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Central-Verein-Zeitung · 1938-03-03 · 9 (3.3.1938) · page 11

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
17 (1938)
Issue
9 (3.3.1938)
Date
1938-03-03
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Romane des Lebens Domenico Barbaja — Jeanne Dubarry — Fernäo Maggelan Emii Lucka: Der Impresario. Herbert Reichner Verlag, Wien 1937. Der Oesterreicher Emil Lucka, ungemein produktiv und als Romancier, Lyriker, Kulturphilosoph, Essayist vielseitig bewährt, liefert mit seinem neuesten Werk einen reizvollen Beitrag zu der stattlichen Reihe der biographischen Romane, die den Dichter als Herrn über die Geschichte zeigen und in denen die Lebensbilder der dargestellten Persönlichkeiten aus einer eigenwilligen Synthese' von Wahrheit und Dichtung ihre nachträgliche Bestätigung erhalten. Luckas Impresario ist der bekannte Italiener Domenico Barbaja, ein seif made man von vitalster Prägung, der im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts die europäische Opernbühne beherrschte und vor allem in den Zentren der damaligen Opernkultur, in Neapel, Mailand und Wien "bei Königen und Fürsten, bei Dichtern und Komponisten, bei Sängern und Primadonnen ausserordentliches Ansehen genoss. Sein Leben führte in einer fast umyahrscheinüchen Kurve steil aufwärts: er begann als Kaffeekellner, wurde dann Tierbändiger in einem grossen Zirkus, pachtete Spielbanken, aus denen ihm unerni essliche Goldströme zuflössen, bis er sich als Unternehmer im San-Carlo-Theater in Neapel auftat der Bühne, die seinen Namen in alle Welt hinausgetragen hat. Barbajas bleibendes Verdienst ist, dass er denjungen Rossini „gemanaget" hat, den divino Malstro, den Helios" von Italien, wie ihn Heinrich Heine später nannte, und dass er die Verbreitung Rossinischer Opern durch glänzende Aufführungen förderte, zu denen der hemmungslose, von musikalischer Bildung unbeschwerte Ehrgeiz des geschäftsklugen, um Geldmittel niemals verlegenen Mannes die ersten Kräfte, wie die international« Berühmtheit einer Catalani, die — von Stendhal laut gepriesene — Spanierin Isabella Colbran, den leidenschaftlichen Tenor Salviucci, die jugendliche Koloratursängerin Abhatini und viele andere heranzuziehen wusste. An dieser bis heute lebendig gebliebenen Tradition rankt sich Luckas. Roman arabeskenbait empor — in Verschlingungen, die mit ebenen leichter Kand geknüpft wie gelöst werden, und auf einem politischen Hintergrund, auf dem so bedeutende Figuren wie König Ferdinand von Neapel, Lord Nelson, Josef Bonaparte, Joachim Mural, Fürst und Fürstin Metternich, nur als histor/sche Abbreviatiuren erscheinen. Und auch, in der Schilderung der. künstlerischen Welt, die den Hauptteil des'Buches füllt und seinen besonderen Reiz ausmacht, überwiegt das Abgekürzte, das" Episodische. Aber dennoch: wie singt und klingt es in diesem rasch vorüberziehenden Reigen berühmter Sänger und Sängerinnen, in Dur und auch in Moll; wie schwillt hier manches nur angeschlagene Motiv zur Tragik eines Lebensschicksals an! Zwischendurch die helldunkle Vision der Teufelsfratze Paganinis, der, dämonisch besessen, seine Variationen aui der G-Saite zum besten gibt und schliesslich mit der Altistin Parlamagni aui und davon geht; und als ein ruhender Punkt in der Flucht der Erscheinungen der weibliche Star des Barbajaschen Ensembles, die Colbran, erst Barbajas Geliebte, dann Rossinis Frau, eine melancholisch umschattete Gestalt mit der unerfüllten Sehnsucht eines kraft- und leidvollen Herzens. Hingegen ganz in Heiligkeit getaucht das Bild des gefeierten Rossini, des bequemen Geniessers und unverwüstlichen Gourmands, der zu jeder neuen Arbeit erst gedrängt werden muss, beim Vorspielen seiner Othello-Musik an das Erzeugnis seiner Kochkunst, die neuen Pasteten, denkt und den sauren Wein in Grinzing eccelentissimo findet. ' Vor solcher Farbenfreudigkeit verblassen in der personenreichen Komposition des Ganzen