Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1938-01-20 · 3 (20.1.1938) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)

OCR text

19 entity mentions

gg. D-AS NEUE BUCH Biographien aas fünf Jahrhunderten Max Brod: Franz Kafka, Erinnerungen und Dokumente. Verlag Heinrich Mescy Sohn, Prag 1937. Die Biographie Franz Kafkas, die der Nachlas Verwalter tmd Herausgeber Gesammelter Werke Kafkas vorlegt, ist geschrieben aus der Perspektive des Freundes, der in der Wiedergabe seiner Erinnerungen an innig vertrauten Umgang ein Stück eigener Biographie mitberichtet. Sie hat den Vorteil, aus der Nähe geschrieben und darum wirkliebe Biographie zu sein, die das wirkliche Leben Kafkas mit seinen Nöten. Zerquältheiten und Aufschwüngen plastisch nahebringt — nur aus der Nähe wirklichen Kennens lässt sich ja die lebendige Gestalt beschwören — und gleichzeitig ist es ihr grosser Nachteil, der irdischen Person zu nahe 2u sein. Denn — das wird nicht aus dem Willen zum Paradox, sondern der Wahrheit wegen gesagt — das wirklich Bedeutungsvolle an Kafka ist gar nicht seine Biographie, sondern das M e t a biographische, das. was durch die Person — durch Leben und Werk hindurch — transparent wird. Das aber kann vielleicht nur der Betrachter aus der Ferne sehen, der .durch genaue Kenntnis der empirischen Person an der Sicht des Wesentlichen gehindert werden kann. Damit ist gesagt, dass gegen Brod kein Vorwurf dieserhalb zu erbeben ist; im Gegenteil wollen wir dankbar sein, dass dieses Freundesdenkmal — das ist sein Buch — Erinnerungen tatsachenhafter Art festgehalten und gestaltet hat, die erst den persönlichen Hintergrund Kafkascher Dichtung wesenhaft zur Aufheilung bringen, ohne die auch die Kunde von dem Dichter Kafka und seinem Werk fragmentarisch bleiben würde. — Aber leider hat Max Brod eine fatale Neigung, die den Wert auch dieser Biographie herabmindern muss: Immer wieder versucht er, Kafkas Meinungen und Gedanken unter das Schema seiner Weltansicht zu bringen und etwa in die Kategorien von „edlem" und „unedlem" Unglück — die etwas zu einfachen Grundbegriffe seiner Lebensphilosophie — hineinzupressen. Darum wird Kafka in dieser Darstellung sehr oft „verbrodet". Zum 3eispiei wird die Frage aufgeworfen, ob Kafka in seiner Haltung zu Gott, Welt und Menschen Optimist oder Pessimist gewesen sei — eine typische Frage Brodscher Perspektive, die der Gestalt Franz Kafkas gegenüber jedoch gänzlich fehlgeht. Selbstverständlich hat Kafka Aufschwünge gehabt und war Hoffnung ein Grundzucr seines Wesens, auch heitere Stunden, Vergnügtheit und Ausgelassensein hat er gekannt — so richtig das alles denen gegenüber festzustellen ist, die ihn mit Edgar Allan Poe verwechseln oder für einen Breughel der Dichtung halten, so wenig dringt es in die Dimensionen wesentlicher Tiefenschau vor. Brod will nämlich mit diesen Feststellungen seinen Freund vor den Massstäben dialektischer Theologie retten, mit denen ihn aber noch niemand hat messen wollen, und will ihn vor dem Verdikt „Dichter der tragischen Position" 2U sein beschützen, weil er dies mit einer Bezeichnung subjektiver Befindlichkeit (etwa eine Art seelischer Dauerdepression} verwechselt, da ihm dem Dichter — und als Dichter mit Recht — objektiv — geschichtliche Denkgehalte fernliegen. Das aber soll nur die Grenzen Brddseher Schau aufweisen. — Sein Buch, das übrigens hinter entstandene wissenschaftliche Aufsätze geschickt zusammengearbeitet hat, ist nicht nur pietätvolles Zeugnis für den toten Freund, sondern wird als unentbehrliche Materialquelle auch noch nach Jahrzehnten für den Literarhistoriker