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Central-Verein-Zeitung · 1936-08-27 · 35 (27.8.1936) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936)
Issue
35 (27.8.1936)
Date
1936-08-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XV. Jahrgang / Nr. 35 Berlin, 27. August 1936 Preis 10 Pfennig enfräl erein- ALLGEMEINE ZEITUNG DES JUDENTUMS Geschäftsstelle (Verlag, Scbriftleitung, Anzeigenannahme, Vertriebsabteilang): Berlin W 15, Emser Strasse 42.. Fernsprecher: J2 Oliva 8111—15. Telegrammadresse: Centralglaahen, Berlin. Postscheckkonto: Berlin <0844. .Die „C.-V.-Zeitung“ erscheint wöchentlich am Donnerstag. Redaktionsschluss: Dienstag. Bestellungen nimmt - jedes- Postamt % und* die Geschäftsstelle entgegen. Zustellung erfolgt durch. diel <jst. dry , die Gehuhren . durch den Postboten erhebt. — Bezugsgebiihren: Abonnement vierteljährlich 99 Rpf. (Ausland 2,öO; RM, umgerechnet in die Landeswährung) einschliesslich^ .Zustellgebühren. l;.iti/clnuminer 10' I»pf-' (Ausland 20 Kpf.)., Im Falle höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Rückvergütung der gezahlten Beträge. — Anzelgengebiihren: Preisliste 5 gültig. Die 12gespalteno Millimeter-/eile to. Kj»f.. .für >tellengemiehe 10 Rpf.. für Familienanzeigen 16 Rpf„ weitere ermässigte Grundpreise siehe Preisliste.. Einzelanzeigen .nur gegen Vorauszahlung. — Anzeigenschluss: Dienstag. Hatz- und mtenvorsehriftcij ohno \ eroinulictikeit. A. H. Die Geschichte und unser Schicksal Haben in unS Juden eine Empfindlichkeit entwickelt, die schon oft als vorsorglicher Mahner. und Ratgeber bei Entschlüssen des einzelnen nützlich geworden ist. Eine Gemeinschaft durchlebt eben nicht einen wechselvollen Gang durch oie Zeiten und Zonen, ohne daß in sie eine gefühlsmäßig gegründete Erfahrung einzöge.' Und die Existenz des Judentums nach, allem Geschehen beweist nichts anderes als die grundsätzliche Richtigkeit dessen, was wir an Wendepunkten getan haben. Dieser Feststellung widerspricht nicht die Tatsache, das; es uns Juden.sehr oft sehr schlecht ergangen ist, das; jüdische Menschen und jüdische Gruppenteile Im ersten Beiblattt Die andere Seite eines Schlag- Worts. Weltpolitische Perspektiven der Berufsumschichtung; von Df. Herbert Kahn Ausserdem die Beilagen: Wirtschaft der Woche. — Buch und Kunst. —-Palästina-Umschau. Sportblatt. — Schachecke . verloren gegangen sind, wobei der Verlust mitunter auch gewollt gewesen ist — seitens derer, die von sich aus dem Judentum die Treue '»-rachen und ihr Einzelschicksal von dem der jüdischen Geineinschaft eigensüchtig oder zweiflerisch losgelöst haben. Das Leben einer Gemeinschaft ist nur in gewissen Hinsichten die Summe von Einzelschicksalen, mitunter bleibt sie sogar in scheinbarem Widerspruch zu dem Schicksal ihrer Menschen lebenskräftig und geht ihren Weg scheinbar über sie hinweg. Wir Juden in Deutschland leben eng beieinander. Nur wenige halten sich, resigniert oder überheblich, vom Leben der Gemeinschaft fern. Wo wir zusammen sind, sprechen wir von unserem.Schicksal, unseren Sorgen und unseren Hoffnungen. Unzählige Themen sind uninteressant geworden. Es ist auch keinem zu verdenken, daß vor allem er sich selbst sehr ernst nimmt und versucht, in klärendem Ge- . . sprach mit Freunden Winke für die Richtung seiner eigenen Entschlüsse zu erhalten. Es geschieht aber leider nur selten, daß der Partner —nichtigen gleichen Wunsch hat. Und so geschieht es, daß sich die^ Empfindungen nicht, 'wie notwendig, an einem kühlen, distancierten.Nate ausrichten, sondern daß der eine . schließlich die gleichen Wege geht wie. der andere auch, und^ wie er selbst schon