Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 17 (1938)
- Issue
- 10 (10.3.1938)
- Date
- 1938-03-10
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 18 C.-V.-Zeitung Nr. 10 * 10. März 1933 bestand bis zum Jahre 1823. Im Jahre 1788 liess sich Wolf Heide n.h-e i m in Offenbach nieder. Er gab die grammatische Schrift „Mosnajim" des Abraham ibn Esra mit Kom- / Juwelier LodwsgSferaefz Nürnberger Str. 56 (neben Woolworth) mentar und Noten heraus. 1798 folgten Teile einer grossen Pentateuch-Ausgabe. : Das Folgende zum Schluss: die Statistik. 1910 zählte die Offenbacher Gemeinde 2361 Seelen und hielt sich bis 1913 auf diesem höchsten Stand in ihrer Geschichte. Im Jahre 1925 war die Seelenzahl infolge des Weltkrieges und der Abwanderung ausländischer Gemeindemitglieder bereits auf 1682 gesunken. Von .1933 (1403 Seelen) an setzte die Abwanderung in verstärktem Umfange ein. Im ersten Halbjahr 1937 erreichte sie den bisherigen Höhepunkt. Am 1. Juli zählte man 1016 Seelen, am 30. Oktober ergab eine Zählung nur noch einen Stand von 980 und am 31. Dezember von 966. Die Gesamtbevölkerung •Offenbachs hatte am 1. Juni 1937 79 296 Seelen betragen. Der Anteil der Juden belief sich zu diesem Zeitpunkt auf 1,28 Prozent. 1828 betrug der Anteil der Juden bei 848 Seelen 11,4 Prozent der Gesamtbevölkerung. 1871 bei 1003 Seelen .4,4 Prozent, 1905 bei 1764 Seelen 2,9 Prozent. Während also bei annähernd gleicher jüdischer Bevölkerungszahl der Anteil der Juden an der Gesamtbevölkerung 1871 4,4 Prozent betrug, war er am 1. Juli 1937 auf 1,28 Prozent gesunken. Seit 1933 belief sich die Abwanderung von ledigen Männern über 21 Jahren auf etwa 51 Prozent der Gesamtabwanderung. Im Durchschnitt der letzten fünf Jahre sind sechsmal soviel Offenbacher Gemeindemitglieder gestorben als geboren worden. 1937 standen 16 Sterbefällen kein Geburtenfall gegenüber. Ueber die Gemeindelasten gibt folgende üebersicht Aufschlus« L h 1 Zahl Anfznbring Steuern " der jüdisch, n. d. Staat 1.genehmigt, der Juden Steuerzahler Voranschlag 1905.. 1937.. 1080 EM. 15 760.— 350 RM. 61000- Am 1. Juli 1937 zählte man 417 Personen von mehr als 50 Jahren, und zwar 200 männliche und 217 weibliche, d. s. 41 Prozent der gesamten jüdischen Bevölkerung Orlenbachs. Am 31. Dezember 1937 waren 44 Prozent über 50 Jahre, darunter 20 Prozent über 70 Jahre. Unter ihnen sind 71 Menschen älter als 70 Jahre, und zwar 30 männliche und 41 weibliche. Uebrigens ist der Prozentsatz der über 50 Jahre alten im übrigen städtischen Bezirk des früheren Grossherzogtums Hessen etwa der gleich«, bei den Landgemeinden ist er noch höher. In den Städten Giessen, Mainz, Worms. Bingen, Darmstadt, Offenbach sind unter 5262 Seelen 2297 über '50 Jahre alt (also auch 41 Prozent), darunter beinahe 10 Prozent über 70 Jahre alt. Ueber die Alterszusammensetzung der Offenbacher Gemeinde am 1. Juli 1937 unterrichtet folgende üebersicht: Pers cnen männlich ■weiblich bis 13 Jahre............. 