und Geistesgeschichtler von unschätzbarem Werte sein. Dieser aber wird seinerseits den Anspruch stellen müssen, Kafka aus seinen geschichtlichen Voraussetzungen heraus zu verstehen und besser zu verstehen als er sich selbst verstanden hat. Er wird ihm hinter Kieckeguard, Heidegger u. a. seinen Platz anweisen, in der Geschichte der Auflösung und des Zerfliessens unseres überkommenen abendländischen Menschenbildes ein Markstein zu sein. ^Zu diesem Zwecke wird er von seiner mythischen Denkstruktur auszugehen haben. Die oft symbolisch genannte — diese Bezeichnung ist nur halbrichtig — Form seiner Romane und Erzählungen lässt eine andere Art der Deutung als die der Deduktion von einein transzendierenden Prinzip gar nicht zu. — Nicht ohne Grund meint auch Franz Rosenzweig einmal, dass ihn Kafkas Romane, in denen doch von Gott-kein Wort vorkommt, so stark an die Bibel erinnern. Diese Anzeige wäre aber unvollständig, wenn sie nicht der von Max Brod trefflich herausgearbeiteten symptomatischen Bedeutung dieses Lebens für die jüdische Gegenwartskunde — oder besser für die Kenntnis der unmittelbaren jüdischen Vergangenheit — gedächte. Zunächst ist es einfach ein Stück Prager Stadtgeschichte, die das Buch wiedergibt Milieu, Umweltvoraussetzungen und atmosphärisches Kolorit jener einzigartig begabten Generation, die bald nach 1900 die Schulbänke verliess, zu der neben Brod und Kafka Franz Werfel, Felix Weltsch, Hugo Bergmann, Oskar Baum, Oskar Pollak, Willy Haas u. v. a. gehören, werden überraschend deutlich. Indirekt liefert das Buch den Beweis, dass eine Existenz wie Kafka in ihrer ganzen naturfernen Zerquältheit — daher die Sehnsucht nach „Natur" auch im Geistigen —, in ihrer ganzen Ungesundheit im Sinne einer geistigen Biologie nur in der Atmosphäre Prags gedeihen konnte. Zum Thema: Judentum in Prag und Prag als geistiges Verhängnis lässt sich vieles aus diesem Buche lernen. Wichtiger noch sind die typischen Aufschlüsse, die die Jugendentwicklung Kafkas für das jüdische Bürgertum der Prager Jahrhundertwende gibt. Brod gibt Schilderungen Kafkas über seine religiöse Erziehung wieder, die dieser in einem in vieler Hinsicht merkwürdigen Anklagebrief an seinen Vater gerichtet hat. Diese feile des Briefes sind für die Frage „Jüdische Religion in dieser Zeit" ein Quellendokument von hohem Rang, das recht viele Religionslehrer und Rabbiner lesen sollten. Auch sonst wird viel spezifisch Jüdisches deutlich, ohne das Kafka nicht zu verstehen ist und was Brod gut getan hat, herauszustellen. Vieles liesse sich noch hierzu sagen, was über den Rahmen eines Referates weit hinausgeht; nur soviel noch, dass die Konstruktion, Kafka für die zionistische Partei im Judentum zu reklamieren, besser unterblieben wäre. Wir schliessen mit einer der prägnant zugespitzten und doch zu klassischer Wortprägung gestalteten Formulierungen, an denen dieses bedeutende Buch nicht arm ist. Sie betrifft den Glauben Franz Kafkas: „Man könnte seine Bedeutung in den Satz fassen: Von allen Gläubigen ist er der illusionsfernste und unter allen, die ohne Illusion die Welt sehen, wie sie ist, der unerschütterlich Gläubigste gewesen." Hans Joachim Schoeps. Isaac Abravanel. Six Lectures edited by J. B. Trend and H. M. J. Loewe. Cambridge 1937. Der oOO. Geburtstag Isaac Abravanels hat überall in der Welt Veranlassung zu akademischen Feiern und wissenschaftlichen" Publikationen gegeben. Vornehmlich in Amerika — und hier wiederum ganz besonders in den ibro-amerikaschen Staaten — hat die Persönlichkeit Abravanels, des Historikers, Bibelexege'len, Philosophen, Politikers und