vorher entschlossen.war. . Tie jüdische Empfindlichkeit für Entwicklungen des einen kommt zu der des andern. Sie wird nicht ausgeglichen, sondern nur erhöht, ohne damit stärker und verläßlicher zu werden. Und nun reagiert sie auf Vermutungen, als ob sie schon Gewißheit wären und rechnet mit Entwicklungen, von denen kaum noch Andeutungen vorhanden sind. Die Vermutungen und die Befürchtungen summieren sich, vielleicht kommt in diesem oder jenem Fall eine nur aus dem Einzelsall zu erklärende Bestätigung — und flugs entsteht eine Allgemein. ' 'gultigkeit! während schon - der Emzetftrll—unreine Ausnahme war. Man verfälscht mit solchen Methoden den Lebensinstinkt unserer Gemeinschaft. Es ist fast so, wie bei jenen hochempfindlichen Apparaten, die von der Wissenschaft konstruiert worden sind, um Erdbeben anzuzeigen. Wenn sie nicht so ausgestellt sind, daß auch andere zufällige Unheilvoller Zirkel Streik - JEinwandcrnngssperre - Königliche Kommission - Streik. Jede Woche, die dahingeht, -scheint den Höhepunkt der palästinensischen Unruhen gebracht zu haben. Jede Woche,, die neu beginnt, schafft neue und schwerere Tatsachen. Ter Bürgermeister von Tel-Aviv, Dizengosf, macht sich zum 'Wortführer der Stimmung, die in der jüdischen Bevölkerung herrscht. In einem offenen Briese erklärt er, daß die englische Negierung das Land demoralisiere. Anarchie und 'Gesetzlosigkeit liervorgernsen und jegliche Autorität vernichtet habe. Das Land werde nicht vom Lberkommissar beherrscht, sondern von deni Obersten Arabischen Komitee und der arabischen Jugend ' und einem Niob von Räubern. Die Gesetzesverletzer feien die wahren Herrscherim Lande. Das Leben werde zu. einer wahren Hölle gemacht. Mit'leidenschaftlicher Bitterkeit fordert Tizengofs. England ans, endlich zuzngeben, daß seine Versprechungen und Verpflichtungen wertlos seien. Es solle die jüdische Einwanderung einstellen und an die Tore Palästinas schreiben: „Laßt alle Hoffnung fahren, ihr Juden, die ihr in Palästina ' ein Z^Uche-s Nationälheini für euer Volk aufdam-ll wolMMetrÄSk-'-dieses Land nicht, denn ihr werdet in ihm nichts als Verdruß finden." Diztngosf schreibt weiter, daß eine wenn auch noch so schmerzliche aber schnelle Entscheidung den Juden erwünschter sei, als die Verzögerung, wo es doch scheine, als ob man nur formell mit der Einwandernngssperre..bis zum Abschluß der Arbeiten der Königlichen Kommission warten wolle. Kritik aus Genf Die Ereignisse haben nun auch in Völkerbundskreisen Echo geweckt. Tie ständige : Mand a t s k o in m i s si o n des Völkerbunds hat einen Bericht verfaßt, in dem die Hoffnung ausgesprochen wird, /-das; bei der Herbsttagung des Völkerbundes ein Bericht über bie Politischen Absichten der Maiidatsinacht in Palästina vorgelegt werde,, unabhängig davon, ob die .Königliche.Kommission ihr Votum-bereits abgegeben chabe oder nicht. Tie Mandatskommission weist dann darauf hin, daß der Völkerbund unabhängig von der Königlichen Kommission das Recht habe, Aufklärung über die palästinensischen Ereignisse zu verlangen. Tie Königliche Mission ginge den BDlkerbund nichts an.. Der Vizepräsident der Kommission, Lrts, macht warnend daraus aufmerksam, das; die Autorität des Völkerbundes durch die Art, wie sich England gegenüber der Kommission 'verhalte, aufs schärfste gefährdet werde. Lrts erklärte: Dieser Augenblick biete Gelegenheit zu bekräftig. i, das; Artikel 22 kein toter Buchstabe, das Mandatschstem keine Fiktion und die von der Mandatskommission geübte Aufsicht keine leere Formalität sei. ■ Der Vertreter Englands, der pnlästinenfische Generalstaatsanwalt Trusted erklärte, daß England gern die