34 43 50 48 48 72 77 74 S4 170 176 30 41 Diese Zahlen sprechen eine lebendige Sprache, und die Gemeinde erlebt sie, wenn am Sabbat in der Synagoge die Auswandernden zur Thora aufgerufen werden und der Rabbiner in seinem Gebet die Worte spricht: „Sei mit denen, die aus unserer Mitte fortgehen, anderwärts neues Leben aufzubauen". An der jüdischen Gemeinde in Offenbach vollzieht sich das Schicksal, das viele der mittleren Gemeinden in Deutschland in diesen Jahren durchleben. Mecklenburg Kürzlich fand die Tagung der Israelitischen Landesgemeinde von Mecklenburg in Rostock statt, zu der die Delegierten und Mitglieder der Gemeinden zahlreich erschienen waren. Nach Begrüssung der Vertreter und der Mitglieder des ^Oberrats durch Rechtsanwalt M a r c u s berichtete der Vorsitzende des Oberrats, Direktor Max Samuel, Rostock, über die Jüdische Bücher W 52, Wormser Strasse 6 a, am Wittenbergplatz, Ruf 24 7022 <BEHHHÜD FUCHS durch Abwanderung und Abgang schwierig gewordene Lage der jüdischen Gemeinden in Mecklenburg." Die Zahl der selbständigen Gemeinden isf noch weiter zurückgegangen. Für das Landesrabbinat Mecklenburg erstattete Rabbiner Dr. Winter. Lübeck, eingehenden Bericht und gab über die Gottesdienste den Religionsunterricht, über das Gemeindeleben und die Jugendfürsorge in den einzelnen Gemeinden eine ausführliche Üebersicht. Die Fürsorgerin Anna Hertz berichtete über ihre ausgedehnte Tätigkeit, Edith Lindenb e r g über die Arbeit des Wohlfahrtsausschuß. Nach dem Dank des Vorsitzenden an die Referenten wurde der Rechnungsabschluss für 1937 genehmigt und der Voranschlag für 1938 bestätigt. Nachmittags fand die Aussprache statt. "Die Amtsdauer der Abgeordneten der Landesversammlung wurde auf ein weiteres Jahr verlängert. Ein sehr aufschlussreicher Vortrag des Vertreters des Hilfsvereins der Juden in Deutschland, Dr. Arnold H o r w i t z, Berlin, über die Auswanderung bildete den Abschluss der Tagung. Oberschlesien Am 11. März jährt sich der 100jährige Geburtstag des Amisgerichtsrats Eduard Lewy. In Dobrzyza in Posen geboren, hat er im jüdischen Gemeindeleben in Oberschlesien eine bedeutende Rolle gespielt. Er war Vorsitzender der Beuthener Synagogengemeinde, stellvertretender Präsident des unter seiner Mitwirkung begründeten Oberschlesischen Synagogenge- . meindeverbandes, Kurator des Jüdischen Waisenhauses in Rybriik, um nur einige der von ihm mit grosser Umsicht verwalteten Ehrenämter zu nennen. 1906 entriss ihn der Tod zu früh seinen vielen Pflichten. Seine Lebensgefährtin lebt hochbetagt in Beuthen, der Stätte seines Wirkens. # Das fortschreitende' Schwinden der kleinen Landgemeinden erweist eine Bekanntmachung des Öberrats der Israeliten Badens, wonach im Jahre 1937 insgesamt 15 Kleingemeinden in Baden mit Genehmigung des Staatsministeriums aufgelöst-worchn sind Stg. Jüdisches Leben - jüdischer Geist Berlin Im Jüdischen Lehrhaus sprach im Rahmen einer Vortragsreihe ..Jüdische Wesenszüge — an Lebensbildern dargestellt' Leo Hirsch über „Scholem Alechein — Von jüdischem Humor". Von den drei Punkten ausgehend: Was ist Humor? WTas ist jüdischer Humor? Worüber lachen die Menschen? entwarf der Redner ein Bild der verschiedenen Altersstufen des Lachens. Von der Stufe des primitiven Lachens, jenes Lachens, das uns der Zirkusclown mit seinen Spässen entlockt, steigt der Weg über die amerikanische Groteske hinweg in jene Regionen, wo der Mensch nicht mehr nur über das lacht, was anderen zustösst, sondern wo er frei genug ist, über das Ungemach zu lachen, das' ihn selber betrifft. Und so steigt auch Scholem Alechein zu den Höhen, wo ein Humor wirksam isf, der keine anderen Effekte braucht, als die Menschen einfach nur so darzustellen, wie sie nun einmal sind. Aehnlich wie Dickens verfügt Scholem Alechein über ein ungeheures Menschenarsenal, mit dem er. durch die Lupe seines niemals verletzenden Humors gesehen, seine Leser beschenkt, und ähnlich auch dem Dichter des ,,David Copperfield" sind es immer nur die Erwachsenen, die er lächerlich macht. Nie aber sind es die Kinder, denen sein ganzes Herz gehört. v.cT Arbeitsgemeinschaften: Kurt Sternberg: ..Gerechtigkeit und Vergeltung im biblischen Sehrifttum", Dienstags, 20.30 Lhr/Fasanenstrasse SO. Photo-Arbeitsgemeinschaft: Dienstags. 