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Kinderblatt · 1938-06-16 · 3 (16.6.1938) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Kinderblatt
Volume
1938
Issue
3 (16.6.1938)
Date
1938-06-16
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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10 ja, die Sfallarbeit inacht Spnss, melken, füttern, misten ln Kuh- und PJterdeßtall — alles mache ich. Bei uns gibt’ß noch kein Spezialistentum wie au! den grossen Gütern! Und ich rate auch euch, die ihr Bauern werden wollt, lernt alles. Sitzt sinnig unter der Kuh und schreitet stolz hinter dem Pflug den Acker ab, lernt eggen und walzen und fahrt die Jauche so vergnügt anfs Feld wie die duftenden Aepfel zur Mosterei und zur Stadt auf den Markt. Dann mögt ihr später „Schweizer“ werden, Kuhstallspezialisteh oder Rossknecht, wie’s euch gefällt, oder eine Hühnerfarm aufniachen. Ja, die Hühner machen Freudei Und wenn dein Bauer Wald hat, wirst du Bäume abschleppen müssen, Hölzer sägen, Klötze spalten, und dann an den Winterabenden ganz glücklich sein, an einem Feuer zu sitzen, das dein Ilolz nährt, so. wie ich es tat, als ich diesen Film schrieb. Und noch schöner sind die Feierabende im Sommer. Dann sitzen wir friedlich unter den Bäumen, einer spielt auf seiner Harmonika, und träumend summt man mit oder stimmt kräftig ein in den lustigen Walzer, Der lockt die Mädchen ans der Küche. Glaubt mir, der Hof wäre nichts ohne die Bäuerin. Ich habe ja viele Bekannte, die in das tätige Leben wollen: unter der Haube arbeiten eie im Krankenhaus, sie lernen Diät-, sie lernen Maseenküche, aber wie mir das Leben des Bauern das schönste zu sein scheint, so das Leben der Bäuerin das gesündeste. Mit uns. stehen die Frauen auf. Sie melken, füttern das Kleinvieh, und dennoch ist pünktlich der Kaffee auf dem sauberen Tisch! Sie backen und kochen, waschen und stopfen, buttern und helfen uns noch bei Saat und Ernte. Und dennoch sind sie ohne Hast, immer ruhig und freundlich! Ja, ist des Bauern Lehen schön, der Bäuerin Leben ist ein Segen — ein Segen für uns alle! Meine lieben Freunde! schlagt euch doch endlich diese lächerliche Unterscheidung.aus dem Kopfe: Dieser Beruf sei feiner als jener 1 Kein Beruf ist fein, — dem nicht Herz und Kopf und Hand des Menschen gehört! Schaut, ich will euch vom Gärtner erzählen. Jeder Bauer ist Gärtner und jeder Gärtner sollte die Landwirtschaft kennen wie jeder „Schweizer“ auch. Leider lassen das die Erfordernisse unseres Lebens nicht mehr zu. mir, die Forderung, das« jeder Handwerker in der Landwirtschaft gearbeitet haben soll, ist schon sehr sinnvoll! Sind Pflug und Egge des Bauern wichtigste Geräte, so Spaten und Rechen ihre kleinen Brüder, die des Gärtners. Der Garten ist ein kleines Feld. Und insofern gilt die Unterscheidung von grob und fein, wie etwa in der Mechanik, die von Grob- und Feinmechanik. Das Kornfeld ist Aber glaubt gross, die Halme sind eine grosse Masse. Der Gärtner rmiee seinen Blick schärfen für das einzelne. Jedes Blümchen Ist für ihn ein Sorgenkind. Er muss es hegen und pflegen. Ja, die Gärtnerei ist schon eine rechte Kunst! Ist der Bauer von Wetter und Wind abhängig, der Gärtner schlägt dem Himmel ein Schnippchen. Lieg! auf den Feldern noch Eis und Schnee, dann blüht in der tropischen Schwüle seiner Treibhäuser manch seltene Blume und schmackhafte Frucht. Seinen