die Züge mancher anderen Gestalten, die als Randfiguren ohne Eigenleben bleiben (wie etwa Lord Byron oder zum Schluss Beethoven); aber offenbar war für den musischen Dichter dieses Romans nicht die ausschöpfende und zerlegende Einzelcharakteristik entscheidend, sondern die Aufrollung und Belichtung des Gesamtbildes, in dem sich ein glänzendes Stück gesellschaftlicher und musikalischer Kultur aus einer mehr als hundert Jahre zurückliegenden Vergangenheit in leuchtender Klarheit abspiegelt. Dr. Hugo Laehmanski. Erhard Breitner: Jeanne du Barry. E. P.Tal Sc Co., Wien 1938. Es ist kein Zufall, dass die berühmten Mätressen Ludwigs XV., Madame Pompadour und die Gräfin Dubarry, in unseren Tagen als Film- und Operettenheldinnen eine Auferstehung gefeiert haben. Das Schicksal von Frauen, die aus den unteren Volksschichten stammen und allein durch ihre Schönheit und ihre Liebesbeziehungen zu den Stufen des Thrones Frankreichs und auf die politische Bühne Europas steigen, trägt operettenhaften Charakter. Dieser Sphäre das "Bild der Dubarry entrissen und bis in das Tragische der Person gezeigt zu haben, ist das Verdienst der neuen Biographie. Seltsam, dass Jeanne Becu, die später durch eine Scheinheirat Gräfin du Barry wurde und von der eine Zeitlang europäische Entscheidungen abzuhängen schienen, immer nur das Werkzeug anderer war. Des gewerbsmässigen Kupplers, der sie mit dem König zusammenführte, um persönliche Vorteile zu erlangen; des Kanzlers Maupeau, der durch ihren Einfluss auf Ludwig den Minister Choiseul stürzte, um den Weg für seine Justizreform freizubekommen, einer Reform, die, hätte sie Ludwigs XV. Nacb> folger, Ludwig XVL, nicht widerrufen, nach dem Urteil heutiger Historiker nicht wenig zur Beruhigung der Geister und Befriedung des Volkes beigetragen und die in die Revolution mündende Entwicklung vielleicht in unblutigere. Bahnen gelenkt hätte. Aber Ludwig XVL handelte auf Betreiben "des Kreises seiner Gattin, und diese, Marie Antoinette, die Tochter der österreichischen Kaiserin Maria Theresia, verfolgte die Dubarry, das „Geschöpf", wie sie von ihr genannt wurde, und die Entscheidungen aus der Zeit ihrer Machtstellung mit brennendem Hass. Die Tragik der Personen und der Geschichte vollendet sich, als im Schatten der nahenden Revolution die beiden Frauen zu einer Versöhnung gelangen. Und als die Dubarry zum ersten Male aus eigenem Antrieb politisch aktiv wird, geschieht es unter Nichtachtung der Lebensgefahr für das Interesse des Thrones. Ihr Haupt fällt im gleichen Jahr wie das Marie Antoinettes unter der Guillotine. Eine Fülle lebensvoller Gestalten, Spieler und Figuren im Spiel, blendende Szenen der gesellschaftlichen Zustände, Milieuschilderungen, die sich bis auf die Einrichtung der Schlösser, ja einzelner Zimmer, erstrecken, und historische Treue weisen dem Buche Breitners seinen Platz unter den von Fachleuten und Laien anerkannten modernen Biographen zu. Ernst Reichmann. Stefan Zweig: Mageilan. Die Geschichte der ersten Weltumsegelung. Herbert Reichner Verlag, Wien 1938. In der Einleitung spricht Siefan Zweig von jenem Augenblick, der in ihm den Gedanken zu diesem seinem neuesten Buch erweckte: Der grosse Ozeandampfer trug ihn hinüber nach Südamerika. Da er dem Wiedersehen mit Freunden entgegenfieberte, erschien ihm diese Reise von noch nicht zwanzig Tagen endlos lang. Lang"? Vor seine Augen trat das Bild jener Männer und jener Nussschaien, die 400 Jahre zuvor auf gleicher Route fuhren, um die westliche Durchfahrt nach Indien zu erspähen, den Traum des Kolumbus zu verwirklichen, die Erde zu umrunden. So traf er auf die Gestalt des grossen Seefahrers, dessen Flotte drei Jahre, über 1000 Tage, das Meer durchsegelte. Uns Juden erschüttert heute weniger die leidvolle und leidwillig ertragene Abenteueriahrt als ihre Wirkung in unsere Zeit. Es zogen Menschen ins Ungewisse, um sich und ihre Auftraggeber zu bereichern, um grenzenlose Kontinente zu entdecken. Ein paar