20 bis 22 Uhr, Marburger St ras?« 5, III. Auskünfte, Anmeldungen: Im Sekretariat. Marburger Strasse 5, Montau bis Donncrstasr, 10 "bis 13 und 16 bis 18 Uhr. * Als Einrichtung der von der Reiehsvertretung der Juden in Deutschland und dem Preussischen Landesverband jüdischer Gemeinden organisierten Lehrerfortbildung soll zu Beginn des neuen Schuljahres in Berlin ein einjähriger Naehmittagskumis •eröffnet werden, der Lehrern, die bereits ein pädagogisches Examen abgelegt haben, die für einen Werklehrer an Volksschulen nötigen Fähigkeiten und Kenntnisse vermitteln soll. Es kann nur eine beschränkte Teilnehmerzahl aufgenommen werden. Die Teilnehmergebühr betraut 5 RM monatlich. Meldungen sind an das Sekretariat der Jüdischen Lehrerbildungsanstalt, Berlin SW 19. Lindenstr. 43—50. zu richten. Breslau Auf einer Palästina-Kundgebung der Arbeitsgemeinschaft für die Jewish Agency, die unter Leitung von Arthur Fabisch stand, sprach Dr. Eva Reich mann-.Jungmann (Berlin) über. „Palästina heute". Im Rahmen eines Reiseberichtes betrachtete sie die Gegenwartslage Palästinas vom nichtzionistischen Standpunkt aus, wobei sie feststellte, sie hätte die beglückende Erkenntnis gewonnen, dass sich der jüdische Mensch dort mit dem Lande identisch fühle. Die Rednerin ging auf viele brennende Einzelprobleme ein und betonte abschliessend, Palästina bedeute nicht die Lösung der Judenfrage, wenn es auch die ganze Judenheit angehe. Palästina und Diaspora müssten den Blick aufeinander gerichtet durch die Geschichte gehen und sich wechselseitig befruchten. Nach der Vorführung des Films „Ein Tag — ein Werk" warb Dr. David S c h 1 o s s b e r g (Berlin) unter dem Motto: „Die Zukunft Palästinas — das Schicksal des jüdischen Volkes" für Palästina. Sclrvv. Hamburg In einer Veranstaltung der Franz-Ros e nzweig-Gedächtnis-Stiftung sprach Amtsgerichtsrat i. R. Otto May. Köln, als Gastredner über ..Hebräische Universität Jerusalem".- Hier werde die Erfahrung aus allen Kulturkreisen der Welt, aus allen Zentren der Wissenschaften durch das Medium der hebräischen Sprache neu erarbeitet. Nicht unmittelbar sei neue Kultur zu schaffen, Schöpferisches zu vollbringen; die Kultur werde sich langsam und organisch entwickeln. Die Forschung und die Lehre müsse so beschaffen sein,- dass sie nicht nur den Anforderungen, die die Juden Palästinas an sie stellen, sondern denen ganz Israel in der Diaspora entspricht. Der Jugend gewähre die Stätte die Möglichkeit der geistigen Entfaltung und gebe ihnen die charakterliche Prägung." Den. grossen Persönlichkeiten vieler Universitäten der Welt werde sie zur neuen geistigen Heimat. Allem, was hier geschaffen Averde. werde eine Prägung des jüdischen Wissenschaftlers gegeben. Die Arbeit dieser hebräischen Universität Jerusalem gehe durch das Prisma jüdischer Blickart hindurch, bevor sie den Weg in den Gemeinbesitz der Menschheit antrete. Zwei Tage nach Vollendung seines 75. Lebensjahres ist eine der geachtetsten Persönlichkeiten der Juden in Hamburg von uns gegangen: Hermann Philipp, der Vater der Franz-Rosenzweig-Gedächtnisstiftung. Seine