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Central-Verein-Zeitung · 1938-04-28 · 17 (28.4.1938) · page 3

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
17 (1938)
Issue
17 (28.4.1938)
Date
1938-04-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Mr.17 * 28. AprH1938 1. Beiblatt » G.-V.r Zei fung Seite 3 _ GR OST BREESEN tfüxiisc&es kuswxiMxl&^-leMqid, Ein Bericht von Professor Dr. Curt Bondy Gross-Breesen, Ende April 1938. Vor etwa zwei Jahren wurde das jüdische Auswanderer-Lehrgut in Gross- Breesen gegründet. Die erste Gruppe von Jungen und Mädchen hat nun ihre vorgesehene Ausbildungszeit beendet. Bei fast allen können wir mit Freude feststellen, dass sie eine echte Beziehung zur Landwirtschaft haben und vollkommen mit ihrem Berufe zufrieden sind. Neben der beruf- Vor der Ausfahrt aufs Feld liehen Ausbildung haben wir von Anfang an grossen Wert auf die charakterliche Bildung unserer jungen Menschen gelegt, indem wir versuchten, sie zu einer bewussten, ehrlichen, anständigen, selbständigen und zielstrebigen Haltung zu erziehen. Wir hoffen, dass uns dies im wesentlichen gelungen ist. Eine ernsthafte Erschwerung unserer Arbeit entstand dadurch, dass die Aussichten, zu einer gemeinsamen Siedlung zu kommen, im letzten Jahre immer geringer geworden sind. Ein Projekt nach dem anderen erwies sich als undurchführbar, und noch vor kurzem befürchteten wir, dass wir unsere Menschen einzeln oder in ganz kleinen Gruppen — in die ganze Weit zerstreut — hinausschicken müssten. In der letzten Zeit haben sich nun aber Möglichkeiten gezeigt, unsere alten Pläne wieder aufzunehmen. Wenn auch nicht alle Gross-Breesener gemeinsam siedeln können, werden sie doch in zwei bis drei Hauptgruppen — in Argentinien, in U.S.A. und vielleicht in Brasilien — zusammen bleiben. Die I C A hat sich in grosszügiger Weise bereit erklärt, dreissig landwirtschaftlich ausgebildete junge jüdische Menschen aus Deutschland in Gruppen von je fünf Leuten zur gemeinsamen Bewirtschaftung eines Siedlerloses auf ihren Kolonien in A r - gentinien anzusetzen. Bei Bewährung hat sie diesen jungen Leuten nach Verlauf Sriafmarken - frfeLawiü Berlin W 35, Ltitzowstrasse 91 A. von fünf Jahren eine Ansiedlung in Aussicht gestellt. Da erwünscht ist, dass die Eltern später' als Siedler nachkommen, konnten wir denen, die für ihre Eltern sorgen müssen, besonders raten, diesen sicheren Weg bei der ICA zu wählen. Ausserdem gehen unsere beiden ersten — und bisher einzigen — Ehepaare in nächster Zeit auch auf eine der ICA-Siedlungen nach Argentinien, und es besteht die begründete Aussicht, dass die Gross-Breesener, die nach Argentinien auswandern, in enger Verbindung miteinander bleiben werden. Unser älterer Plan, eine Gruppe von zwölf Praktikanten auf das Gut von Herrn Kaphan in Parana (Brasilien) zur weiteren Ausbildung zu geben, wurde auch noch nicht aufgegeben, musste aber leider zurückgestellt werden, weil die Frage der Erlangung der Chamaden für Brasilien immer noch nicht geklärt ist und wir nicht wissen, wie lange wir darauf noch warten müssen. Unseren ursprünglichen Plänen einer gemeinschaftlichen Siedlung entspricht nun am meisten unser Projekt in U.S.A. Von einigen unserer Freunde ist uns in Richmönd im Staate Virginia ein grosses Gut mit allem, was dazu gehört, zur Verfügung gestellt worden. Wir sind ihnen sehr' dankbar dafür. Friedrich Borchardt, der früher bei der Reichsvertretung der Juden in Deutschland tätig war, bearbeitet in New-York diesen Plan und teilte uns vor kurzem mit, dass die Zahl der für die Virginia-Siedlung bestimmten Gross-Breesener von 25 