Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936)
- Issue
- 33 (13.8.1936)
- Date
- 1936-08-13
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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furt vi. 4-!>,'>. — 1«'<* ‘.üicteiiX.'ciii’: I. Beiftmvuin " (RjH Lnilliiarl- 12 «neuer Ajg-:»ctvrd,; 2. Meyer <Ajg Tarmstadf a3.7; 3. Cunnt'ifn (Schild granf-. hrrt ci. I! 0. — öortönrimcu 1. Bergmann (’-Hir? 5tuttewrT> l,.'«); 2. rUu-Mäntrct «RjF Stuttgart) 1,30; 3. ,Qtr>rti'.iflum ,Frankfurt a. M.) 1.30..— 4:mal=UH):'.'.'icter; l. Llullgart 57.7; 2. Sri)ilb Frankfurt a. 2)'».' L5.7; 3.. Tarmstadt 61.6. Berlin Tennisklubkampf: TC Bar Kochba Berlin—-Bar Kochba Dresden . Am 9. Juli standen sich auf den Plätzen in der Leibnizstratze Mannschaften des Tennisklubs Bur- Kochba Berlin und des Bar KE'a Dresden in einem Klubkamni. 'geocn'.idcr. Nach schonen Kämpfen siegte die stärk eriatzgefchwachle Berliner > Bertretung mit 8 :5 Punkten, 18:11 Sätzen und 148 : 113 Spielen- In de» Spielen der ersten Herren gab es ivtgcnde. Ergebnisse: Moser «Berlin» schlug Iuliutzburger « Tresden) mit 6 : 2. 7 : ö; T a i i e r f Berlin! war gegen Steinhardt (Dresden) 6 : 2. 6 : -l eriolgreich, und Weist (Tresden) gab dem Berliner Waldmann mW 6:1, 6:3 daÄ 2tachscl)en. Nord Westdeutschland Sportfest in Minden!. W. Am?. August hielt die junge Mindener Sport, gruppe ihr erstes internes Sportfest 'ab. Bei schönstem Wetter traten 80 Jungen und Madel zu den leichtathletischen Wettkämpfen an. Es war . eine Freude mitanzuschcist was -die Jugendlichen 'in der kurzen Zeit von.kaum zwei Monaten regetiiiästigen Trainings gelernt haben. Ten Abschluß . der. wohlgelungenen Leranstaltung. bildeten ghni.. nast,slt)e Vorführungen für. Damen, Reck- und Barrenturnen für-Herren. , , Um die Erhaltung einer dauerhaften Gesundheit Maimonides über den Sport Bekanntlich finden sich in den Schriften des groben jüdisclien Religionsphilosophen des Mittelalters/Rtaiinonidts. einein Älanne . von universellem Wissen, der bei seinen Zeitgenossen als Mathematiker und Mediziner — er war u. a. der Leibarzt des berühmten Sultans Saladin — ein ebenso hohes Ansehen genoß wie als Gesetzeslehrer, an verschiedenen Stellen a u s f ü h r l i ch e h y - g i e n i s che Vorschriften, darunter insbesondere einige Abschnitte, in denen sich der Ramblim mit den Leibesübungen und ihrer Bedeutung als notwendiges Mittel zur Erhaltung einer dauerhasten Gesundheit befaßt. ' ..MaimonideS und der Sport" ist zwar als Bezeichnung ein Anachronismus, da, wie wir in der Notiz „Sport als Wort" in einer der letzten Nummern des Sportblatts der C.-V.-Zeitung mitteilen konnten, der Begriff „Sport", der aus dem—Englischen stammt, erst seit ein paar Jahrhunderten existiert —, insofern ist es aber doch richtig, von Aeußerungen des Maimonides über den Sport zu sprechen, als die Leibesübungen .die er, der Denker des Mittelalters, der seiner der Körperpflege abholden Zeit auch in dieser Hinsicht voraus ist, dringend empfiehlt, als Vorstufe zu dem angesehen werden können, was wir heute mit dem Sammelbegriff „Sport" bezeichnen. Die gesundheitsfördernde Bedeutung, die Maimonides den Leibesübungen beimißt, geht aus folgender, den „ A P h v. r i § nt e n " entnommener Stelle eindeutig hervor: ...Es gibt keinen für die , Leibesübungen ebenbürtigen Ersatz, sie erregen die natürliche Wärme und bringen die. Verdauung des Genossenen in btc_ richtige Regulierung. ■ Mag die Speise noch so schwer . . verdaulich, mag mal zu viel gegessen sein, die körperliche