rabbinischen Gelehrten ausserordentliches Interesse und grösste Aufmerksamkeit in allen Kreisen hervorgerufen. Als an der Spitze der zahlreichen Jubiläumsveranstaltungen stehend, verdient die Abravanel- Ausstellung der jüdischen Gemeinde in Berlin genannt zu werden, deren Katalog als wissenschaftliche und künstlerische Leistung im In- und Auslände grösste Anerkennung gefunden hat. Einen Beweis dafür finden wir in diesem soeben in England erschienenen Buche. Seine Abbildungen tragen sämtlich den Vermerk: „Reproduced from the Catalogne of the Abravanel Exhibition at the. Judisches Museum in Berlin." . Das Werk selbst ist eine Gemeinschaftsarbeit von sechs Gelehrten, die, jeder auf seinem besonderen Forschungsgebiete, Abravanels Persönlichkeit, sein Werk und seine Zeit, unter den verschiedensten Blickpunkten untersuchen und werten. M. G a s t e r s, des „Haham Emeritus" in der jüdischen Gemeinde zu Cambridge gehaltener Vortrag über Abravanels literarisches Schaffen wird — auch bei dem nicht genügend vorgebildetem Leser — Interesse erregen, ebenso wie Paul Goodmanns Abhandlung über Abravanel, den Diplomaten und Politiker, dem der Senat von Venedig seinen besonderen Dank für die Dienste abstattete, die er der Stadt durch Abschluss eines Staatsvertrages mit Portugal leistete. Das Bild, das I. G. Llubera, Professor des Spanischen an der Universität zu B e 1fast, von der historisch-politischen Lage Spaniens im 15. Jahrhundert zeichnet, <\ieni als Hintergrund für die Kenntnis von Abravanels Leben und Wirken und L. Rabinowitz gibt eine geistvolle Analyse der exegetischen Methode des Mannes, dessen Bibelkommentare „wahrscheinlich mehr christliche Uebersetzer beschäftigren5 als es die irgendwelcher anderer jüdischer Gelehrten taten." Ä. R. Milbiom, der Dozent am Kings College, schreibt über Leone Ebreo, Abravanels Sohn, und seinen Einfluss auf das Denken der Renaissance. Auch zwei Gelehrte, die früher in Deutschland gelebt und sich in der Wissenschaft des Judentums einen Namen gemacht haben, zählen zu den Mitarbeitern. H. Loewe in Tel-Aviv, der mit I. B.. Freud für die Herausgabe verantwortlich zeichnet, stellt die Persönlichkeit in die Zeit, und L. S t r a u s s, jetzt in Cambridge, untersucht Abravanels Gedanken über Monarchie und Demokratie, seine Abhängigkeiten und Abweichungen von Maimonides und die gedanklichen Verbindungen von ihm zu Plato und Aristoteles. ' Ernst Fraenkel. Emil Reich: Grillparzer» dramatische» Werk. Saturn-Verlag, Wien 1938. Wie Reichs in vielen Auflagen erschienenes Buch über Ibsen, so ist auch das vorliegende Werk über Grillparzer aus üniversitätsvorlesungen entstanden. Reichs Methode ist nicht, wie* üblich, die biographische; für ihn sind, wie es Grillparzer selbst einmal formuliert hat. Dichtungen gelöste Teilevom Leben des Poeten, die ihr eigenes Dasein führen, unabhängig: von dem des Erzeugers. Was die Darstellung auf diese Weise an individuell-menschlichen Zügen verliert, gewinnt sie an Sinndeutun?, an Charakteristik und Zergliederung des Gesamtwerkes, bei dessen Betrachtung freilich kein noch so rigoroser Dualismus an einzelnen Lebensvorgängen achtlos vorübergehen kann. So vermag auch Reich die Jugend des Dichters in ihrem düsteren Schattenspiel von Ererbtem und Erlebtem als fortzeugende. Macht aus dem Bereich seiner dramatischen Poesie nicht auszuschalten, und mit Recht findet er schon in Grillparzers frühem Drama, der wie von einem verhängnisvollen Famiiienfluch belasteten „Ahnfrau" — in der als einer der ersten Ludwig Börne den „herrlichen und geistreichen Dichter" aufspürte — den Niederschlag eigener, bitterer