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Central-Verein-Zeitung · 1938-05-12 · 19 (12.5.1938) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
17 (1938)
Issue
19 (12.5.1938)
Date
1938-05-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Seife 6 C.-V.-Zeitung Nr. 19 * 12.Mail938 Konzerte und Vorträge Uzd es- 'gleich vorweg zw sagen: dieser Italienische (ausschliesslich Verdi gewidmete) Qpernabend des Berliner Kulturbundes erschien uns — jedenfalls in der nachstehenden Besetzung — als bisheriger Höhepunkt dieses Musikwin ters! Namentlich das „Rigoletto"- Quartett (Mascha Benjakonslsy, Susanne Loewenstein, Ernö GaraV, Walter 01 i t z k i) wurde ein Fest des Wohlklangs, wie wir es lange nicht erlebt haben. Aber es war, wie überhaupt an diesem Abend, kein unbeseelter Klang! Die Benjakonsky, deren mühelose Koloraturen immer wieder überraschen, wuchs in der Traviata-Arie zu einer Leistung ganz ungewöhnlichen Ausmasses, die in einem spontanen Riesenerfolg ihr Echo fand. Die Altistin — Susanne Löwensteiu — verdient allein schon um der Meisterschaft willen, mit der sie einer leichten. Indisposition Herr wurde, höchstes Lob; ihre äusserst konzentrierte Gestaltungsweise schlägt den Hörer bis zum letzten Ton "in Bann. Walter Ries sang den herrlichen Ruf an die sizilianische Heimat („0, du Palermo") mit ergreifender Wärme; auch er fand besonderen Widerhall. Ernö Garay entfaltete sein glänzendes Material zu immer höheren Triumphen: er dürfte als Verdi-Sänger eine Zukunft haben! Walter Olitzki, bei der Gerrnont-Arie ein wenig üherpointiert in der Aussprache, war ihm im Duett aus der „Macht des Schicksals" ein prachtvoller Partner. Rudolf S c h war? spendete mit seiner überaus differenzierten Begleitung einen besonderen Genuss. Vielleicht entschließt sich der Kulturbund nach dem Erfolg dieses einzigschönen Abends, uns nicht nur bald etwas derartiges zu bringen, sondern auch einmal aus solchen Opern, der Gesanitdarbietuug nicht tunlioh erscheint, einzelne Szenen mit Kos'üruierung und angedeutetem Hintergrund aufzuführen, wie es z. B. an manchen Theaterschulen üblich ist. Es käme auf einen Versuch an. H. Freyhan. Ein Kammermusikabend, von der Künstlerhilfe im Klubheim des Jüdischen Frauenbundes veranstaltet, brachte ein anregendes Programm. Das Streichquartett Richard Lond o n spielte Borodin und Dvorak und als IT r - aufführung ein für Trio geschriebenes Pastorale von" Richard Altmaiin, ein gefälliges, stimmungsvolles und sauber komponiertes Stück, das dem anwesenden Verfasser, herzlichen Beifall einbrachte. Auch für die Gesänge, von Mendelssohn, Mahler und Dvorak, die die Sopranistin Dora Bernstein- Börner mit Helene Lachmanski-Schaui am Flügel interpretierte, spendeten die Hörer freudigen Dank, der ebenso der um guten Ausdruck bemühten Sängerin wie der tüchtigen Begleiterin galt Kai. Die Sopranistin Ruth Hennig, die sich in einem Konzert der Berliner Künstlerhilfe vorstellte, verfügt über eine frei strömende Höhe und über eine Atemtechnik, die auch schwierigeren Aufgaben zu genügen vermag; die gefällige Vortragsweise passt sich demTCharakter des jeweiligen Liedes an- Das Organ Alfred Rosbaschs spricht in den tieferen Lagen sicherer an als in der Höhe. Der „Dichterliebe*' ist der Säuger stimmlich und vor allem künstlerisch noch nicht gewachsen. Etwas mehr liegt ihm Moussorgsky; hier zeigte sich, das« man bei grösserer Souveränität des Gestaltens