gewünschten Aufklärungen geben wolle — aber nicht in der Lage sei, "schön heute ein bestimmtes Datum mitznteilen! Empfänge beim High Commissioner v Folgende ITJ-Meldungen der letzten Tage liegen vor. die inan im Zusammenhang der Darstellung unseres vvrwöchentliche'n Leitartikels werfen möge: Jerusalem, 2t. August. Soeben ist bekannt geworden, das! Higb (nnn* misswner Sir Arthur Wanchope den Außenminister des Irak. Nuri Pascha Enaib, den transjordanischen Premierminister Ibrahim Pafeha Haschem, den..Kommandanten der transjordanischen Luftstreitkräsle, Pierce. den Chefsekreiär der Palästinaregiernng, '.John Hathvrn Hall, den Eeneralstaatsamvalt Trusted. das Mitglied des Rcgicrungssekretariats Nuchi Abdill Hadi und den Pressechef Tweedy zu. einer Beratung cingeladen ljat. ' - .Alan-ist allgemein der Meinung, daß der High Commissioner in dieser Besprechung versuchen wird, irgendeine Lösung des Palästinaproblems zu finden. Die Konferenz, der außerordentliche Bedeutung zugefchrieben wird, i.V, 'ersuch des High Commissioner angesehen, Mgiernngen des Irak und TraNsjordaniens zur Vermittlung in dem gegenwärtigen Konstilt zu bewegen.. Berlin, 21. August. Die Tageszeitungen veröffentlichen folgende Meldung des Deutschen Nachrichtenbüros aus Jerusalem: " Köllig Ghasi I. chatte dieser Tage zu einer Sondersitzung in Bagdad den irakischen Minister- Präsidenten, den Außenminister und den englischen Gesandten empfangen. Ghasi I. legte' dein englischen Gesandten dringend nahe, in'London, wegen einer beschleunigten Lösung.der Palästinafrage int arabischen Sinne vorstellig zu werden. Der irakische König wies darauf hin, daß eine derartige beschleunigte Lösung im Interesse der Auf. rechterhaltimg der guten Beziehnng zwischen den Arabern des Iraks und England notwendig sei. Jerusalem, 24. August. Tie hebräische Tageszeitung „Haarez" fordert! im Leitartikel ihrer heutigen Nummer, daß entweder der Präsident der Zionistischen Organisation, und der Jewish Agench, Tr. Chaim Weizmann, oder der Borsitzende der Executive, David Ben Gnrion, mit Rücksicht auf die in Jeruialem stattsindeuden.Verhandlungen mit ausländischen arabischen Staatsmännern, insbesondere int Hinblick aiif die b e v o^r st e he n d e An k n n st des Kr onpri n z e n Fei s a k von Saudi-Ärabieg, sofort nach Jerusalem zurückkehre. Jerusalem, 25. August. D« irakische Außenminister Nuri Pascha hat sich zu Besprechungen mit Emir Abd-iür nach Amman begehn. Die Resolutioneu der Jüdischen Nationalversammlung Tie außerordentliche Tagung der Jüdischen Nationalversammlung Palästinas hat eine Kommission gewählt, die Sir Wanchope eine Resolution von '! I Punkten übereieht hat. In ihr wird verlangt, daß diirel) Anwendung der seliärfsten Bt'illei die selnielle Wiederherstellung.. von Gesetz und Lrdiinng im Lande bewirkt iverde. Hierzu lvird die Erriilstiuig einer jüdischen militäriillieu Einlieit zur Unterstützung von Aiilltär und Polizei bvrgeschliiaeii. In dem nnbesriedelen Teil des Landes sollen Belaaeiiiugssiisland mtd Standreicht verhängt iverdeu. Tie Resolution. die noch zu einer lli'citzo aktuellen Eiinelpiiiikteii Stellung iiiiiiint. sällicsi! mit der Erklärung, schärfster Lpposikion gegen eine Suspendierung und jegliche Einstellung ' der Einwanderung im Znsaminen- Dnnii mit den Bochaiidluiigoii, die gegenwärtig mit den Arabern gesiilirt werden. Sir Arthur Wanchope erklärte, das; die Verkündung des Staiidreclstes mul) erwogen iverde. Im übrigen habe er volles Vertrauen zu den Tislril! .'soiiiwissaien. Auf die enizel- : neu 'Punkte der Resolution der Assefät Haniwrharim ging der High Eommissioner nicht ein, sondern