Lebenserfahrung. Und auch sonst ergeben sich für Reich, trotz seiner grundsätzlichen Auffassung vom „objektiven" Wesen des Dramatikers. Spiegelungen äusserer oder innerer Erlebnisse des Dichters in seinen Gestalten — vielleicht am sinnfälligsten in der Figur des Königs Alfons („Jüdin von Toledo"), der freilich ohne das beängstigend nahe Vorbild des unstet zwischen den Empfindungen schwankenden, nie erfüllten Liebeslebens seines Schöpfers kaum zu denken ist, Reich erblickt in der „Jüdin von Toledo", dem meistgespielten, psychologisch interessantesten der Grillparzerschen Dramen — einem vorgeahnten Strindberg — eine Art Erziehungsdrama, in dem höhere, ethische Kräfte den vom rechten Wege Abgeirrten zu besonnener Pflichterfüllung zurückführen. Eine ähnlich ideale Zielsetzung schwebt ihm auch für die Vollendung des stofflich verwandten Esther-Fragments vor. Im Gegensatz zu der landläufigen Meinung glaubt Reich auf Grund von rekonstruierten Gesprächen annehmen zu dürfen, dass dies Fragment, das auch in seiner unvollendeten Gestalt immer wieder Bewunderung weckt, nicht .'n einem allgemeinen grässlichen Blutbad hätte enden sollen, in dem auch Esther versunken wäre, sondern schliesslich als „Gewissensdrama menschlicher wie religiöser Duldung", also mit Nathan-Tendenzen, seine Krönung erfahren hätte — eine Hypothese, für die der Verfasser freilich keine überzeugenden Beweisgründe beizubringen vermag. Reichs eindringliche Ueberschau, die Grillparzer innerhalb der literarischen Gesamtentwicklung seinen Platz als einem „Vorfahren der Modernen" zuweist, hält sich, der Anlage und Absicht des Ganzen gemäss, nur an die fertigen Stücke des Oesterreichers — bis hin zu der gedankenvollen „Libussa" und dem politischen Bekennerdrama „Ein Bruderzwist in Habsburg"; die zahlreichen dramatischen Pläne und Entwürfe bleiben also ausserhalb näherer Betrachtung. Immerhin verdient es, in diesem Zusammenhang festgehalten zu werden, dass Grillparzer nicht nur den Esther-Stoff der Bibel entnommen hat, sondern dass ihn auch biblische Gestalten wie Saul, Samson, Boas und Ruth, die letzten Könige von Juda für eine Dramatisierung wiederholt beschäftigt haben. Dr. Hugo LachmanskL Judaica Lesehefte Vor drei Jahren begann der Schocken- V erlag im Auftrag der Reichsvertretung der Juden in Deutschland diese Schriftenreihe mit den Heften „Aus Midrasch und Agada" (R. und E. b e n G o r i o'n) und dem Auszug aus demMakkabäer-Buch „Der Freiheitskampf der Makkabäer" (J. G r a j e n) herauszugeben. Sie sollen in den Schulen, Bünden und Institutionen der Erwachsenenbildung dem fühlbaren Mangel an geeignetem und hauptsächlich auch billigen Lesestoff abhelfen. Insgesamt liegen heute bereits 22 Heite vor, die ihre Aufgabe in bester Weise erfüllen. Alle sind sie auf ihre Art Judentumskunde, jedes einzelne erschliesst dem Leser eine ihm neue Welt. „Das jüdische Jahr" (G. und J. Stern) wird nicht durch nüchterne Schilderungen des Brauchtums' sondern durch lebendige ^Berichte verschiedenster Erlebnisse gezeigt. „Ssukkot und Ssimchat Tora", ..Purim" und die „Omer-Zeit und Schawuot" (E. L. E h r - m a ri n) werden in ihrem Inhalt an den Quellenschriften der Bibel, des Talmud und des Midrasch erfasst und in ihrer Bedeutung für die jüdische Gegenwart erkannt. — „Das Leben des Rabbi Mosche ben Maimon" schildert mit Hilfe seiner Briefe I. Elbogen, aus Edmond Flegs „Salonion" sind französische Texte ausgewählt und von M. D e u t s c h k r o h n mit Anmerkungen versehen worden. Für Schulen besonders geeignet sind die Hefte, die gute Schullektüre bieten: Ausgewählte Schriften von