . .... Lh7X«4, 2. Td7—do ■ .... e7—etf. 2. Sgö—f7 „ :... 2. Td7Xe7 . „ ' Sc4—eit, ' 2. I)f2—h2 .... Lei—fl, 2. I)f2—d4. Richtige Lösungen sandten ein: Ella Ruhen- (Bünde?, Dr. Eugen Jaeohsnn (.E'rankfurt a. M.), W. Baronowitz (ttiittingen), Hans Wendriner «Oppeln), Dr. Oster. Max Oberbrunner (München), Gerda Lopwkowitz (Kcinstadt). Dr. ined. Meyerhoff (Rotenfels), Michael Levy (Krefeld). Adolf Sehück (Breslau), (Umfried Gumbol, Dr. H. Kreilsheimer (Stuttgart), " Karl Bedihöfcr (Nürnberg), I. Weinberg (Emden), Herbert Heimann (Ratibor), ,D. Cohn, Kantor (Koblenz). Rechtsanwalt Dr. Ernst Bochrn (Brieg), Manfred Lindauer -(Oross-Brcescn), Hans Steinberger "'(Bayreuth), H. Lindner (Burgkunstadt). Siegmund Austerlitz (Giessen). .Tutius I.aupheimer‘(Memmingen), Frau Tilde Adler, Tierarzt Max Koschminski (Lands- , borg), Snnitätsrat Dr. Ritterband (Osterode),. Julius Calin (Neuwied). Jacob" Baumann (Köln), Rabbiner Dr. Tiinzcr (Göppingen), Martin Hirsch (Grottkau), Sanitätsrat D^. S. Donike, Wirtschaftsprüfer Dr. Herbert E. Hirschlierg,' Klaus Dreyer, Günter Rosen- •stpek, Gustav Lewi. Kurt .Btirchard. Sanitätsrat Dr., Leiser, Rechtsanwalt Ludwig Mayer, Rechtsanwalt Dr> Ernst Meyer, Justizrat Kurt Jacusiel (Berlin). Weitere richtige Lösungen von Nr. 80 un3 81: Bernhard. Loeb (Bingen), und. von Nr. 81: Dr. med. 'Kreilsheimer (Stuttgart), Diplomvolkswirt Walter Silberstein (Berlin). , S<-haehbriefkasten: W. S. (Berlin)- Die Aufgabe Nr. 79 ist nicht durch 1. Dd2—e3 lösbar. Schwarz antwortet: 861—121 Louis D. Brandeis Mitglied des Obersten Bundesgericht^ in Washington Am IS. November vollende! d‘as Milgliod des Obersten Bimdesgerichls in Washington, Louis D. Brandeis. sein SO. Lebensjahr. l'el>er seine Herkunft und Jugend schreibt hier Le» Hirsch, über seinen poltischen und Berufsweg RechtsanwaM Dr.'Erich Eyck. Herkunft und Jugend Die iVamilie Brandeis hat ilireu Nainen von , dem kleinen Ort Brandeis bei Prag! .wo sie herstammt Es iü ente alte st-amilie. nnd einige von den älteiten. fait versunkenen Grabsteinen atif dem PLager Uriedlws tragen den Namen.-da gab es Grundbesitzer und ani 2üiener Kaiserhof tvvhlbekanute Kanüierren. Rabbiner und Rlärthrer. nnd der Staminbanm des Hauses tvird bis aus den Hohen Rabbi Lö)v zurückgesiihrt. der den Golem geschaffen haben, toll .und beim Kaiser Rudolph eine geheimnisvolle Audienz halte. . . ISIS sandten vierzig iTainilieii Adolph Brand- , eis. nach Amerika:, er sollte die wlogliäikeilen des Landes sür sie studieren, elie üe hinüber-wan- - dorten. Sie wollten ..drüben"-, sielr ansiedeln und Bauern werden. - A'adt ei-nigeu Monaten schrieb erseinen Aintraagebern. sie sollten sich die landwirt- . schastlichen Plane ans dem Kopf schlagen: die amerikanische-(yrde-sei gut, aber schwer zu bearl'eiten und .das besonders für" Menschen, die es nicht von Hans ans und-feit Generationen gewohnt seien. Dem Lande fehlten aber Kanfleute, Händler, Makler die das Getreide ansnnd weiterverkauften, für die Bedürfitine der svvrme.r sorgten und die entlegenen Gegenden des Landes miteinander verbinden. Darauf beschlossen die ^vierzig syannlien/ nach Amerika zu übersiedelnp .und 'Adolph Brandeis "wartetesehr üngednldi'g aus sie. zumal unter ihnen jyrödericia Deinbitz war. seine Braut. V In Loutsville, Kentnckv. schlug das