jahrelange Arbeit für das Wohl der jüdischen Gemeinde in ihrem Vorstand, sein Einsatz besonders für die Jugend und die Pflege des Geistes; das jüdische Lehrhaus, das er gegründet und in väterlicher Treue umsorgt hat; seine reine, schlichte Menschlichkeit, wird ein ehrendes Andenken in aller Herzen finden. ,Die jüdische Welt um Spinoza" wurde von Dr. Fritz Bamberg er, Berlin, auf einem Kulturabend des Jüdischen Religionsverbandes, in einem anschaulichen und markanten Bild gezeichnet. Spinoza, den Philosophen, der aus einer jüdischen Welt emporsteigt, in der Art (nicht dem Inhalt!) seines Denkens und in der Art, wie er sich in die Zeit hineingestellt, galt es zu erforschen. So schilderte er die sephardische Welt, die Welt der vielfältigen nnd vielartigen Erscheinungen, die Fülle von Individualitäten, von Stimmungen; verfolgte das sephardische Judentum in seine neue Heimat, nach Amsterdam, und kennzeichnete hier das äussere und das innere, das geistige Leben: die Persönlichkeiten, die es hervorbrachte — ein Bild, das unübersichtlich erscheint, und dennoch bei aller Vielfalt Gesetz enthält — ein barockes Bild. Aus der Welt um Spinoza lernt man die Art des grossen Philosophen verstehen, die Haltung, die identisch mit der des sephardischen Judentums ist. Und noch ein Mehr. Zu dem Erbe des sephardischen Menschen tritt das des Marannentums, das ohne Zweifel auf seine Menschen einen bestimmten Einfluss ausgeübt hat. Dieses spüren wir nicht nur in Spinozas Umwelt, diese besondere Erkenntnis bahnt uns den Weg zum letzlich vollen Verständnis der Persönlichkeit Spinozas selbst. S. E. Karlsruhe Dr. Eduard Strauss (Frankfurt a. M.) sprach über den „Propheten Elijahu". Es wTar nicht ein Vortrag schlechthin, sondern eine packende Rede. Strauss ging davon aus, dass es in der Geschichte unseres jüdischen Volkes Ereignisse von so eigener Art gibt, dass die historiographische Methode der üblichen Geschichtsbetrachtung nicht darauf angewandt werden kann. Man muss zu den Quellen gehen. Dann wird man finden, dass sich die auf die Urgeschichte folgende mit dem zu Abraham gesprochenen „Lech lecho" beginnende Geschichte als eine Plan-Geschichte charakterisiert, in der sich der Urplan der Verheissung manifestiert. Als unter dem Königspaar Achab und Isebel der Baalskult in Israel Einführung und Duldung fand, brach mit dem Auftreten des Propheten Elijahu dieser Plan der jüdischen Geschichte in das Geschehen in Israel ein. Erstmals bezeugt sich hier der Urplan der Geschichte in der Gewalt eines Novi, eines Begeisterten, der von Gott her zum Menschen spricht und nicht, wie es der Priester tut, vom Menschen her zu Gott. Elijahu ist kein Zauberer. Er kann nur beten, um erhört zu werden. Wie einst Moses erlebt auch Elijahu die Erscheinung Gottes, aber im ..wallenden Schweigen". In ihm geht der Geist Gottes auf ihn über-und seitdem ist dieser Geist in den Kündern, die durch den Plan der Geschichte gegen die Könige gestellt sind. Wer aber einmal mit Gott gesprochen hat, -wird „entrückt". Man kennt die Grabstätte solcher Männer nicht; denn sie leben, immer bereit, zur Verwirklichung des durch die Verheissung gegebenen Plans der Geschichte in das Geschehen einzutreten. Stg. München In einem Zyklus des Lehrhauses mit dem Gesamtthema „Jüdische Existenz heute" deutete Paul Eppstein die Situation einer zahlen massig reduzierten Judenheit in Deutschland dahin, dass der ständige Verlust kräftiger Schichten