Karl Emil Franzos (Jenny Radt), Leopold Kompert (E. Gut), Berthold Auerbach (E. Gut), Jakob Löwenberg (E. Löwenberg) und Israel Z a n g w i 11 s „Children of the Ghetto" (P. Aronsiein). In der Reihe „Das Judentum im Weltbild Europas" ist bisher nur „Das Judentum im Weltbild des Mittelalters" erschienen, dargestellt von A. Lescbnitzer und mit schönen Illustrationen versehen. In die G e - genwartskunde führen die Hefte „Das gesetzestreue Judentum" (J. K a r 1 e-b a c b) und „Liberales Judentum" (M. D i e n e m a n n), die, im Aufbau gleich, leider zuweilen auch mit Inhalt so weitgehend parallel laufen, dass der letzte Unterschied zwischen Orthdoxie und Liberalismus nicht recht herausgearbeitet scheint „Speeches of British Statesmen on Judaism and Zionism" (herausgegeben von P. Aronstein) vereinigen nach einer Einleitung „England and the Bible" aus N. Sokolows „History of Zionism" Reden von Thomas Babington Macaulay, Arthur James Balfour und David Lloyd George. — J. Radt hat zwei besonders instruktive Hefte „Die Juden in Polen" und „Die Juden in New-York" zusammengestellt. Ein Bericht, „Der Kampf um die Berufsumschichtung" (B. Weiwys) liefert einen Beitrag zur jüngsten Geschichte der Juden in Deutschland. Alle Hefte sind in ansprechender Aufmachung mit instruktivem Literaturnachweis' erschienen. Sie werden durch ihre Preiswürdigkeit (die Preise bewegen sich zwischen 25 und 50 Rpf) einen grossen und dankbaren Leserkreis gewinnen. G. Friedländer Rudolf Melitz: Das ist unser Weg. Joachim Goldstein Verlag, Berlin 1937. Ein Buch von Hachschara und Umschichtung, das von den tausend neuen Eindrücken, kleinen Nöten und unerwarteten Freuden des Weges spricht, den in den letzten Jahren ein grosser Teil der Juden Deutschlands beschritten hat. Es wird in diesem Buch nichts beschönigt, nichts in günstigerem Licht gezeigt, als es zu verantworten wäre. Frisch und unbekümmert, aber doch verantwortungsvoll zeigen die Menschen ihren neuen Weg, und der Leser erkennt aus den zahlreichen Aufsätzen die Bedeutung, die die Hachschara-Zentren einerseits, Gross-Breesen andererseits im Leben der jüdischen Jugend gewonnen haben. Eben weil Rudolf Melitz als Herausgeber nicht bemüht war, die Aufsätze abzurunden, um ihren Wert als Selbstdarstellungen nicht zu nehmen, bleibt manche Frage, die hier gestellt wird, offen mit der man sich bei anderer Gelegenheit einmal wird beschäftigen müssen. G.F. Moritz Stern: Die Reichsrabbiner des 15. und 16. Jahrhunderts in Worms. Berlin 1937. In der Schriftenreihe „Die israelitische Bevölkerung der deutschen Städte" ist als Heft 7 die oben genannte Arbeit erschienen. Bisher waren von Moritz: Stern, dem Senior der jüdischen Historiker, Urkundenstudien über Ueberlingen'am Bodensee, Kiel, Nürnberg, Regensburg, Hall. Reutlingen und Ulm geschrieben worden. Dieses Heft bringt zur Geschichte der Juden in Worms drei Abhandlungen, die von den drei Reichsrabbinern Anselm von C ö 1 n, unter Kaiser Sigismund, Samuel, unter Karl V., und Jakob ben Chajim, unter Kaiser Ferdinand, handeln, Quellen und Urkunden über ihre tätige Mitwirkung bei der Besteuerung der Juden in Deutschland und ihr Schiedsrichteramt beleuchten und im Original mitteilen. Hoffen wir auf eine baldige Fortsetzung der Worms-Studien des unermüdlichen Forschers. J. Friedlaender. M. L. Bamberger: „Hess JisroeV*. Für das judische Haus. L. Sänger-Verlag, Frankfurt a. M. 1937. Das 1922 zuerst erschienene und lange Zeit vergriffene Buch wird, neu herausgegeben. Es enthält die wichtigsten Bestimmungen und Bräuche für das jüdische Haus. Schade ist, dass der Verlag nicht