gegenüber dem rein Stimmlichen tüchtige Leistungen von ihm erwarten darf. Die Begleitungen hatte Lotte Scboeps-Rogosinski übernommen. H. Fr. Der Jüdische Kulturbund Rhein-Ruhr veranstaltete ein Konzert mit Gottfried Zee- 1 a n d e r (Violoncello) und Hans Neumark (Klavier). Es war ein herrliches Musizieren, das die Werke in der äusseren Formung wie in der geistigen Durchdringung im Idealbild erstehen liess. Ergreifend geradezu ist die Andachtsschlichtheit des Cellisten, subtil und feinnervig im Anpassungsvermögen das Spiel des Begleiters. Man hörte Kcunpositioaen von Breval, Saint-Saens, Räch man inoff u. a. m. Das begeisterte Publikum dankte den Künstlern durch herzlichen, langanhaltenden Beifall. —ro— An der Spitze seiner eifrigen Musikerschar zeigte ihr tüchtiger Leiter Barnet Licht die grossen Fortschritte seines Colle gium Musieum in einem Kanunerorchesterkonzert in Leipzig. Man hörte zwei Werke von Händel und Vivaldi, die Konzertmeisterin der Vereinigung Miriam Zunser bewies in einem der Werke ihr grosses Können. Dazwischen spielte die hervorragende Pianistin Tanja U ry- Z unser in feinster Austeilung Klavierstücke von Skrjabine, Ravel und eine Ballade von Chopin. Das begeisterte Publikum nötigte ihr noch drei Zugaben ab. L. St. Tm 0 b e r rc h1e s i sche n Jüdischen Kulturbund gelangte an zwei Abenden in Gleiwitz und Beuthen 0 8. Mendelssohns ..Elias'' zur Aufführung. Besonderer Dank gebührt dem künstlerischen Leiter'Willi Flei- Die neue Ausstellung in der Marburger Strasse 5 bringt: Arbeiten von Künstlern aus verschiedenen Gegenden. Da ist Richard Liebermann aus Konstanz mit Porträts vertreten, unter denen das des Malerverwandten Max Liebermann auffällt; ein Knabenbildnis und ein Gemälde „Bäuerin"' zeigen aeben dem ..Geiger" die malerische Ausdrucks weise von Richard Liebennann. Ein Blumenbild dagegen verrät in der eigenartigen Betonung der Blütenränder eine allzu dekorative ivianier. — Dann die Bilder von Annemarie Zweigenhaft, einer Schülerin von Arthur Segal. Aus den Aquarellen von Florenz, aus Südfrankreich, aus der Schweiz sprechen sehr viel Stimmung, Komposition und Ausgeglichenheit der Palette. Das Bild mit den Sternblumen zeigt in der Betonung jedes Einzelteilchens an Blüten und Stielen den Einiluss des Lehrers, der den neuen Naturalismus gefunden zu haben glaubt Helle und dunkelgrüne Blattäderung mit scharfen Kontrasten — welcher Gegensatz zum ..Gewächshaus*, in dem Annemarie Zweigenhaft stark impressionistisch arbeitet. — Emme Frankenberg, die neben Annemarie Zweigenhaft die Berliner jüdische Künstlerschaft vertritt, ist längst ein vertrauter Begriff. Ihre Frauenbildnisse sind nicht nur farbenstark, sondern geben neben dem Koloristischen viel Psychologisches. Die Stilleben sind starke Leistungen, was Komposition und Palette betrifft. Man steht in dieser Ausstellung vor einem Blumenstiiieben. das voller Duft steckt, mit dem Rittersporn in Blau und den anderen in Rot gehaltenen Blüten. Wähscher, der es verstand, die Orchestervere i n i g u n g Gleiwitz-Hindenburg-Beuthen sowie die Chorvereinigung Gleiwitz zu einem herrlichen Klangkörper zu vereinigen, dem sich die Solostimmen Lotte Cohn-Schlesskow, Breslau, Thea Jena, Beuthen, Lotte Kreutzberger, Beuthen, Käte K o c h m a n n, Hindenburg, Josef G r a b o w s k i, Gleiwitz, und Leopold Alexander, Breslau, in schöner Weise einfügten. Am Flügel begleitete Gerta Levin. Gleiwitz. Die zahlreich