Uebung bringt alles zum Aus- : gleich; auch der Blutüberfüllung (die zu bekämpfen die> vielen im Mittelalter üblichen Aderlässe als Ersatz für die Leibesübungen vorgenommen wurden) wird, durch s die Leibesübungen vorgebeugt. Tie Ghmnasktk hebt den Schaden .so mancher übler Gewohnheiten . des Menschen auf." „ Die Aufforderung, die an allzu sportfanatische Blenfchen immer wieder von päd- . agogischer Seite ergebt,- nämlich" M aß zu halte n. nicht zu übertreiben, den Körper nicht zu überanstrengen, findet auch schon bei Aiaüuonides ihren Ausdruck, wenn er schreibt: „Aber nicht jede körperliche Uebung, obschwer oder leicht, ist eine Leibesübung. Die wahre Leibesübung, gleich, ob Schwer¬ oder Leichtgymnastik. soll die Atmungstätigkeit anregen. Ein Zuviel kann aber ein jeder auch nicht vertragen, darum ist es das beste, auch: hierin maßzuhalten, am besten eine bestimmte Gruppe von Uebungen systematisch zu trainieren, mit allmählicher Steigerung der Bewegungen . . . Töricht sind entschieden die, welche allzu starke Hebungen vornehmen, wie Steinwälzen und Gewichtheben. Nur eine mittelmäßig anstrengende Uebung ist eine wirkliche hygienische Leibesübung." ■ Gegen diejenigen — und es dürsten zu seiner Zeit nicht wenige gewesen sein —, die die körperlichen Uebungen als unnötige „Spielerei " änsahen, wendet er. sich in seinem religionsphilosophischen Hauptwerk, dem „More Newuchim", mit folgenden Worten; „So sind z. B. die Körperübungen nach ihren verschiedenen Arten ein notwendiges 'Mittel zur Erhaltung einer datierhaften Gesundheit nach dem Urteil jedes der Heilwissenschaft .Kundigen. .Wer daher körperliche Uebungen zur Erhaltung der Gesundheit anstellt, wie das B a l l s p i e l,;U i n gen . Fechte n. und Atem ü b u n - gen '«'gemeint sind Freiübungen), der wird zwar in den Augen der Unvernünftigen nur eine Spielerei, betreiben: die Bernünfügen werden sie aber nicht dafür halten , Für Maimonides ist aber der Sport - ■ Und hier zeigt sich am deutlichsten seine „mode r n e" E i n st e.l l u n g. — nicht nur , eine Sache der körperlichen Ertüchtigung. Er, erkennt, daß durch ihn vor allem das s e e l i ° s ch e .Gleichgewicht gestärkt werden, kann. Er. der Geistige,, schätzt den: Sport als eine Möglichkeit der seelischen und geistigen. Entspannung. „Als eine wichtige Bedingung " hygienisch' vollwertiger. Gymnastik," äußert er ist den „Aphorismen", „kommt dazu die seelische Lust bei derselben. Ter Sport erfreut das Gemüt und hält es fern von melancholischen Anwandlungen. Es soll überhaupt bei jeder Leibesübung mehr auf das seelische Bergüngen als aus die Intensität der körperlichen Anstrengung geachtet werden. Man bevorzuge daher Uebungen in Form eines Spieles." Im „More newuchim" empfiehlt er besonders die verschiedenen Formen deH Ballspiels: „Tie beste Spielübung für diesen Zweck ist das Ballwersen von Hand zu Hand. Das Ballspiel hat den besonderen Vorzug, daß sowohl alle Glieder zugleich, als auch jedes einzelne in Aktion tritt. Auch kann beim Ballspiel die Gymnastik selbst gesteigert und gemindert . werden. Endlich ist jede Gefahr und jeder Schrecken beim Spiel ausgeschlossen. Auch Greise sollen die körperliche Uebung nicht außer acht lassen; es ist falsch, wenn der Greis nur der Ruhe Pflegt." . U. 8—11. Jüdische Jugend im Alltag Palästinas 8. Fortsetzung Kibbuzisches Leben Der Yaad Ssidur Awoda hat es wirklich schwer. Regelmässig arbeiten sechs Mädchen bei ..Assis“, der FruchtsaFt- und Konservenfabrik. Von ihnen sind zwei erkrankt. Also müssen andere Chawerot für