hundert Konquistadoren schufen die Grundlage für die Zukunft von Millionen. Aber unsere Generation, die sich aus zwingenden Gründen so gern dem Abenteuer anvertraute, die mit Radio und Kreiselkompass, mit Ozeanriesen und Flugzeugen ausziehen könnte, findet erschlossene und verschlossene Erdteile. Wenn die Juden Spaniens in ihrer Not den Weg nach Nordafrika und Westindien gingen, wenn die Juden des Ostens den Zug nach dem Westen antraten, wenn die Kinder Israels aus Aegypten nach. Palästina und Babylonien wanderten, so suchten sie aus ihrer Not einen Weg in geographisches und wirtschaftliches Neuland. Im Zeitalter der Entdeckungen wurde für Europa jene Tür in ihre Angeln gehoben und geöffnet, deren Schloss jetzt vor unseren Augen sich so schwer zu öffnen scheint. Die Welt ist wirklich weggegeben. Wie sie weggegeben wnurde, dafür ist Magellans friedliche Eroberungsfahrt und ihre heroische Geschichte ein Beispiel. Wenn wir die unruhvolle Gegenwart ausschalten und uns dem Zauber jener Epoche hingeben, in der die alte Welt aus ihrer Lethargie erwachte und . wissenschaftliche Dogmen von Jahrtausenden stürzte, folgen wir in atemloser Spannung dieser Odyssee. Sie begann am 20. September 1519 mit fünf Schiffen und einigen hundert Männern und sie endete am 8. September 1522 mit einer lecken, morschen, zerfetzten Karawelle und wenigen abgezehrten menschenunähnlichen Gestalten. Wiederum beschwört Stefan Zweig aus dem Meer der Ereignisse mit erstaunlicher Routine „Sternenstunden", die die Welt und in ihr die Menschheit veränderten: Die Meuterei in Port San Julian, die Desertion der San Antonio, die Entdeckung der Magellansstrasse, der sinnlose Tod Magellans, der Augenblick, in dem der Kreis der Erdumsegelung sich schliesst, die letzten Stunden vor der Heimkehr sind solche Höhepunkte. Das Janusgesicht des Schicksals, welches jenen, die durch Verräterei das Unternehmen sabotierten, den Lorbeer zuerkennt, und diese in sinnlose Vergessenheit versenkt, die eigenartige politische Konstellation, welche für Portugal der Anlass wurde, den heimatlosen Spanier Mageilan mit der Expedition zu betrauen, der Zusammenprall des Osten mit dem Westen — kurz, die Welt um die Wende des 15. Jahrhunderts wird auf knapp 400 Seiten ausserordentlich geistreich dargestellt. Es ist ein Tatsachenbericht, der zwar weit über dem Durchschnitt solcher Arbeiten steht, aber doch nicht bis zur letzten dichterischen Gestaltung des Stoffes durchdringt. Jene Einheit von Idee und Materie, die etwa aus Zweigs bekannten Essais sprach, ist nicht erreicht. Für ein Essai wird zu viel, für ein umfassendes historisches Bild zu wenig gesagt. Die Lust zu Jüdische BücHter W62, Wormser Strasse Sa, am Witienbsrgpiatz, Ruf 24 70 22 GEUM&WM FUCHS schlagwortartiger Formulierung, die dem Laien komplizierte Vorgänge nahebringt, und jenes stürmische Hindrängen zu den Höhepunkten haben es verhindert, dass ein grosser Roman oder eine vollendete Historie geschrieben wurde. Trotz dieser Einwände erschliesst das spannende Buch die Sicht auf eine Periode menschlicher Geschichte, die zu kennen wertvoll ist. Vielleicht ist sie nur mit unserem Jahrhundert zu vergleichen, in welchem die Eroberung der Technik in wenigen Jahren die Menschheit in einem Masse veränderte, zu dem einst Jahrtausende notwendig waren. Hans öppenhehner. Günther Dammann: Zauberkunst und Zauberkünstler. Verlag Friedrich Scheibe, Wien 1937. ' Von Günther Dammann, diesem Spezialberich terstatter über Zauberkunst und verwandte Gebiete, sind zwei Neuerscheinungen herausgekommen. „Zauberkunst und Zauberkünstler" nennt sich die erste. Harry Price von der Universität London, einer der grössten modernen Sachverständigen für Zauberkunst, hat Dammanns Buch ein Geleitwort mit aui den Weg gegeben. Jeder, der für die Zauberkunst Interesse besitzt, wird in dem kleinen Nachschlagewerk Dinge finden, die neu und fesselnd sind. Es orientiert ihn schnell und sicher über Menschen, Apparate und