erschienenen Zuhörer lauschten ergriffen den schönen Klängen und werden sicherlich noch lange dieses musikalische Erlebnis im Gedächtnis behalten. M. H. Im 8. Abonnementskonzert des Jüdischen Musikvereins Breslau wurde, unter Verzicht auf den obligaten Solisten, erstmalig der Versuch gemacht, durch Heranziehung von Berufsmusikern, und zwar vorwiegend Bläsern des Berliner Kulturbundes, einige technisch sehr anspruchsvolle Werke zur Aufführung zu bringen. Er ist überraschend gut geglückt. Berlhold Sander hat die heikle Aufgabe, die Spieler einander völlig anzugleichen, in unermüdlicher Kleinarbeit gelöst; ihm ist es zu danken, dass trotz mannigfacher äusserer Hindernisse eine künstlerische Einheit zustande kam, wie sie selbst bei der Beschränkung auf die eigenen Kräfte nicht immer erreicht worden war. Unter diesen Umständen wurde die Tonsprache Mendelssohns (Ouvertüre zu ..Atbalia" sowie Nocturno und Hochzeitsmarsch aus ..Sommernachtstraum") ebenso wie die Tschaikowskys (Sinfonie e-moll) zu einem neuen, tiefgehenden Erlebnis. Hff. rend der Fliederstrauss, den Emme Frankenberg gemalt hat. in der Schlichtheit und Selbstverständlichkeit, mit der sich die weissen Blüten vom dunkleren Hinlergrund abheben, den Eindruck einer starken Begabung noch zu erhöhen weiss. Unter den Landschaften zu nennen Ausschnitte aus Ragusa, Arcsa und Venedig, überall starke Farbigkeit mit überaus guter Lichtverieilung. Graph i k und Aquarelle von Franz H echt aus München umrahmen die vorstehend besprochenen Gemälde. Beseelte Baumgruppen reden aus den Landschaften, Kraft und Klarheit aus den exotischen Motiven, in denen sich der Münchener Künstler im Holzschnitt auaspricht Vielfach liegen diesen Handdrücken bekannte niederländische oder andere Vorwürfe zugrunde. Aber das Künstlerische in dieser Nachschöpiung liegt eben in dem Kraftvollen, das das Werk des Künstlers ausmacht — Die Bildhauerkunst in dieser vielseitigen Schau vertritt Margarethe Garthe aus Stuttgart, eine fein empfindende, oft noch mit dem Formalen ringende Künstlerin. Die Maske ..Weinende" interessiert auch durch den Werkstoff, ein nicht alltägliches Material, nämlich versilbertes Kupfer. Dadurch wird vieles weicher in den Zügen des Gesichts, bekommt Hartes eine malerische Ausdrucksweise. Die Figur der „Bittenden'*' aus gebranntem Ton zeigt geschlossenere Formen, die sich in der Gestalt einer Tänzerin aus Aluminium noch zu vereinfachen strebt. Auch Terrakotten der ungleich schaffenden .Bildhauerin sind in mehreren Beispielen vertreten: ein Mädchentorso und ein ebenfalls unvollendetes Werkchen at& gebranntem Ton verraten aber die eigene Handschrift. Aus Zement bringt die Ausstellung das Bildnis von Jacob Picard, das Kenner der Persönlichkeit des Dichters gewiss als dem Leben abgelauscht empfinden werden. Dr. Olga Bloch. Max Osborn über Michelangelo In einem gross angelegten Vortrag _besprach Dr. Max Osborn auf Einladung des Klubheims des Jüdischen Frauenbundes, Berlin, das: Werk Michelangelos in seiner besonderen Bedentung für die jüdische Gemeinschaft Ob der Meister der italienischen Renaissance den David schafft der vor dem Kampf mit Goliath von göttlicher Sendung erfüllt ist, ob er in den Malereien der päpstlichen H.auskapelle jene unerhörten. Visionen der Erschaffung der Welt wach werden lässt, immer tritt der .Zusammenhang mit dem Alten Testament zutage. Da sah man im Lichtbild auch die Bilder in den Ecken der