diese Aussenarbeit bestimmt werden. Der ,,Maehsan“ (Kleiderkammer) bat aber gerade für morgen zwölf Mädchen angefordert, weil am Freitag besonders viel zu tun ist und man endlich mit dem grossen Haufen Strümpfe. fertig werden will, die gestopft werden müssen. Trotz aller Bemühungen wird der Haufen nicht kleiner, sondern nach jeder Wäsche grösser. Dann hat man gestern noch für fünf Mädchen Arbeit bekommen: Zeitung austragen. In der Weberei der 2><e hfadesced j/eduual '! «tlff.... Bestellzettel: Senden Sie mir bis auf Widerruf die C.-V-Zeitung. 66 Pf. zuzüglich einer einmaligen Verspätungsgebühr von 20 Pf für Bestellungen, die nach dem 31. Juli eingehen, zahle ich für August-September bei Vorlage der Postquittung an den Briefträger. AujicSneiden und im Umschlag mit 3 Pf. fron- . Mer: .oder unfrankiert; »enden on: C-V.-Zeitung, Vertrieb, Berlin W 15, Emser Strasse 42 Kwuza ist auch keins der vier Mädchen entbehrlich, die dort arbeiten; die drei Mädchen, die in einzelnen Fabriken untergekommen sind, haben feste Arbeitsplätze. Was lässt sich also tun? Man muss Mädchen, die sonst Küchendienst, haben, in die Fabrik schicken. An ihrer Stelle werden. Jungen in der Küche arbeiten. Endlich ist man so weit: die Ssidur Awoda wird aufgehängt. Unter den Kopfleisten -der verschiedenen Arbeitsgebiete befindet sich eine Reihe von kleinen Schienen, in die die Kärtchen mit den Namen der betreffenden Chawerim 'einrubriziert werden. Im Laufe des Abends kommen die Chawerim noch einmal ins Chadar Ochel und sehen nach, wo sie arbeiten werden. Nacht " Gegen 10 Uhr leert sich der Saal. Man geht schlafen. In allen Zimmern brennen die Petroleumlampen. Durch die Vorhänge sieht man, dass einige noch am Tisch sitzen und Iwrit lernen oder ein Buch lesen; wo anders sieht man als Schattenspiel, wie einer ins Nachthemd steigt, hier und dort dreht, man die Lampe klein, wenn man schlafen will, aber noch nicht alle Bewohner im Zimmer oder Zelt sind, ein erstes Fenster wird dunkel, ein zweites, ein drittes. Die Kwuza schläft ein. Im Chadar Ochel wird die Lampe gleichfalls kleingestellt. Aber hier sitzt bis spät in die Nacht noch die Maskirut und hat zu tun. Um 11 Uhr wird es in der Küche lebendig, nachdem es vorher auch nicht ganz tot gewesen' war. Der und jener holte sich ein Stück Brot, einen Becher Tee oder sah nach, was sonst vielleicht an Essbarem noch übrig war. Nun beginnt der grosse Abwasch, das Vorbereiten des Frühstücks und das Fertigmachen des Essens, das die Aussenarbeiter, die schon ganz früh fort müssen, mitnehmen werden. Im Chadar Ochel ist es nun dunkel geworden, und die wenigen Mädchen in der angrenzenden Küche sprechen wenig. Die Stille wird ab und zu von dem Rascheln einer Ratte unterbrochen, die den kürzesten Weg zu den Vorräten, quer durch die Küche, nimmt, von Draussen kommt dann und wann das Geheul der Schakale, die in der Nähe herumstreichen und bemitleidenswerte Töne von sich geben, sonst ist es absolut still. ' ■ - _ . Der S c h o m e r L a j 1 a Der „Schomer Lajla“ (Nachtwächter) hat um 10 Uhr seinen Dienst angetreten. Zu seinen Obliegenheiten gehört auch das Wecken. Schon , gegen 11.Uhr hatte er die Mädchen vom ersten Küchendienst geweckt, die von 11 bis 6 Uhr'zu arbeiten haben. Am Schwarzen Brett im Chadar Ochel hängt die Weckliste, die er sorgfältig studiert. Wie ein Hotelportier merkt er sich die verschiedenen Zeiten und Personen. Das Wecken ist nicht so einfach: weil einer aufstehen muss, darf nicht das ganze Zimmer gestört werden. So kann er nicht "ein lautes ,,kumu!