einerseits und die fortschreitende staatswirtschaftlich bedingte Ausgliederung der Juden aus der Gesamtwirtschaft andererseits, die Notwendigkeit einer immer stärkeren sozialpolitischen Lenkung der privaten Initiative herbeiführe. Schon das Wissen um das Wagnis eines jüdischen Lebens bedeute eine würdige Bewältigung der Situation. Georg Lubineki machte die Spannungen und SchAvierigkeiten deutlich, die in der Frage der Berufsausbildung von 1933 und nachher zwischen den Anforderungen der Gesamtheit und dem beruflichen Streben des einzelnen sowie den immer mehr schrumpfenden Möglichkeiten der wirtschaftlichen Betätigung und sogar der Ausbildung bestehen. Neben der Berufsumschichtung für Palästina beanspruche auch der individualistische Weg in andere Länder die gleiche jüdische und menschliche Legitimität. Arthur Prinz unterzog an Hand einer Periodeneinteilung der jüdischen Auswanderung seit 1933 die Probleme der Wanderung sowohl in geographischer als auch in sachlicher Beziehung einer eingehenden Erörterung. Seit 1936 stünden die Ueberseeländer im Vordergrund des Interesses. Neben vielen praktischen Hinweisen fand die Bemerkung ihren Platz., dass auch diejenigen, die nach Üebereee gehen, in der Kräftigung zersplitterter jündischer Gemeinden eine wichtige jüdische Aufgabe zu erfüllen haben. Ca. Dem Programm des L e h r h a u s e s für die 2. Semesterhälfte entnehmen wir u. a.: Lehrkurse über geschichtliche Themen halten Rabbiner Finkelscherer, Ludwig Feuchtw a n g e r und A. Perlmutter; Rabbiner Wiesne r liest über die Mischna. Dr. Silberschmidt über Philosophie, Dr. Werner C a b n - m a nn über Orientpolitik, Studienrat S c h a a 1 - m a n n über Physik. Gemeinsam mit der Mittelstellc für jüdische Erwachsenenbildung werden Jugendführerknrse abgehalten, die unter der Leitung . von Karl Adler, Stuttgart, Hans Liebeschütz, Hamburg, und Hermann Gundersheim e r. Frankfurt a. M.. stehen. Kurse über Bibel- und Palästinakunde, für die englische, fran- - zösische und spanische Sprache, für Maschinenschreiben, Stenographie und Buchführung ergänzen das Programm nach der praktischen Seite. Stettin Am 16. und 17. Februar veranstaltete unter der Leitung von Dr. Fritz Bamberg er (Berlin) der Provinzialverband der Synagogengemeinde Pommern einen Fortbildungskursus der jüdischen Lehrer in Pommern, Mecklenburg, Grenzmark und Brandenburg. Dr. Fritz Bamberger referierte über Menasse ben Israel und seine Zeit, Oberkantor Kornitzer sprach über Fragen des synagogalen Gesangs. Der zweite Tag, der im Zeichen des Chamischa Assar Bschwat stand, war der Teilnahme an Unterricht und Feier der jüdischen Schule in Stettin gewidmet. In der darauffolgenden Jahresversammlung des Vereins der Lehrer Pommerns wurde dem scheidenden Rabbiner Richter für seine Tätigkeit im Interesse der Lehrerschaft gedankt. Wiesbaden Im Jüdischen Lehrhaus sprach Eduard Strauss, Frankfurt a. M., über „Martin Buber, der Erzieher" und führte u. a. aus: Martin Buber hat sich im Gange seiner Werke, aber mehr noch im Verlaufe seiner Tätigkeit als Dozent zum Schöpfer und Meister einer neuen Lehrmethode entwickelt: der dialogischen, in welcher Schüler und Lehrer in echter Zwiesprache die Lehre erarbeiten. Diese Methode ist die stärkste Verlebendigung des Lebrens, die wir heute kennen. In ihr ist der Gegensatz zwischen Leben und Lernen aufgehoben. Es gibt nicht mehr den lehrenden gegenüber dem wirkenden Menschen, sondern der lehrende