Sixtinischen Kapelle, die Vorgänge der Geschichte der Juoen zum Thema haben. Hoher allem anderen dann die Propheten, Michelangelos übermenschliche Gestalten, das Urbild der Kraft auch jener Moses, ein Ueberrest ans der wahrhaft michelangelesken Komposition für das Grabmal des Guiliano Medici. Neben dem Heros der Renaissancekunst in San Pietro in Vincoli stehen, weniger kraftvoll im Wurf, mehr antikisch, die Gestalten der Rahe! und der Lea. Kunde gebend wie die übrigen. Gestalten des Michelangelo von der Urkraft des Kosmos, von der Leidenschaft des Genie«:, letzte Rätsel lösend und der Ausdruck einer überweltlichen Erscheinung. Das zahlreich versammelte Publikum dankte dem Redner für den an Anregungen reichen Abend, der an den Teetischen einen gemütlichen Abschluss fand. Dr. 0. B. Neue Schallplatten Arter Schnabel spielt die Beethoven-Sonater. op. 10, Nr. 1 und. 3 sowie op. 79 fBee-th. San. Society, vol. 12). Fritz Kreis] er brintrt mit Franz Rupp die Bccthoven-Sonaten op- 30, I und op. % t Beetb. Son. Soc. voL 4). Mozarts ..Jupitersinfonic-'1, and die Ouvertüre in ..La finta gardiniera'* bringt Bruno "Walter an? Hi? Meters Voke-PIatten (DB 3-J2S—oT-. "Wanda Landow ska spielt auf His Masters Yoke-Platten HändeJs B-dur-Konzert und Air roi» Variationen (DB 3307—08). Jüdischer Kulturbund Berlin Wochenplan Theater bi der Kommandantenstrasse 57: ..Da? G e r i c b t:\ IL Mai, 2Q*A Uhr (Abonnement und Abt. 46); 20 Uhr. 15. Mai (Abt. 29, 39), 16. Mai (Abt. 2. 12), 17. Mai (Abt. 4. 14), 18. Mai (Abt. 25, U\ 19. Mai (Abt. 5, 15). Knltorbundsaal, Koinmandantenstr. 58/59: Chorkonzert 14. Mai. 20Kübr; 15. Mai. 20 Uhr ^erlegt; Vom 10. Mai), 16., IS., 19. Mai, 20 Uhr. „D a s Extemporale" 17. Mai, 20# Uhr. Grcsser Saal des Jüdischen Briiderverems, Karfihstenstr. 115/16: ,J d l m i t* n F i d 1" 15. Mai: 17, 19 und 21 lA Uhr (statt 4. Mai), 16. Mai: 19 und 21 yK Uhr (statt 9. Mai). 17. Mai: 19 und 2.1K Uhr (statt 5. Mai). 18. und 19. Mai: 19 und 21% Uhr. - Der Film bat einer, anhaltenden Erfolg beim Publikum 7m verzeichnen. Die erste Serie der Veranstaltungen ist bereits ausverkauft. Karten zu det weiteren Vorstellungen sind noch zu haben. Bild und Plastik für Bildende Kunst laufen in die Schule und zerbrechen sieb noch nicht den Kopf. Geld ist knapp — Sie wisseivs wohl auch. Das Häuseben haben wir verkauft. Meine Frau bat sich das Rauchen angewöhnt. Und ich stehe in ausgedehntem Briefwechsel mit allen möglichen Universitäten. Lieber Freund, Gott hat sieb abgewendet von seinem Volk; möglich, dass dies sinnvoll ist — wir wollen's tragen, so gut wir können." Er wirft den Rest seiner Zigarette in die Aschenschale; der Stummel glüht noch und räuchert leise. Ihn auszudrücken, hat sieh die Hand nicht Mühe gemacht. Vielmehr greift sie springend in den Tabakskasten, klaubt sieb eine neue Zigarette hervor. Büke wirft sie eilig, mit der schlimmen Grazie des Kettenrauchers, zwischen die Lippen, Dann tastet er nach den Zündhölzern und versorgt sich abgehackt und schurrend mit Feuer ... ii. Auf dem 3. Bahnsteig des Zentralbahnbofs in X. ist schon lange vor Abfahrt des Prager Nachtzuges ein kleiner Kreis von Menschen versammelt. Die Reisenden, Professor Justus Jacob Büke nebst Gattin und drei minderjährigen Kindern, haben ihr Gepäck schon im Abteil verstaut. Fürs Abschiednebmen ist es ein günstiger Umstand, dass der Zug auf seinem Ileimatgleise steht. Schon läuft der Zeitungsboy