“ (Aufstehen!) ins Zimmer brüllen, sondern nur die Schlafenden vorsichtig wachrütteln und ihnen vielleicht die Lampe anstecken. Draussen wird es kühl. Der Schomer Lajla _^knöpft die—Lederjark«* 7.11 die er nicht angezogen, sondern einfach um die Schultern geworfen hat. zieht die Mütze tief ins Gesicht und vergräbt die Hände in den Taschen. Das Gewehr über der Schulter, geht er auf und ab und ist durchaus keine romantische Erscheinung. Später, wenn die Kwuza gesiedelt haben wird, wird ein „richtiger“ Schomer das Gelände abreiten, häufig ein Mann, der schon im Weltkrieg gekämpft hat, der Unruhen kennt; der 1929 „dabei“ war, der Arabisch versteht und nun Nacht für Nacht unterwegs ist, besonders aufmerksam in der Zeit der Ernte, damit nichts gestohlen wird, auf einem guten Pferd, um den Kopf ein Tuch, wie es die Araber tragen — ein Mensch, von dessen Geistesgegenwart viel abhängt, dessen Mut und Ruhe einer« ganzen Siedlung die Gewissheit gibt, dass man ruhig schlafen kann. Hier aber, auf dem kleinen Wohngelände, wachen abwechselnd Chawerim der Kwuza. „Kumu 1“ Die Mädels, die den „Dawar“ austragensollen, werden um viertel vier geweckt. Es ist noch völlig dunkel, aber unten auf der Strasse zieht schon eine Kamelkarawane nach Tel-Aviv, die „Sif-Sif“ (feinen Sand) von der Jarkonmündung, wo man ihn gewinnt, zu Baustellen bringen wird. Auf dem ersten Kamel wiegt ein alter Araber im Halbschlaf zusammengesunken auf und nieder, hinten reitet sein Junge. Damit kein Kamel verloren geht, sind sie untereinander verbunden: vom Schwanz des einen Kamels führt immer eine Leine zum Nasenring des nächsten. Leise bimmeln die Glöckchen der Tiere, ein Klang, der gerade vor ^Morgengrauen eigenartig durch die Luft weht. Eine Stunde später sind die drei Chawerim ’ an der Reihe, die nach Ludd fahren müssen, wo sie im Eisenbahndepot arbeiten. Sie waschen sich rasch, trinken etwas Tee null machen sich auf den Weg, das Nahrungspaket für den Tag unterm Arm. Sie arbeiten in Ludd unter Arabern. Der Kampf der jüdischen Ari beiter um Regierungsarbeit hat hier etwas Erfolg gehabt. Der Lohn ist gering. . Aber drei jüdische Arbeiter haben eine Existenzgrundlage. Arbeitszeit: von 7 bis 41A Uhr. Um 5 Uhr morgens gehen sie fort, um 6 Uhr abends sind sie frühestens zurück. Jetzt steht auch das Mädchen auf, das dem Jungen in der Bäckerei hilft. Die Bäckerei, früher gleichfalls der Schomer-Hazair-Grunpe gehörig, deren- Boden man jetzt übernommen hat, liegt unten in der Siedlung. Die Chawera muss einige Minuten gehen. Von der Siedlung fahren schon die ersten Autobusse zur Stadt. Man steht früh auf in Palästina. Um einhalb sechs wird der Eisenreifen, der die Glocke ersetzt, heftig angeschlagen: alle Aussenarbeiter müssen aufstehen, die in der Hilfswirtschaft arbeiten, können noch eine halbe Stunde länger schlafen. Unterdessen ist es sehr schnell hell geworden. Diese ersten Morgenstunden sind besonders schön: es ist noch kühl, und man wird rasch frisch. Die Aussenarbeiter gehen frühstücken: Tee, Brot, etwas Butter und die „Mana“: ein Stück Salzhering aus England, Leberpastete aus Holland, Büchsen bering aus Norwegen, Oelsprotten aus Riga, Lachs in Büchsen aus Japan, Sardinen aus Portugal (vielleicht mit Namen und Bild des ermordeten Arlosoroff als Markenzeichen auf der Büchse), Käse aus Holland, Corned Beef aus Brasilien — je nachdem. Viel gibt es davon nicht. Manchmal tut's auch eine grosse Tomate — „Tozeret Haarez“ (Landeserzeugnis) ~T— oder weieser Käser Im eigenen Gemüsegarten wachsen dazu