Gelegenheit genommen hat, diese wichtige Zusammenstellung etwas ansprechender, auszustatten. Allen zum jüdischen Brauchtum zurückkehrenden Menschen wird es eine wichtige Hilfe sein, obwohl es eine Begründung der Sitten und Bräuche, die vielen dieser Rückkehrer noch sehr fremd sein dürften, nicht enthält. Bräuche und häusliche Gebete für den Schabboss, die Wallfahrtsfeste, die hoben Feiertage, für Hochzeit, Brissmilo und die Auslösung des Erstgeborenen finden Berücksichtigung. Der Mondsegen schliesst die Sammlung ab. F. * Dubnow: Mein Leben. In Nr, 51 der C-V.¬ Zeitung vom 23. Dezember 1937 besprachen wir Simon Dubnows „Mein Leben". Durch ein Versehen wurde vergessen zu erwähnen, dass die Ueb-ersetzung von dem Herausgeber Dr. Elias Hurwicz und Dr. Bernhard Hirsehberg- Schrader stammt. * Am 17. September 1938 wird das „Comite de la cultare j u i v e" in Paris zum erstenmal einen Preis in Höhe von 300 Dollars für das beste in jiddischer Sprache geschriebene Drama oder die beste dem jüdischen Theater gewidmete Abhandlung verteilen. , Aus Zeitschriften „Aus der nahen Vergangenheit" (Vun noenten owar) heisst eine neue jiddische kulturhistorische Dreimonatsschrift, die, von Mosche Schalit redigiert, unter Mithilfe der Wilnaer historischethnographischen An-ski-Gesellschaft in Warschau erscheint. Es ist der erste Versuch einer Zeitschrift dieser Art. Das Programm des neuen Organs sieht vor: historische und besonders kulturhistorische Arbeiten vornehmlich aus dem vorigen Jahrhundert, unveröffentlichte Dokumente und Archivmaterialien, Memoiren, unveröffentlichte Briefe und Manuskripte bedeutender Autoren, Gemeindebücher, Tagebücher und Chroniken. Das erste, kürzlich erschienene Heft enthält Erinnerungen von Professor David Magid an „Wilnaer Maskilim vor 60 bis 65 Jahren", in erster Linie an H. K. Steinschneider, M. Straschum, Adam Kakohen und Samuel Joseph Fin; von Mosche Schalit über „Das Zensur-Exemplar von Liuetzkis Roman Das chassidische Jüngelu mit ArchiviuaterLalien; von A. J. Goldschmidt ,\Die Piakessim aus dem Archiv der historisch-ethnographischen Gesellschaft", darunter die Gemeindebücher von verschiedenen Wilnaer religiösen Vereinigungen, von andern polnischen und Posener Gemeinden (z. B. Waschen); eine zeitgenössische (1855)56) Darstellung der Wilnaer Rabbiner-Schule; ein hochinteressantes Romankapitel von Mendele Mocher Sforim, der es hebräisch geschrieben hatte und dann die jiddische Uebersetzung eines andern Wort für Wort durchkorrigiert: hier sieht man, wie. er korrigiert, hier gewinnt man Einblick in die Arbeitsweise des grössten jiddischen Dichters und Stilisten; Hirsch Abraraowitsch beginnt eine Darstellung „Verschwundene jüdische Berufe" mit einer Abhandlung über Fischereiwesen bei den Juden des Ostens; L. Rubinow schildert „Die jüdische Jugend Sddrasslands Ende des 19. Jahrhunderts", Dr. S. Weiss die Zeit der Czernowitzer Sprachkonferenz Nachman Meisel den „geschichtlichen Stoff in der jüdischen Literatur", und zwar bei der älteren Generation jiddischer Autoren wie Israel AxenfeJd, Salomo Ettinger, Eisik Meir Dik, Abraham Bär Gottlober und dann bei den Klassikern Mendele, Seholem Alejchem, Perez usw.: N. Weinig behandelt historische Motive im Volkslied; .nicht zuletzt muss die Lorrespondence von An-ski erwähnt werden. L. H= ITJIf JTlllITlIIJlIlIIJIlf IlJlfilllifiisiiiiiiiiifiijjif f ff jiIJIfIII1III|j Jifrirf|IiriIIf 3iJ71II JEir|TrjirfIiIIJlrjfrf/IS Mitgliedsbeiträge für den JüdischenCentral-Verein Landesverband Gross-Berlin auf Postscheckkonto Berlin: 115 501

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.