antwortete nur iu B>'ing ans die Eiw tbaiideriiiig. das', er nicht in der Lüge fei, die Erklärnngen des Kolviiieiiministers . abznändern. Tie Königlsclie Kommission werds nickst eintresfen, bevor die Lrdnniig wiederhergestellt ist, ii>td die Frage der Einwandernng werde erst dann erörtert werden. Ter Empsaug der jüdischen Abordnung diirelj den Higl) Eviiimissiviicr war ungemein kühl. . ■' / Tie Stelliiiigiiahme des Lberkvininissars zur Elinvanderuugsfiage deckt sich mit ber seit Monaten bekannten Stellung der englischen lliegierung, .wie sie erst kürtzich erneut in der 'Antwort, des Kolonieiiiiiiiiiilers ans eine ihm von den Iiöheren arabischen Beamten der Püili'istiua-Berwaltiing nnterbreitelen. Denkscljrist Zinn An-.-druck kounnt. In ihr wird versichert^ daß/.nach!ltziederl)erstell>ing von 'iii 11e 11iid L rd>i>>iig ialastuia die llNögtul)-,. . keit einer Eiiisleltiing Der jüdischen Einwailde-- riing durch die llü'gieriiug erwogen werden wird. .In Begig auf die Besürchtuiigeu der Araber vor jüdisicher Borherrschast erklärt das Kolvnieiiinimsteriiiili. daß die Regierniig bie tttorinachtsteUiuig einer einzelnen Gemeinschast nicht zulassen werde. Blau siel)t: Ter Zirkel schließt sich: ohne Beendigung des tueneralstreils keiue-''Arbeit der Königlichen Komniissivu. Lhne Königliche Kommission leine Enlseheidiiiig über die Einwaiiderungssrage. Lhne. Entscheid'nng in der Eiiiwaiiderüiigssrage keine. Beendigung des Generalstreiks: Und es. wäre zum Lachen, wenn nicht Blut und Brand und Tränen dabei wären. Zwischen der >veltpolitisil,e>i Front des British Empire und der ivellpvlitischen Front der großarabischeii Bewegung liegt der schmale Streiieu. Paläsliu.a mit seinen vierhunderttanseiid jüdislljeii llsteiischeii. '(^s ist nicht der lisch' der Juden, zwischen diesen Fronten zu sein.- Sie wollen sti Palästina lebe», ohne dadurch eine der beiden Jislereiscnipliäreii durch ihre Arbeit und ihr Taseiii zu stören, vielleicht sogar beide zneinanderziiführeil. Erschütterungen sie unberührt lassen, kann es -geschehen, daß ein am Forschungshanse vorbeisahrendcr Lastzug Wirkungen'Hervorrust, wie ein vernichtendes Beben, in zehntausend Kilonietec Eichermirrgc-^Ter Läie riest entsetzt: Weltuntergang! während der Fachmann ärgerlich den Vlechanismus wieder zu ordnen begönne. Wenn der Laie den gleicl)en Vorgang in den ihm vertrauten Räumen seiner Wohnung erleb! hatte, in dem Milieu, dessen Eigenart er kennt, dann ' hätte das Klirren von Porzellan oder Gläsern im Schranke ihn allenfalls veranlaßt, aus dem Fenster zu sehen. Es wird, so will uns scheinen, in begreiilicher, abex nicht verständiger Unruhe über das. was kommt,- zuviel,über das Allgemeine geredet, ohne daß die nötige Kenntnis' der Zu-' sammenh'änge besteht — mjb dabei sehr oft manches Einzelschicksal zerredet, das günstiger hätte gestaltet werden können, wenn die Sachkenntnis der Gesprächspartner sich nur ihnen hertrauten Gegenständen zuaewandt hätte. Und es ist bestimmt kein Aberglaube, sondern eine bittere Erfahrungstatsache, daß man Entwicklungen „bernsen" kann, das; man sie herbeiredet, und daß.'indem man sich.gedanklich mit il,iieii abfindet.' die-Lebenskraft gegen das Kommende schon gcsichwunden ist, ehe es in die Cr,cheiiiung tritt. Aussprachxn ge si n ri 1111 g so e riv a ii d t c r und beireundeier Menschen können gut sein, wenn sie mit Bedachtsamleit und ^Sorgfalt geführt -werden. Wir sollten merken, das; wir weniger dazu da sind, uns iinjere Schmerzen alizuvertrauen, als die Kraft der Seele und des Herzens wechselseitig in uns zu wecken und wachzuhalten

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