Rettich und Radieschen, und ausserdam stehen grüne Oliven auf dem Tisch, der Schrecken der Ali ja aus. Deutschland. Wenn die Butter nicht mehr reicht, nimmt man „Schemen“ (Oel); das mit gebratenen Zwiebeln schmackhafter gemacht worden ist öder- Marmelade, je. nachdem aus Weintrauben, Orangen oder — Tomaten. Natürlich steht nicht diese ganze Speisekarte .auf einmal auf dem Tisch, aber verhungert ist noch niemand. Arbeitsbeginn Draussen ist der Maultierwagen zurückgekommen, der. die ersten Arbeiter zur Stadt gefahren hat. Nun finden die Arbeiter auf ihm Platz, die im Jaffaer Hafen als Lastträger arbeiten, Wie ihre Chawerim in Ludd unter Arabern, mit denen man ganz gut steht. Nochist der Leichterdienst, der die Fracht der auf“ Jaffa Reede ankernden Schiffe an Land bringt, rein arabisch. Auch hier wollen jüdische Poalim Dienst tun, und eine Kooperative hat sich gebildet, die den Versuch machen wird, mit einem Leichter diese Arbeitsmöglichkeit Juden zu erschliessen. Der Versuch kann nur gelingen, wenn die Araber einverstanden sind, die den'Juden alles zeigen müssen. Arbeitsbeginn in der Hilfswirtschaft ist um 7 Uhr. Der Schomer ist unterdessen schlafen, gegangen, die Chawerim und Chawerot haben ihre Arbeitsstellen aufgesucht — bei der Post, wo Leitungen verlegt werden, bei „Assis“, wo gerade Tomatenmark gewonnen wird, an vier Baustellen, in der Eisenfabrik, in der Schokoladenfabrik, in der eigenen Webwerkstätte, in einer Malerwerkstatt usw. Es ist nach dem Trubel der Stundendes Aufstehens wieder ruhig geworden. In der Tischlerei der Hilfswirtschaft werden die Balken für die Baracken, die die neue Alija aufnehmen soll, zugeschnitten, in der Schlosser- und Klempnerei arbeitet man an den Rohren für die künstliche Bewässerung des Bodens, den man neu bekommen hat und der intensiv mit Gemüse bebaut Werden soll — die Stadt ist ja ein aufnahmefähiger Markt. Zwei Mädchen sind einholen gegangen, fünf Mädchen arbeiten in der Waschküche, ein Junge flickt Schuhe, in der Küche wird das Essen vorbereitet, im Machsan werden Strümpfe gestopft und Blusen geplättet, mehrere Jungen legen die letzte Hand an den „Refet“ (Kuhstall), der genau nach Vorschrift aus Beton gegossen worden ist und vorerst sechs Kühe aufnehmen soll, die heute erwartet werden, im ,.Gan“ -(Garten) wird bewässert, ein Mädchen, das „Sariitanut'* hat (Reinigungsdienst) säubert Wasch- und Toilettenanlagen — niemand ist ‘müssig. Die Jungen lassen wie bulgarische Bauern ihre kurzen blauen Blusen über die Hosen fallen, so schwitzt man nicht so sehr — es ist nämlich langsam warm geworden -- und die Mädchen arbeiten in kurzen Sporthosen, wie ■ es für. sie am bequemsten ist. Eine ganze Reihe von Chawerim ist krank und arbeitet nicht. Die-einen plagt Durchfall, zwei quälen sich mit Gelbsucht herum, einige haben grosse Furunkel an unangenehmen Körpergegenden, der hat Fieber, jene hat sich überarbeitet; die beiden Mädchen, die die Pflege der Kranken besorgen, haben alle Hände voll zu tun, Wer nur leicht erkrankt ist, liegt in seinem Zimmer oder Zelt, die schwereren Fälle ziehen in die Krankenbaracke, und wer etwa schwer erkrankt ist, kommt sofort nach Jaffa ins Regierungskrankenhaus. Heute weise die Pflegerin bei einigen Leuten.nicht ganz genau, was ihnen-fehlt. Der Arzt wird später kommen, bis dahin kann aber schqn die Temperatur gemessen und der Urin, zur Untersuchung ins I.aboratoriuih gebracht werden, das die „Kupat Chelim“ (Krankenkasse) unten in der Siedlung eingerichtet hat Heinz Warschauer (Fortsetzung folgt.) I