junge Pa'ar -. seine Zelte auf! Adolph Brandeis war Getreide-- Händler. VGr hatte vier Pointe, einer davon iü-der jetzige Oberste üiichter. Etonrde Louis David genannt, änderte aber ans Liebe zu seiner Bttitter das David in Deinbitz mit. Er wurde durchaus nicht religiös erzogen, genoß aber eine gtite allgeineine Bildung, das Hans" seiner Eltern, war das geistige" Zentrum von Lviiisville. Der einzige . religiöse Jude, der ins.Halts kaM. war ein Bruder der Mutter, der Advokat Louis Deinbitz, Borfteher der Spnagoge und im Talmud sehr beivande.rt und später der erste amerikanische Zionist. " Er interessierte sich auch sür Politik und war Abgeordeter der nationalen republikanischen Konvention lSih) und hat hier als dritter Delegat Abraham Lincoln für das Präsidentenamt iwininiert. Ter" Bürgerkrieg entbrannte. Kentucky stand gesel>losseu zti den Südslaatetz. aber die Familie Br'andeis stand zu. Linepln.und wenn die Blntter täglich in die Baracken . der Regierungssvldaten . hinter der Stadt ging und Essen hinbrachte. Liebesgaben -und Gebäck, ging der kleine Louis David immer mit. Es war sozusagen seine erste politische . Tätigkeit, von der ihn niemand znrückhalten Seine Mutter war sehr sanft,-nurin einem Fall kannte sie kei.ne Milde: bei Tische durste nicht von Geld tind Geschäft gesprochen werden,- nur von guten und schönen Dingen, von Büä)eri.t, Mnük. .Bildern..- und wem ein Wort" über Geschäftliches entfuhr., der. konnte eilten Blick von" ühr-gewärtigen, den man .nicht so rasch vergaß. Für Funge. der heutige Achtzigjährige, -war von Dein ans ein leidenschaftlicher Reiter. Außerdem fDielte, cc viel am Ohio, wo fein Bater einen großen Getreideprahm hatte. Sein drei Jahre älterer" Bruder Alfred "war sein bester Freund. Und wenn ne sich -müde geritten und . genug ..Schiff" ge'pielt hatten, dann" liefen sie in das Hans, Ivo im Parterre die Apotheke-und darüber die einzi-ge-chtt-lKiothek von Louisville dag, und lasen, was ihnen in tue Hände fiel. . Louis Tawd besuchte erst'die Elementarschule, dann eineobere. Er war immer ein Musterschüler. noas (hu aber von allerlei. Jungenstreichen . nicht ablnelt. Tann kam eine .Krise im Getreide- Handel, der Baier verlor immer mehr und entsehlvß!"(..>. endlich 1872. nach Europa zttrückzukehren: .T:r dies Söhne ivyr die Neboriiedlnng ein Erlebnis, sie lernten Binseen. Konzerte, Theater kennen und' entwickelten stolz einen europäischen Geschmack. Noch heute erinnert sich der Oberste . Richter dieser Kunstgenüsse Deutschlands, noch heute fpr.icht er gern da^on 'und, wie man sagt, etstannlich fachmänmsch. Er kam in Dresden ins Annen-Realghrnnasinm. tvar wieder Dlusterschüler und. sollte auf Wunsch seines Baters Medizin studieren. Er aber entschied sich, dem Vorbild, des Onkels folgend, für Jura. Aber er'wollte-nicht in Deutschland bleiben.. Ein seltsames Erlebnis, erzählt er. war schuld daran. Er war einmal spät aus einem Konzert heimgegangen und pfiff eine Alelodie vor sich hin. die er gehört hatte. Da klopfte ihm jemand ziem- "lich kräftig atif die Schulter. Neben .ihm stand ein Polizist, der ihn anfuhr: „He, Bursche! Bei Nacht pfeift man nicht bei uns!" Er bestand darauf, mit den Eltern wieder nach Amerika zu gehen. Er wollte an der Havard 1lnive,rsität studieren. Der Bater hatte kein Geld dazu. Aber, er