Bücher, die irgendwie mit der Magie und ihr geistesverwandten Wissenschaften in Verbindung stehen. Gibt es doch sogar an, welche gekrönten Häupter bis in unsere Zeit hinein Freude und Ablenkung darin fanden, sich etwas vorzaubern zu lassen. So durchgearbeitetes Material ist nicht nur für den Laien aufschlussreich, sondern von weit grösserer Wichtigkeit für den „Mann vom Bau". U. a. macht uns der Band „Zauberkunst und Zauberkünstler" mit der Tatsache bekannt, dass noch heute akademische Vorlesungen und Arbeitsgemeinschaften über Zauberkunst abgehalten werden. Die zweite Neuerscheinung, nur ein schmales Bändchen, liest sich spannnend wie ein Roman. „Meister der Zauberkunst" heisst sie, und bietet die Lebensgeschiehten der berühmtesten jüdischen Zauberkünstler. Packend wird z. B. die „Eroberung" der algerischen Häuptlinge durch den Zauberkünstler Robert Houdin geschildert, den Frankreich 1856 zur Wahrung seiner Belange nach Algier entsandte. Käte Wienskowitz Hundert Jahre Zunz-Bibel Von Dr. Immanuel Bernfeld Die kulturellen Bestrebungen der Juden in den ersten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts liessen auch das Bedürfnis nach einer neuen deutschen Bibelübersetzung wach werden. Seit dem Erscheinen der Mendelssohnsehen Uebersetzung war bereits ein halbes Jahrhundert verstrichen, währenddessen sich die geistige Situation der Juden in Deutschland weitgehend geändert hatte. Mendelssohn hatte, wie er in der Einleitung sagt, seine Pentateueh-Uebersetzung ursprünglich als Hilfsmittel für den Unterricht seiner Söhne in der heiligen Schrift gedacht. Da es ihm widerstrebte, seine Kinder die Bibel in der jüdisch-deutschen Mundart lernen zu lassen, wie es damals unter den Juden noch üblich war, übersetzte er die fünf Bücher Moses zunächst für seinen eigenen Bedarf in die reine deutsche Sprache. Erst auf Zureden eines Lehrers seiner Söhne Hess er sich bestimmen, seine Pentateueh-Uebersetzung der Allgemeinheit zugänglich zu machen. Sie war aber immer nur als Erklärung zum Originaltext gedacht; daher erschien sie in hebräischen Buchstaben neben dem hebräischen Text, begleitet von dem Raschikommentar und einer neuen Erklärung, ebenfalls in hebräischer Sprache, dem sogenannten Biur. Voran ging ihr eine von Mendelssohn verfasste hebräische Einleitung, die die Resultate der Bibelforschung dem jüdischen Publikum nahebringen sollte. * Diese Uebersetzung, die, "wie gesagt, nur den Pentateuch umfasste, erschien 1783; eine Ausgabe der Uebersetzung mit deutschen Lettern musste dagegen aus Mangel an Interesse in der Mitte abgebrochen werden. In der Folgezeit wurden auch die übrigen Bücher der Bibel von den Freunden und Sehü- Jern Mendelssohns in ähnlicher Weise ins Deutsche übersetzt, die dann in verschiedenen Ausgaben mit Mendelssohns Pentateueh-Uebersetzung zusammen herausgegeben und später auch in deutschen Buchstaben gedruckt wurden. Unterdessen hatte sich aber das Bedürfnis nach einer neuen einheitlichen Bibelübersetzung fühlbar gemacht, die ganz andere Aufgaben zu erfüllen hatte. Die Kenntnis der hebräischen Sprache war im Laufe der Zeit in Deutschland stark zurückgegangen, und so zeigte sich die Notwendigkeit, die Bibel den Lesern auch ohne Kenntnis des Hebräischen zugänglich zu machen. Bereits der 1819 gegründete Verein für Kultur und Wissenschaft der Juden hatte daher noch im Jahre 1823 eine Kommission zur Herausgabe einer Bibelübersetzung eingesetzt, der Zunz, der der Mitbegründer und einer der eifrigsten Mitglieder des Kulturvereins war, angehörte. Zunz hatte in einem eingehenden Gutachten die Notwendigkeit der Herausgabe einer neuen Bibelübersetzung dargelegt und die Einsetzung einer Kommission beantragt. Die Uebersetzung sollte von einer Anzahl Gelehrten unter Zugrundelegung der Massora erfolgen und „sich in ihrem Geist und Kolorit und selbst in der Konstruktion, soviel als möglich, dem Original anschliessend Die Kosten sollten durch Subskription und Aktien aufgebrach-J