Kinderblatt
- Journal
- Kinderblatt
- Volume
- 1936
- Issue
- 7 (Fragment) (3.9.1936)
- Date
- 1936-09-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr, 7 5. Beilage der C.-V.-Zeitung 3. Septbr. 1936 Der Jpunkt von Jakobis ist der Jüngste der Jakobis' und der Kleinstes und das will viel, das heißt wenig genug heißen. denn die Jakobis. Vater, Mutter und sechs Kinder, sind so ivinzig. daß sie beinahe Unter dem Tisch spazierengehen könnten. Dafür ist sein Freund um so länger, und deshalb heißt er auch Niehörstdclauf. Der Ipnnkt und Niehörstduauf stehen ans^ der Straße.und die <r-traße ist still Und leer und rührt sich nicht vom, Fleck. weil es heiß und schwül ist. Bei Fkost ist es erst recht so. einer Straße ist jedes Lbetter als Ausrede für ihre Faulheit recht. Niehörstdnauf und der Jpunkt fillden das höchst langweilig. „Gs lnuß etwas geschehen-; sagt der Jpunkt. „so kann es tiid)f bleiben, sonst wachsen wir hier an cmd werden von der Welt nichts Besseres zu sehen bekommen als den Fischladen von Frau Kiemenklappe." „Recht hast du". -sagt Niehörstdnauf. der immer sehr langsam spricht, »veil die Worte einen so weiten Weg machen müssen, ehe sie ans dem langen Hals herauskommen. „Wir tverden die Hauser allf Näder stellen müssen, mein' ich", sagt er bedächtig weiter, und der Jpunkt schreit schnell: „Fein", weil es bei ihm viel rascher geht. Da holt Niehörstdllau> ans seiner Hosentasche nngefähr ztvei Tlltzend Räder und sehr viel Schrauben, der Jpunkt stürzt aus die Gas- . icungsrvlire. die die Straßenarb.eiter beim Buddeln ans der Hude geholt haben, teilt sie in Achsen ans und schraubt jedes Achsen ende ein Nad. ..So. d>is narre geschafft", sagt Niehörstdnauf. nimmt die. äogre aus die Schulter und geht zum nächstbesten Haus. Ter Jpunkt rollt ihm zwischen den Beinen vor. „Gut g'l es", sagt er. „daß die Leute schonalle'wegen der Hitze schlafen und gar nichts merken werden." Niehörstduauf lehnt sich an die linke Hanswand Mid drückt sie mit der rechten Schulter. Sie krächzt wie ein Nabe, und im Dachstnhl knarrt es. Dann hebt sich unten die Blauer von der brde weg. und hast du nicht gesehen, hat der Jpunkt ein Rad samt Achse hineingeschoben. Niehörstduauf stemmt l sich noch einmal mit Leibeskräften gegen die Blauer, und der Jpunkt schiebt die Achse so weit hinein, bis das andere :Kat> auch unter dem Haus steht. Das geht nun Hauswand für Hauswand. 'Niehörstdnauf rinnt der Schweiß von der Stirne, so sehr strengt er sich an. und nach einer guten Stunde steht, die ganze Straße aus.Rädern. Bon den Hausbewohnern ist Gott sei Tank niemand ausgemacht'; zwar hat das Schnarchen von Herrn Bode einmal viel lauter und erschrecklich geklungen. als sein-Haus bedenklich schief stauch aber nachher hat er sich wieder beruhigte denn-Herr Bode hatte gerade geträumt. er sitze in seinein Paddelboot mitten im Ozean, linb da hat die schiefe Lage, in der sich sein Bett befand, gerade gut dazu gepaßt. Stolz sehen sich die beiden ihr Werk an. Dann sagt der Jpunkt zu Niehörstdnauf: „Du darfst nicht länger sein mein .. Freund", und Niehörstduaus fragt ihn. wieso? „Weil du schon lang genug bist", lacht der Jpunkt. Vr macht diesen Witz nämlich zum dreihnndertnndsiebennndzwanzigsten Male und immer fällt Niehörstduaus daraus herein. Da will der Niehörstduauf dem Jpunkt Gine rnnterhanen, aber der Jpunkt ist unten, und die Hand von Niehörstdnauf ist oben, also fährt sie.gerade in einen Baumwipfel und wirft einen verschlafe- , neu Stieglitz aus seinem Nest. „Ich werde Sie wegen hitzlicher Ruhestörung anzeigen". fährt der Stieglitz auf und ist.sehr erbost. „Beruhigen Sie sich, Herr Stieglitz". sagt der Jpunkt. „das hat nicht Ihnen gegolten, nur mir. im übrigen ist es gut. daß Sie jetzt ausgemacht sind und nicht morgen, inorgen hätten Sie noch einen größeren Schreck gekriegt." „Wieso inorgenf" fährt der Stieglitz, der mittlerweil munter geworden ist ~ . _I und dann immer' furchtbar neugierig wird. fort. „Wieso morgen * (erzählen Sie rasch, dann will ich ineine Anzeige zllrnckhalten." „Blvrgen wird die Straße nicht mehr da sein, nur fahren nämlich gleich los., die Häuser steheci schon auf den Rädern. Niehörstduauf führt die linke Seite, ich die rechte Straßenseite." und wir nmchen Wettrennen." „Wettrennen".'wiederholt langsam, aber bestätigend Ni'ehörstduanf. der noch nicht daran gedacht hat. aber immer mit allem einverstandeli ist. was der Jpunkt vorschlägt. „Da mach ich mit", sagt kurz entschlossen der Stieglitz, „mein 'Raine ist Belutschistanskn. kurz und knapp." . So kommt es also, daß Niehörstduauf. der Jpunkt von Jakvbis mcd Belutsclnstanskh. der Stieglitz, in einer Konferenz den Start, den Weg Und das Fiel des Wettrennens der Straße überl-egerl. 'Weil. inpoischen' die Sonne, unter- 'gegangen-ist.'finden es die Drei am richtigsten. daß mau iniierhalb der nächsten halben Stunde lvsfährt. Belntschistanskh wird das Signal zum Starten geben, und der UÜeg wird nach Norden führen, in kühlere Gegeccden: Am besten gleich zum Nordpol. meint der Jpunkt. dann werden die Leute morgen beim Erwachen sich nur freuen, endlich ans der - Hitze rausgekommen zu sein. _ Jetzt iverden die Hausräder noch geölt, die. schrauben nachgeprüft. der Jpunkt setzt sich .auf das Dach des Kaufhauses. Biaier. hupt mit dem Schornstein. schaltet mit dem Blitzableiter.und gibt Gas mit einem Tritt auf die Regenrinne. Links auf dem Dachfirst der Apotheke macht.Riehörstduaus dasselbe, und Belutschistanskh fliegt mit Kraft gegen eine Bogenlampe, daß es-kracht >vie ein Böllerschuß, nnd das Signal zum Lvssahren ist.gegeben., ä . ä Sie biegen um die eigene Straßenecke icach links und fahren über den alten Marktplatz. Alles ruht, im tiefsten Schlummer, nur die alte Wetterfahne am Rathaus, die einen