ftndferte doch. Und so begann sein großer Weg. Sein grosser Weg Louis D. Brandeis ließ sich nach Beendigung, feiner juristischen Studien an der. Harvard-Uni- . versität, 22 Jahre alt, 1879 in Boston als Anwalt .nieder. Seine Erfolge und Leistungen als Anwalt waren großebenso groß tvie die ttnerinüdliche Arbeit, die er »auf jede Sache verwandte! aber weit größer war das Ansehen,, das er sich durch seine Wirksamkeit - auf politischem, nantentlich auf sozialpolitischem Gebiet erwarb. ^!hr Grundzug'ivar r stets: Eintreten für den. Schivachen, Kampf gegen 'Monopole der Großen und Ausnutzung der wirtfchaftlichen Ueberlegenheit zu politischen Zwecken. Es erregte größtes Aufsehen und auch lebhaften Widerspruch, als Präsident LLilson diesen fortschrittliclien Sozialpolitiker. .1916 zum- Plstglied des ausnur neun Richtern l'estehendcn Obersten .Bundesgerichts der Bereinigten Staaten ernannte. Gegen Brandeis' juristische Oualifikation hatte niemand etwas" einzn-, ivenden. und - es konnte auch niemand widersprechen. als de-.' Präsident ihm „seltene analhtische jyähigkeiten, tiefes menschliches Rkitgefühl, genaue. Kenntnis der.-hiüorischen Wurzeln unserer dnsntutionen und Einsicht in ihren Geist" nachrühmte" und ihn einen „Freund der Gerechtigkeit und der Bienschen" nannte. Aber das Oberste Bundesgericht hat eine politische Funktion, die im Staatsrecht aller Länder ihresgleichen sucht. Es kann Gesetze, selbst des Bundes, "wegen — wirklicher "oder angeblicher — Bersassungswidrigkeit auf Grund von Bersassungssätzen vernichten, deren allgemeine Fassung eine außerordentlich ausdehnende Auslegung ermöglicht. Von diesem Recht hattte das Gericht nachdrücklich Gebrauch gemacht, tim sozialpolitische Gesetze wegen angeblicher Verletzung der Bertragssreiheit kür verfassungswidrig zu erklären. Die konservativen Senatoren fürchteten daher nicht ohne Grund, daß .mit Brandeis ein neuer sozialpolitischer Geist in den höchsten Gerichtshof einzichen würde, und sie setzten seiner Ernennung einen heftigen, aber erfolglosen Widerstand entgegen. Tatsächlich hat auch Brandcis als Richter stets gezeigt, daß er Verständnis für die unabweisbaren Forderungen einer neuen Zeit hat. Die von einigen Verehrern veranstaltete Sammlung von Auszügen aus feinen Urteilsfprüchen (Social an Economic Views. Collectedby Alfr. Lieh New-Purk 1930) legt dafür Zeugnis ab. Auch bei mehreren der so weittragenden Entscheidungen. in denen das Bundesgericht in den letzten Jahren dem Gesetzgebungswerk Noosevelts mit der knappen "Mehrheit von fünf gegen vier Stimmen entgegengetreten ist, gehörte Brandeis zu der fortschrittlichen Minderheit. Daß dieser Mann, der als erster Jude in den höchsten Gerichtshof eintrat.- den Ehrentitel eines -weisen und gerechten Richters verdient, erkennen heute die amerikanischen Juristen aller Richtungen an. Brandeis ist auch injüdischen Fragen sehr tätig gewesen. Er .murde 1912 Zionist und war 1918 bis 1921 Präsident der Orgayisation der amerikanischen Zionisten. Er hat auch am Zustandekommen und der, Fassung der Balfour- Teklarchion aktiv mitgewirkt. 1921 trennte er sich von der stouistifckien Organisation, weil er mit ihrer nationallistischen Auffassung nicht harmonierte.. . . . IU\ H Zeichenunterricht HERBERT COHH W 15, Pariser Strasse. 25/26 KonfektIob