mit seinem Karren über den Bahnsteig und singt gellend sein Rekiame-Liedchen; die Abendblätter sind datiert mit dem 10. März 1938. Der Zentral bahnhof in X. hat im Laufe der letzten Jahre eine ganze Anzahl solcher Abschiedsszenen erlebt; sein riesiges Beton-Gesichi schaut das alles ohne Rührung an. Der Zentralbahnhof in X. hat nur Interesse an Keisenden, die etwa den blauen Express benützen. Aus der kleinen Versammlung an diesem Abend lösen sieh zwei Gestalten. Büke, im hellen Trenchcoat, mit der scheckigen Reisemiitze auf seinem blitzend-weissen Haar, und Shadow, der gekommen ist, dem zukünftigen Hochschullehrer der Universität in T. den letzten Dienst der Freundschaft zu erweisen. In Shadows Empfinden mischt sieb die leise Trauer, die jeden Wissenden in einer solchen Stunde befällt, mit einer frohen und gesegneten Zuversicht: sieht er doch den Freund in neuer Spannimg und befreit von dem schweren Druck einer tatenlosen, und damit auch sinnlos gewordenen Existenz. ..Shadow'', sagt Büke, mit einem tiefen, fast zitternden Unterton in der Stimme, ..hier also trennen sich unsere Wege — und wahrscheinlich doch für allezeit. Alter Freund...", er hat vielleicht vor, noch mancherlei zu sagen; aber er fährt nicht fort, und in dem. was er verschweigt, wird das Schicksal Tausender verschwiegen, über welche die Historie gross hinweggeht. Unvermittelt zieht er eine Schachtel Zigaretten aus der Manteltasche, klappt den Deckel auf und bietet an. ..Die letzte, Shadow. die wir miteinander rauchen", sagt er lächelnd. ,.Das soll uns aber jetzt nicht stören." Er bedient sich, wieder ruhig, mit den alten, ausgeglichenen Bewegungen. Shadow sieht mit heimlicher Freude, wie er die Zigarette zwischen den schmalen Fingern dreht und formt und sie zweidreimal mit kleinen harten Schlägen auf der Packungsschachtel festklopft. Das Hölzehen zündet auf den ersten Strich. Er gibt und nimmt sich Feuer: dann holt er einen tiefen und kräftigen Zug in die Lungen. Es ist ein ungewöhnlich leichter Tabak, den er raucht: nikotinarm. quellend, angenehm. Büke dürfte wissen, warum er eine Zigarette raucht, deren Haupteigenschaft darin besteht, das physische Wohlbefinden und die Widerstandskraft de,r Nerven eines passionierten Rauchers nicht zu stören . . . Das also war die Kuasterkurve; sie darzustellen, ist nicht einfach. Der lebendige Untergrund, das Millimeter-Papier des jüdischen Lebens, bietet in seiner aufgeteilten Vielfalt manchen Widerstand. Die Glätte, die es dem Zeichner früher möglich machte, rasch und mit sicherer Hand die Achsen zu ziehen und Punkt für Punkt die Kurve zu markieren, ist nicht mehr da; auch gehört ein gewisser Optimismus dazu, Kurven dieses Ablaufs darzustellen. Wer, wie der Erzähler, mit der Statistik auf gutem Fusse steht, kennt den steten Abfall anderer Kurven in unserem Bereich. Dadurch, dass er die Parabel zum Symbol für alle erhebt, sucht er nicht, den Durchschnitt zu beschönigen. Er zeichnet nur die angestrebte Ricbiung vor. weil es zu seiner Aufgabe gehört, den Sonderfall als Trost für die Gemeinschaft zu verwenden: und dieser Aufgabe unterzieht er sich mit grossem Ernst, wenngleich er nicht verhehlen will, dass ihn bei der Durchführung zuweilen der Mut verlässt. So legt er manchmal bei der Arbeit seinen Bleistift nieder. Aber von Fall zu Fall zwingt er sich selbst zu neuer Leistung. Theater» Musik, Film Zu Betrinn der neuen Saison gelangt in Paris ein neues