auf 30 erhöht werden könnte. Die Affidavits sind grösstenteils schon beschafft, und wir hoffen, dass die erste Gruppe bald hinüberfahren kann. Wir hatten hier mit den schon gemeldeten Gross-Breesenern eine Besprechung, wer zu der erweiterten Gruppe hinzukommen sollte. Bei der Beurteilung stand der fachliche Gesichtspunkt im Vordergrund. Vor allem wurde überlegt, ob die Vorgeschlagenen ausreichende landwirtschaftliche Fähigkeiten und Kenntnisse haben, ob eine echte Beziehung zur Landwirtschaft besieht und, vor allem, ob bei ihnen angenommen werden kann, dass sie sicher auf dem Lande bleiben. Weitgehend wurde auch die charakterliche Eignung und die (jemeinschaftsfähigkeit berücksichtigt. Erfreulich war, dass die in jedem Falle fast einheitliche — nicht immer positive — Stellungnahme der Jungen und Mädchen mit dem Urteil von uns Aelteren übereinstimmte. -So nehmen wir als sicher an, dass die Auswahl richtig ist. Die Mädchen und Jungen, die mitgehen, sind sich der Bedeutung ihrer Aufgabe durchaus bewusst. Sie wissen, dass die Farm in Virginia nicht nur zur Verfüs/un« gestellt wird, um 30 junge jüdische Menschen aus Deutschland drüben in der Landwirtschaft unterzubringen, sondern dass weit mehr damit beabsichtigt ist und dass vor allein die erste Gruppe eine grosse Verantwortung übernimmt. Sie wissen, dass es weitgehend von ihrer Arbeit, ihrer Lebensführung und dem Gesamtgelingen dieses Versuchs abhängt, ob weitere Gross- Breesener hinübergehen können und ob weiteres Land zur Verfügung gestellt wird. Sie wissen auch, dass Siedlung jüdischer Menschen nicht nur eine aus der augenblicklichen Not entstandene Hilfsmöglichkeit bedeutet, sondern für die jüdische Gesamtheit in bestimmter Beziehung vorbildlich und richtungsweisend sein kann. In den letzten Besprechungen kam immer wieder deutlich zum Ausdruck, dass die Gross-Breesener keine grossen Worte machen und Versprechungen geben wollen, von denen sie nicht wissen, ob sie wirklich eingelöst werden können. Sie betonen immer wieder, dass der Anfang und die Grundlage für alles weitere vor allem die harte und zuverlässige Arbeit des einzelnen und die kameradschaftliche Hilfsbereitschaft sein müssen. Jetzt haben die Gross- Breesener Aufgaben, für die der ganze Einsatz lohnt! Dadurch, dass in den nächsten Monaten diese Gruppen das Lehrgut verlassen, können wir wieder neuePraktikanten aufnehmen. Es wird sicher kein Mangel an Anmeldungen sein, aber wir fürchten, dass sich viele melden werden, die nicht geeignet sind. Wir verstehen es sehr wohl, dass viele jüdische Menschen in Deutschland nun nach Gross-Breesen wollen, weil sie von hier aus gute Aussichten für die Auswanderung haben, und dass die Eltern sie gern zu uns geben. Leider darf diese Ueberlegung allein bei der Auswahl nicht massgebend für uns sein. Nach wie vor werden wir nur solche Mädchen und Jungen aufnehmen, die körperlich und charakterlich für den schweren Siedlerberuf voraussichtlich geeignet sind, die gemeinschaftsfähig sind und ihr Leben unter eine besondere Aufgabe stellen wollen. Wir haben es im Laufe der Zeit immer wieder erfahren, dass es falsch ist, Menschen aufzunehmen, die diese Voraussetzungen nicht mitbringen. Sie werden sich unter Umständen in Gross- Breesen wohl fühlen und die Eltern werden froh sein, sie gut untergebracht zu haben, aber sie werden auf die Dauer doch nicht auf dem Lande bleiben und haben dann nichts anderes gelernt als die Landwirtschaft. Hinzu kommt, dass der Erfolg jüdischer landwirtschaftlicher Siedlung, von der so viel für die weiteren Einwanderungsmöglichkeiten in die überseeischen Länder