werden. Mit der Auflösung des. Kulturvereins ist auch dieses bemerkenswerte Projekt eingeschlafen. Die Idee wurde aber von anderer Seite aufgegriffen und zur Ausführung gebracht, nämlich von dem Verlagsbuchhändler M. Veit In seinem Verlag begann 1837 eine neue deutsche Bibelübersetzung zu erscheinen, deren Redaktion er Zunz übertragen hatte. Den Hauptteil der Uebersetzung lieferten M. Sachs und H. Arnheim, während J. Fürst diejenigen. Bücher der Bibel übersetzte, die zum Teil in aramäischer Sprache abgefasst sind. Von Zunz selbst stammt ausser der Redaktion des Ganzen die Uebersetzung der Bücher der Chronik; ausserdem lieferte er noch eine Zeittafel zur biblischen Geschichte, die seinerzeit viel Anklang fand und oftmals abgedruckt wurde. Im Jahre 1938 lag das ganze Werk vollendet vor. Diese Uebersetzung, die sich die vor fünfzehn Jahre von dem Kulturverein festgesetzten Grundsätze zu eigen gemacht hatte, kam den Ansprüchen der damaligen Zeit weitgehend entgegen, indem sie einerseits auch ohne Kenntnis des Hebräischen dem Leser den Inhalt der heiligen Schrift zu; gänglich machte, andererseits aber durch ihren möglichst engen Anschlus an den Urtext als Stütze für die Lektüre der hebräisehen Bibel gelten konnte. Dies erklärt wohl auch die grosse Beliebtheit, der sich die Zunz-Bibel in den hundert Jahren seit ihrem Erscheinen zu erfreuen hatte, obwohl gleichzeitig und nachher noch eine ganze Reihe anderer Uebersetzungen erschienen sind. Aus dem ursprünglichen Verlag von Veit & Co. in Berlin, der in den ersten zwanzig Jahren nach dem Erscheinen bis 185S sieben Auflagen herausbrachte, ging das Werk in den Verlag von Louis Gerschel, ebenfalls in Berlin, über, der in den zehn Jahren 1863—1873 noch drei Auflagen drucken Hess. Dann kam noch zu Lebzeiten von Zunz (1885) die Bibel in den Verlag L Kaufmann in Frankfurt a. M., der bis 1913 weitere sechs Auflagen erscheinen liess. Im Jahre 1935 brachte dann der Leo-Alterthum-Verlag in Berlin die siebzehnte Auflage heraus. Daneben haben auch andere Bibelwerke die Zunzsche Bibelübersetzung benutzt. So erschien in den Jahren 1842—47 in Fürth eine Ausgabe der Propheten und Hagiographen mit den traditionellen rabbinischen Kommentaren in hebräischer Sprache und der Zunzschen Uebersetzung. Auch wurde zuweilen diese Uebersetzung dem hebräischen Text beigebunden, um sie so anderen Uebersetzungen erfolgreicher an die Seite stellen zu können. Der englischen Pentateueh-Uebersetzung des Chief-Rabbi Hertz liegt ebenfalls die Zunzsche Uebersetzung zugrunde. Bei dem grossen Interesse, das neuerdings dem Erlernen der hebräischen Sprache wieder entgegengebracht wird und das sich auch auf das Studium der Bibel in der Ursprache erstreckt, dürfte die Zunzsche Bibelübersetzung vielen eine willkommene Gabe sein. Das Febraarhef t des 99Morgen66 Wer sich heute über das gesprochene oder geschriebene Wort so oft enttäuscht fühlt, der wird sich immer wieder über die Linie freuen, die der „Morgen" einhält. Die Mannigfaltigkeit der Themen bedeutet nicht ein ungeordnetes Nebeneinander, auch da wo keine redaktionelle Absicht eine Einheitlichkeit erzwingt, sie ist kein Klischee der Zeit, sondern sie findet innerhalb der Zeitschrift ihren kritischen Ort. In einer „Judentum für alle Tage" überschriebenen Einleitung unternimmt Hans Bach einen bemerkenswerten Versuch einer Analyse der bisherigen Antworten für den Beginn eines jüdischen Weges und versucht selbst eine Antwort. Auch derjenige, der nicht wie der Verfasser die Bewegung unserer Tage als einen „hoffnungsvollen Aufschwung" im religiösen Sinn gedeutet hat, die nun in „Enttäuschung und Gedrücktheit" verpufft sei, wird die Notwendigkeit seiner Fragestellung anerkennen. Das Judentum der Vergangenheit gab KE D Jüdischer Buchvertrieb Martin Salomon Bücher - Ritualien - Schallplatten BERLIN-CHARLOTTENBURG, DAHLMANN.STRASSE 8 RUF: 96,1141 VERSAND IN- UND AUSLAND

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