Garten durchzieht er mit einem Netz von Gräben, und brennt auch die Sonne noch so sehr, mit Giesskanne und Schlauch entreisst er sein Gut ihrer versengenden Glut. Ja, der Gärtner ist ein Künstler. In der Baumschule sieben seine Zöglinge in Reih und Glied. Täglich mustert er eie, stutzt ihr Geäst mit der Schere und beobachtet sorgsam ihren Wuchs. Sie müssen gesund sein, um reiche Frucht zu tragen,-und ■müssen schön von Wuchs sein für die Anlagen, die sie schmücken sollen, denn nicht nur im eigenen Garten ist der Gärtner tätig. Viele Menschen brauchen seinen Rat und seine Hilfe. Seht, Herr Meyer hat ein neues Haus gebaut. Das Haus ist fertig, aber wie wüst sieht es darum aus. Wenn alle Handwerker den Bau schon verlassen haben, kommt der Gärtner. Er planiert die von den Bauarbeitern zerwühlte Erde, und unter seinen Händen wandelt eich der wüste Platz in einen schönen Ziergarten. Aus der Baumschule holt er die schlanksten Weiden und Pappeln, aus dem Blumengarten Stiefmütterchen und Veilchen, kurz, er verpflanzt von dem Reichtum, den er heranzog. Ja, der Gärtner ist ein Künstler. Seine Geranien schmücken die grünen Kästen an Herrn Meyers Haus, seine Bäume unsere Alleen und Parks. Und achtel mal darauf: Ihr könnt den Städten schnell anmerken, ob sie gute oder schlechte Gärtner haben. — Meine lieben Freunde! Ich möchte ein Loblied auf die Hände anstimmen! Auf die starken Hände, die im Bauernhaus wirken, auf die sichere Hand des Gärtners, Und ich möchte meiner Bewunderung Ausdruck getreu für das Auge, das diese Menschen besitzen. Ein klares Auge und eine sichere Hand sind der Reichtum jedes Hand-Werkers, ob er Bauer oder Gärtner, Schlosser oder Tischler ist. Beseht Euch nicht ängstlich Eure Hände! Sie mögen Euch täppisch Vorkommen, aber sie sind bildsam. Zuerst werden sie unsicher die Säge führen. Das Brett, das Euch der Meister zum Besäumen gibt, bekommt einen zackigen Rand, wie das Stück Stoff, das eine ungeübte Hand mit der Schere zerteilt. Aber die Uebung macht den Meister! Hebung und Fleiss leinen auch den Hobel führen, dies wichtigste Gerät des Tischlers. Rohe Bretter gibt Dir der Meister. Du zerschneidest sie, hobelst sie glatt und lernst sie fügen und verbinden. Die ersten Zinken sitzen noch nicht recht, aber immerhin, Dein einfaches Kästchen wird schon glatt und zierlich, wenn Du ihm mit Glaspapier den letzten Schliff gibst. Deine Schwester wird Näherin, und sie freut sich, wenn Du ihr für ihr Nähzeug das Kästchen arbeitest. — Nun hängt vor Dir schon eine Zeichnung. Es war schwer, sie anzuferligen. Aber habe nur Geduld, die Sprache will auch gelernt werden. Bald kannst Du sie entziffern, ja, es ist das Detail für das erste Schränkchen, das Du bauen sollst. Spürst Du, wie Deine Hand sicherer wird, wie Dein Auge schärfer sehen lernt. Dein Anschauungßvermögen wächst, Du glaubst, jetzt erst recht sehen zu lernen. Manche Arbeit nimmt die Maschine dem Tischler ab: die Kreissäge besäumt die grossen Breiter und zerteilt sie blitzschnell unter deiner Hand, die Hobelmaschine gibt ihnen den ersten Putz. Aber keine Maschine macht den sicheren Blick und die sichere Hand des Tischlers überflüssig. Auch der Tischler ist ein Künstler. Unerschöpfliche Möglichkeiten bietet die Bearbeitung des Holzes für seinen Formensinn und sein Denken. Er nutzt die schöne Maserung der edlen Hölzer, die Furniere kleiden die einfachsten