Stück von Henri Bernstein, das fiini'aktige Schauspiel „Fortune" zur Aufführung. * Jasflia II ei fetz konzertierte in der Carnegie- Haie in New-York mit dem _Xew Broao'casting Symphonie-Orehester unter Leitung von Artur R. o d z i n s k i zum Besten der österreichischen Flüchtlinge. * In der Opera in Paris wurde die Oper „Der Kaufmann von Venedig" von Reynaldo Hahn in das Reportoir neu aufgenommen. * Jehurii und Hephzibah Mennhin spielten in einem Konzert in Anisterda in und Zürich mit ausserordentlichem Erfolg Kammermusik. Ende April gaben sie in Brüssel ein Konzert, das ausverkauft war. Auf dem Programm stand ausschliesslich klassische Musik. * Lssa? Dobrofen und Erica. Morini konzertieren am 16. Mai in Budapest mit dem dortigen Philharmonischen Orchester. * Radio Paris übertrug ein dramatisches Spiel .,L a vie de Mols e" von P. Didier-Perret. * Ernest Blochs „Sacred Service" (Awodas hakodesch) — in Berlin bereits bekannt — und „Evocations" erfuhren in Birmingham ihre englische Erstaufführung, Blochs „Concerto grosso" wurde in Norwicb gebracht, sein „Schelomo11 in Moatre a 1. * Emanuel Feuermann brachte in New- York eine Reihe vGn Ccllokonzerten zur Aufführung. * Mcyerbecrs öl. Psalm gelangte in Cambridge zur Aufführung. * Eine rieh Kaimans Operette „Gräfin Mariza" gelangt demnächst in London iur englischen Erstaufführung. Die Titelrolle singt Lucie Mannheim, die darin als Operettensängerin debütieren wird. * Der Pianist M o i s e i \\- i t s c h spielte, in G 1 a - gow unter G. Sxell das Konzert von Radimaninow. Der German Jewisb Club. New-York, veranstaltet einen literarisch-musikalisehen Aheod m'i Lossie Sachs (eigene Lyrik und Prosa) und Joses \V a g n c r (Klavier). * Jascha Fastofsky (Klavier) und Abraham G ö t z (Violine) konzertierten gemeinsam bei einer Vei anstaltung der ßrooklyn-Acadcmy of Mnsic in "N e w - Y o r k. Die Sopranistin Eva Leonti Lefson konzertierte mit grossem Erfolg in Meran im Kähmen der dortigen Kurkonzerte. Erhard W e c h s e 1 m a n n . früher Berlin, jetzt Oberkantor der liberalen Gemeinde im Haag, gab mit grösstem Erfolg ein Konzert „Jüdische Musik*' x Max Raymer fUntormayer) wurde für drei Konzerte an zwei grosse Radiose.ride.r in New- York und an den Sender Luxemburg verpflichtet. * Luise Bai n er spielt die weibliche Hs.uptroilin dem neuen Film ..Der grosse Walzer**, der iR Hollywood gedreht wird und in dessen Mittel- Punkt die PersernIk-hkeit des Walzerkönigs Johann Strauss steht. ¥ Jacques 2s a t a n s o n ' brinjrt in Paris einen neuen Film „La Marie du Port" nach einem Romas von Georges SLmenou heraus. V Der neue französische Film „Helene", eine Verfilmung des bekannten Romans von Vicky Bann* „Stud. ehem. Helene Yviiil'uer", gelangt jetz-t auch in Budapest zur Vorführung." * Der Geiger Jascha Heifctz wird die Hauptrolle in einem neuen musikalischen Film spielen. Die Jüdische Chor- und Orchestervereinigsa? (iw Reichsverband der jüdischen Kulturbünde in Deutschland), Berlin, bereitet für dio nächste Saison das Oratorium ...Jephta" von Händel vor. Die Spielabewle der Orchestervereinigang für zuhörende Mitglieder werden wie bisher jeweils am letzten Montai' im Monat abgehalten. Stimm begabte Damen nnd Herren für den Chor sowie gute Streicher und Bläsc für das Orchester melden sich beim Dirigenten, Leo Kopf Berlia-Wilniersdorf 1. Landhäuser. 41. (Tel. 86 26 68).

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