Mensch wird selber der wirkende: er tritt aus aller Vereinzelung heraus in die Gemeinschaft. So entsteht Bildung im wahrsten Sinne, und Persönlichkeit innerhalb der Gemeinschaft wird zum Ziel erzieherischer Arbeit. An Martin Bubers Werken wurde dann sein Weg vom Mystisch-Religiösen zum Gemeinschaftlich-Wirklichen gezeigt. Bubers Verlältnis zu den religiösen Dokumenten konzentriert sich in einer neuen Beziehung zur Heiligen Schrift. In dieser Arbeit (mit Franz Rosenzweig) wird er zu dem lehrenden jüdischen Menschen dieser Tage. Bubers Wirken hat hier seinen Mittelpunkt, von welchem heute bereits sichtbare Wege des lebendigen Geistes in die Zukunft ausstrahlen. L. Gottesdienste in Kleinstgemeinden Der Preussische Landesverband jüdischer Gemeinden hat an die ihm angeschlossenen G emeinden unter 50 Seelen ein Rundschreiben gerichtet, in dem er darauf hinweist, dass in zahlreichen Gemeinden infolge der Wegzüge Schwierigkeiten hinsichtlich der Abhaltung der regelmässigen Sabbatgottesdienste entstanden sind. Der Preussische Landesverband übermittelt deshalb diesen Gemeinden eine Gottesdienstordnung für min janlose Gemeinden mit Vorschriften, die in solchen Fällen für die Abhaltung eines Gottesdienstes zu beachten sind. Diese Gottesdienstordnung ist vor einiger Zeit von der Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums, Frankfurt a. M., herausgegeben worden. Der Landesverband hofft, dass seine Anregung dazu führt, dass in den betreffenden Gemeinden mit dem Wegfall des Minjan nicht auch jeder Zusammenhalt in der Gemeinde verlorengeht und der gemeinsame Gottesdienst aufhört, sondern dass im gemeinsamen Gebet sich auch diese kleinsten Gemeinden als Glieder der Gesamtheit Israels fühlen werden. Gottesdienste in Berlin ■ ■■ Abkürzungen ■ ALTER RITUS: Grunewald G., Heidereutergasse H., Kaiserstr. K., Köpenick Kp., Münchener Str. M., Pestalo-zzistr. Pe., Rykestr. R,, Thielsch-üfer Tu. NEUER RITUS: Fasanenstr. Fa., Friedenstempel Fr., Levetzowstr. Le., Lindenstr. Li., Lützowstr. Lü., Oranienburger Str. O., Oranienburg Or., Prinzregentenstr. Pr., Schmargendorf Sm. REFORM: Johannisstr. Jh., Joachimsthaler Str. J. FALKENBERG - Synagogen: Kaiserstr.-= Ka., Kaiserdamm Kd., Prenzlauer Promenade Pz., Schönhauser Allee Sö., Triftstrasse T. Synagoge Fa. Fr. G H J Jh. K Ka. Kd. Kp. Le. Li. Lü. M O Or. Pe. Pr. Pz. R Sm. Sö. T Tu. Freitag, //. März Sonnabend, 12. März Sonntag (St.), 13. März Ansprache Ansprache Beginn bzw. Predigt Beginn bzw. Predigt 18 Braach 10 18 van der Zyl 10 18 9 18 9 18.30 Gottschalk — Wolff Vertreter 18 19.30 19.15 18 19 18 18 18 18 18 18 19.15 19.30 18 19 19.15 19.30 18 Oberländer Goctz Lewkowitz Warschauer Nussbaum Salier Hanff Friedländer 10.30 (St.)Rosenthal 9 Freier 10 9.45 10 10 10 9 Broch 10 9 Berkovits 10 20 Zimet 9 Nobel 10 10 9 Jakobovits WEITERE VEREINS - SYNAGOGEN: Albrechtstrasse 10 (Hermsdorf). 11.: 1S.30 (Klein): 12.: 10: 16.: 18.30. - Frankfurter Allee 56, 11.: IS: 12.: 9 (wochentags 7.30 und 19.30: sonntags 8). — Lothringenstrasse 22, 11.: 18: 12.: 10 (MeVer): 16.: 18 (Meyer). — Markgraf-AIbrecht-Strasse 11/12. 11.: 18; 12.: 7 und 9 (Amolski). 17.15 (Neubaus). — Prinzenallee 87, 11.: 18: 12.: 9 (Alexander): 16.: 18.30 (wochentags 7 und 18.15). - Schulsirasse 7. 11.: 18 'Adler): 12.: 9.30 und 15.30 (Jugendgottesdienst). — Stierstrasse 21, IL: 18: 12.: 9 und 18 (Winter): 16.: 18 (Winter). — Wilhelminenhofstrasse 1. 11.: 19.15; 16.: 19.15 (Loeb).