Hölzer in das vornehmste Gewand. Ja, der Tischler ist ein rechter Zauberkünstler, wenn er sein Handwerk versteht. Mit Feile und Bohrer formt der Schlosser. Unendlich gross ist heute sein Bereich, und wie das Reich des Wissens kein einzelner Kopf mein umspannt, so keine einzelne Hand mehr das Gebiet des Schlossers. Vom Schmied stammt der Schlosser ab, wie der Gärtner vom Bauern, der Tischler vom Zimmermann und Holzfäller. Die Schmiede ist die älteste Handwe*ksslälte, und bei allen Völkern hat der Schmied eine Ehrenstelle. Er beschlägt dem Bauern das Pferd und schärft ihm den Pflug, die Räder, die der Wagner formte, presst seine Kunst in ein eisernes Band. Er ga schmiedete den Rittern die Waffen, den Fürsten und Bürgern die prachtvollen Tore. Den Schlüssel erfand er, der Schatzkammern schliesst und öffnet, und davon erhielt sein rechtschaffener Sol]n, der Schlosser, der Namen. Sein Beruf ist heute aufs engste verbunden mit der Industrie, die der neuen Zeit den Stempel aufdrückte. Denn sie ist Eisenindustrie, das Eisen ist des Schlossers Werkstoff. Kühne Architekten entwarfen die Riesenbrücken über Flüsse und Schluchten, und Schlosser führten sie aus. Moderner Erfindungsgeist schuf Zeppelin und Flugzeug, Dampfschiff und Eisenbahn, Auto und Elektrische. Und Autoschlosser, Maschinenschlosser, Grob- und Feinmechaniker, Schweizer und Werkzeugschlosser sind Diener und Meister dieser Werke. Alle aber standen sie zunächst am Schraubslock, wie du, der du in diese Berufe strebst. Eine rohe Eisenstange drückt dir der Meister in die lland. Mühsam sägst du ein Stückchen davon: Ein rohes Rechteck rostigen Eisens. Du sollst ihm Form und Glanz geben mit der Feile. Immer wieder spürt deine Hand über die Unebenheiten der Fläche, prüft dein Winkeleisen die Kanten. Bald geht die Feile sicherer, der Strich wird besser, und dein Körper geht auf und ab im Rhythmus der Feile. Dann feilst du schon deinen Hammer, deine Zange und entwirfst eine Zeichnung für das erste Werkstück. Dich erfasst der Rhythmus moderner Arbeit. Und manchen, der am Schraubstock begann, führt es auf himmelhohe Eisongerüste, führt es ins Elektrowerk und ans Steuer des Schiffes. Der Schlosser ist der starke Arm der Technik, die die Welt umspannt. Ueberall ist sein Acker, in aller Welt! Ja, meine Freunde, Hammer und Zange, Feile und Gebläse, damit arbeiten sie alle heule, die Schlosser und Klempner und Elektrotechniker. Alle sind sie Brüder, verwandt ist ihre Tätigkeit. Aber wir wollen über dem Getöse der Maschinen, dem Lärm der Zeit und ihrer männlichen Arbeit nicht der stillen Tätigkeit der Frau im Hause vergessen. Ich erzählte Euch vom Segen, den die Bäuerin für des Bauern Haus bedeutet. Ihr, die ihr nach der Handarbeit verlangt, ihr werdet das Tun der Hausfrau in Haus und Hof wieder schätzen lernen: Die Näherin, die Köchin und Krankenpflegerin. -- Meine lieben Freunde! Unser Film ist zu Ende. Aber das reiche Leben konnte er nicht lassen und zu Ende darsteilen, das reiche Leben des Handwerks. Nur andeuten konnte er und auch da nur einiges. Aber zum Schluss will ich Euch noch einmal ein Bild zeigen. Die Arbeit wird schwor sein. Aber Ihr werdet durehhallen und Eure Befriedigung finden. Und werdet dann das schöne Gefühl haben, das alle in-Stadt und Land haben, wenn cs heisst: Feierabend! » r o. MW

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