abhängt, weitgehend dadurch bestimmt wird, dass die Menschen auf dem Lande bleiben und nicht wieder in die Städte zurückgehen. Wir hoffen, dass der nächste Gross- Breesener Bericht schon von unserer Arbeit in Argentinien und in Virginia erzählen wird. * Wegen der Aufnahme von Praktikanten wende man sich an die Leitung des Jüdischen Auswanderer-Lehrgutes Gross-Breesen über Obernipk (SchlesienK. Nach des Tages Arbeit Foto (4): UUiSzkohaj Jüdische Farmer in USA Die Veröffentlichung des Jahresberichts der Jewish Agrieultural Society in USA durch ihren Geschäftsführer Dr. Gabriel D a - vidsohn wird von der amerikanischen Wochenschrift „Time" zu einigen interessanten Darlegungen über die jüdischen Farmer in den USA sowie über die erwähnte Vereinigung benutzt. Die -lewish Agrieuliurai Society wurde im Jahre 1900 auf Grund einer Stiftung des bekannten Philanthropen Baron Hirsch errichtet, der viele Millionen dafür aufgewandt hat um das Los bedrängter Juden in Osteuropa durch Auswanderung zu verbessern. Im Jahre 1900 habe es in den Vereinigten Staaten 200 jüdische Farmer gegeben, heute seien es fast 100 000, von denen viele durch die insgesamt rund 7.5 Millionen Dollars betragenden Leihgelder der Jewish Agrieultural Society unterstützt worden waren. In der „Time" wird weiter gesagt, dass hinter der jüdischen ..Zurück auf das Land"-Bewegung eine Art religiöser Idee stehe: denn die jüdische Kultur, wie sie sich im Alten Testament darstelle, sei vorwiegend landwirtschaftlich orientiert gewesen. Hierfür sei bezeichnend, dass die drei grossen religiösen Feste der Juden, Pessach, Schowuaus und Sukkaus, im Grunde genommen Erntefeste seien. Obgleich die Jahrhunderte der Diaspora die Juden vielfach in andere, leichter zu wandelnde Beschäftigungen gezwungen hätten, seien trotzdem zu jeder Zeit auch jüdische Farmer zu finden gewesen. Heute gebe es 800 000 jüdische Farmer in der Welt. Ueber die jüdischen Farmer in USA sagt Dr. Davidson in seinem Bericht, dass die meisten von ihnen eingewanderte Juden seien, die aus dem Schneider- und Kürschnergewerbe kämen. Viele suchten Farmen und verblieben auf ihnen, weil das Farmen eine friedliche Art zu leben sei. Da Cor! Zobei T*t 242953 Feine Herrenu.Damenkieidung nach Mass. Gr.Stoffauswahl. Gebr. Oppenheim - Steffin Herrenkletdcrfabrik die meisten jüdischen Farmer aber noch in den Städten geboren seien, brächten sie mehr an Voraussetzungen mit als der durchschnittliche amerikanische Farmer für technische Ausrüstung, Benutzung der Elektrizität, der Beheizungsmethoden; des Radios und des Telephons. Die jüdischen Farmer in USA unterscheiden sich besonders aus religiösen Gründen von den anderen. Obgleich die Juden in vielen Zweigen der Landwirtschaft tätig seien (wenn auch zu einem grossen Teil als Geflügelfarmer), so neigten sie doch dazu, in Gruppen zu leben. Diese Tendenz bestehe im wesentlichen auch deshalb, weil die jüdischen Speisegesetze und religiösen. Vorschriften in der Einsamkeit schwer zu erfüllen seien, und weil zehn jüdische Männer die kleinste Anzahl sei, um eine religiöse Wirksamkeit zu ermöglichen. yf. Das Gutshaus Mädchenäusbildung Aus dem Jahresbericht des Jüdischen Frauen-Bundes Der Geschäftsbericht, mit dem Hannah Karin i n s k i, wie bereits an dieser Stelle berichtet, den ersten Arbeitstag der diesjährigen Gesamtvorstandssitzung des Jüdischen Frauenbundes eröffnete, liegt jetzt im Druck vor. (April-Nummer der „Blätter des Jüdischen Frauenbundes.") Wir entnehmen der ebenso instruktiven wie lebendigen Darstellung die folgenden Angaben: Einen sowohl zeitlich wie materiell besonders hervorragenden Anteil an der Arbeit des Frauenbundes nahm die in Verbindung mit dem Hilfsverein geleistete Förderung der Frauenauswanderung ein. Sprechstunden zur Beratung auswandernder Frauen wurden in einer Reihe grösserer Städte eingerichtet und gut besucht. Sie dienten neben der praktischen vor allem der seelischen und menschlichen Betreuung, für die der Frauenbund seiner ganzen Natur nach besonders geeignet ist. Dieses starke Anwachsen der Mitarbeit für die Auswanderung nach Uebersee hat jedoch der Palästina-Arbeit keine Kräfte entzogen. In Zusammenarbeit mit der Wizo wirkte man an der Ausrüstung der Chaluzim mit, beteiligte sich an der Schekelaktion und stellte der Kinder- und Jugendalija die Werbearbeit der Gruppen zur Verfügung. Neben der Jugendlichen-Auswanderung nach Amerika, die sich in jüngster Zeit auch auf Australien auszudehnen beginnt, hat von jeher das Auswanderer-Lehrgut Gross- Breese n die besondere Förderung des Frauenbundes gefunden. Der Geschäftsbericht stellt :;H#Mföt/ee AltfCATÖR1^ \Ä trs s i n^ä^g ute' Lederwaren UNSERE VERKAUFSGESCHÄFTE. Berlin, Tauentzienstraße 1(3 Essen,Adolf-Hitler-Strafiel8 Hamburg. Jungfernstieg 43 Bochum, KortnmstraSe 67 Köln a. Eb„ Hohestraße 115 Frankfurt a.M..Bo8marktl5 Essen. Limbeckstraße 10 Zentrale. Offenbach a, M. Wuppertal-Elberfeld. Herzogstraße 30 mit Befriedigung fest, dass sich die Mädchenausbildung in Gross-Breesen sowohl auf praktischem wie auf theoretischem Gebiete gut entwickelt habe. Es habe sich erwiesen, dass die Voraussetzungen der Gross-Breesener Erziehung — Auslese, Anerkennung besonderer Ansprüche der Jungen und Mädchen und eine überlegene pädagogische Leitung — das Gelingen einer Gemeinichaftsausbildung von weiblichen und männlichen Jugendlichen durchaus gewährleiste. Den weiblichen Ausbildungsstätten, die Mädchen und alleinstehende" Frauen vor allein in solchen Berufen ausbilden, die die Auswanderungsaussichten steigern, hat der Frauenbund. w?ie gewohnt, sein stärkstes Interesse zugewandt. Eine Anzahl dieser Stätten unterstehen unmittelbar seiner eigenen Leitung, andere fördert er durch Anregungen und Kritik. Bestand und Entwicklung der ureigensten Gebiete des Frauenbundes — Isenburgs, des Wyker Heims, der Elberfelder Kinderschutzzentrale und der Erholungsfürsorge — finden im Geschäftsbericht eingehende Erwähnung. Es wird ferner über die Gestaltung der inneren Organisationsarbeit und des Bundesorgans berichtet. Das gute Zusammenwirken mit den andern jüdischen Organisationen, unter denen der Jüdische Central-Verein mehrfach hervorgehoben wird, hat die Bundesarbeit auf allen Gebieten befruchtet und erleichtert. So wenig es für die Kenner der Frauenarbeit eines Geschäftsberichtes bedarf, um ihnen ihre. Notwendigkeit und Gediegenheit aufs neue deutlich zu machen, so ist es doch auch für sie wieder eine Freude, die Maren und warmherzigen Ausführungen zu sich sprechen zu lassen. Sie vertiefen die Ueberzeugung, dass der Jüdische Frauenbund im Gefüge . der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland einen unentbehrlichen Organismus wertvollen Eigengepräges darstellt. E. R.-J. Die Jüdische Jugendhilfe teilt mit: Sprechstunden in allen Fragen der Hachschara und Jugendalija für Jugendliche finden Montags bis Donnerstags 15^ bis IVA Uhr nach telephonischer Vereinbarung (95 55 56/57) Berlin-Charlottenburg 2, Kantstr. 158, II (Nebeneingang), statt. Zur Schulentlassung sind zwei Merkblätter der Jüdischen Jugendhilfe erschienen: „Der Weg zur Jugendalijah" und „Berufsausbildungsstätten für Jüdische JugendLicae".

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