Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936)
- Issue
- 30 (23.7.1936)
- Date
- 1936-07-23
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer 30 3. Beiblatt efer C.-V.-Zeitung 23. Juli 1936 Ferien zu Hause -Kitten in der Sonne cm? dein Balfou. Nie heiß das ist! Illid der Himmet sotiesölau, -mefit eine einzige Wwlfee Biel.aifders foinl er in Italien -iiud} niefit' aii-Mehen. Jort Iinlien fie seit einige» Üaflrn jo-nar, ludit^ mal io gutes Letter, schreibt DJitdiacL. ^Ld) ja. ich wollte chm doch lienle antworten. Id, weis; gar nicht recht, was id) schreiben soll. Tie beiten Freimde sind einem so ganz entrndt durch die große Entferiuiug. nicht mir räumlieli. Sie schreiben meist vollkommen anders, als inan erwartet hatte. Natürlieh, sie sollen sich die Zeit niefit mit Briese» kürzen, wo man ficf) bald alles wieder erzählen kann. Bald? Ihnen wird die Zeit sehr schnell vergehen in dem vielen Neuen, das sie erleben; mir wird es ziemlidi lang Vorkommen. habe ck.itte -Pläne,- nicht heute und - nicht .morgen -lindiil'eriiiorgeii auch mein.. Weuuesr.nächstens regnet, ivill ich wieder mal in--einige Aciiieeu - geheii. .hiälerien .aiisehen.- inid} - — so' ivre -ich das sruher lat. als ich diele Stadt noch ntriit fiinnte -- >>i die erste Bahn sehen, die gerade an der nadiiteii Valtestelle kommt, und damit bis zur Endttalio» fahren und dort sgazierengehen — überhaupt: Fremde spielen-. Tiefe Idee ist keineswegs originell, ich weis;. Aber idi glaube, das; die meisten von den Leuten, die sie bisher aiisgesprochen haben, mehr -darüber geredet als danach gehandelt haben: es gelivrtauch -eine ctonsehuenz dazu, seinen eigenen kleinen Träumereien treu zu sein, inenn-iie noch so -unwichtig - lind. Nein, gerade weil üe .unwichtig-, 'dir inen — wctni nnin. Ferie» inndven will. Fericn liabeu die Eigenschaft — lind-das in eine ihrer bene» dm; üidiis. -gar nictifs mnoichtig ält. : .- '.tztein ewiger Tptimismns? .Ja. '.Kidinet, der gellt soweit, dah ich-sogar behaupte.-.-euch Neisendeu die grohereu Moglidikeilen der Stille vorauszuhaben..und dah.ich mich darüber treue. Id, habe keine Sehn/udst/uacl} euch: ihr kommt ja wieder. Und dann wollen wir uns erzählen »n-d iehe», iver mehr zu erzählen hat. Hüde Marx „Wir sind wie die Feuerwehr“ Jüdische Hauspflege am Werk Reiche Erfahrung in Ausstattungen jeder Ausführung / Unverbindliche Beratung DORA APFEL Wäsche-Atelier Berlin W15,Kurfürstendamm 2TÖ,a.d.Uhlandstr. J1 6131 „Und wie geht es dir?" tragt Midiael. Was soll ich ihm .denn darauf antworten? Tie vielen Kleinigkeiten schildern, die sich im täglichen Leben hier ereignen. an denen er sonst selbstverständlichen Anteil hat? . Sie erheben zur Dichtigkeit einer schriftlichen Niitteilnug? Und anderes gibt es doch nicht.-Er wird in der Ferne vielleicht läicheln über mauches, was er hier durchaus ernst zu ilehmcn gewohnt ist. Soll ich ihm schreiben, das; es sehr still nur mich geworden ist, seit er und die vielen andern weg . sind, und das; mich diese Stille freut? Tas; id) mich in sie einiinfen lasse, das; ich sie trinke, wie etwas Neues. Betörendes? Tat; ich so auch verreist bin — aus .unserem-gewohnten Alltag? „Es tut mir so 'leid, das; du nicht all das viele Schöne miterlebeii kannst", steht in Michaels leidem Brief. Natürlich, - mir tut das auch leid, sehr sogar — aber mit Ferien hat e-s eigentlich nichts zu tun. Ferien: das in das Auftauchen aus dem Gewöhnlichen, das Hineingetriebeuwerden in irgendetwas Unbekanntes. das Alleiirsein und int Alleinsein Sicli-Erneuerii der Seele, deS Geistes, der Sinne, des Körpers. F-erieii - halten können: das ist keinp Frage der finanziellen Möglichkeiten. sondern eine Eharaltereigenschail. NUchael ivürde seht bestimmt sagen: „Tas ist wieder dein unverbesserlicher Tptimisiiws, der ans allem etwas Gutes machen kann, weint er es für nötig fiiidet." Jawohl, .lieber Freund, er findet eS für nötig; immer und in diesem Fall ganz besonders. -Mitten in der Sonne auf dem Balkon. Tas ist heule anders alS sonst, wenn sie alle da sind. Still. Ast es um mich, .und in mir. Bielleicht werde ich nachher ein bitzdien leien: vielleicht gehe ich schwimmen: vielleidik mache id) einen Spaziergang durch den Park: vielleicht bleibe ich and} hier liegen und tue-gar nichts und damit sehr viel. Man tut immer viel, wenn man selten gar-nichts tut. Ich Weint ein Mensch von einer Arbeit spricht, die ihm aus Herz gewachsen ist, dann braucht man nur gut zuzuhöreu. Tie meisten -Fragen, d.einan ursprünglich stellen wollte, werden beantwortet, ehe man üe aiisgesprochen hat. Dine eigene Mühe uiiischreitet man in Gedanken ein sorgsam besten .-.s Arb itsfeld und vergisst beinahe, wieviel Zeit und Kraft es gekostet haben mus;, den Boden aiizubaueii. So erging eS mir. als ich Emmi} Nosent h a l--g u c z v.ws k i gegenübersas;. um sie über die jüdische Hauspflege in Berlin „aüszufragen". Tas beabsichtigte Interview ivurde zu einem kleinen Bortrag. Frau Nosenlhal - Knezhiicki sprach lebhaft, eindringlich, durchdrungen — mit, der Sicherheit einer Frau, die ei» Werk der Wohlfahrt nicht nur ausgebaut hat, sondern es auch gegen Schwierigkeiten aller Art verteidigen wird. „Hanspflege", begann Frau Nofeiilhal- .hucziiuski. ,,ift vorübergehende Vtlie iin Hanslialt der Bedürftigen. Sie stellt sich zur 'Ber- -sügung, üvenii die .(mussrankrank oder abwesend ist. Prinzipiell also: Ersatz der Hausfrau durch Einsatz'einer Vauspflegerin. Aber — ivir sind, sage ich oft, 'wie die Feuerwehr. Wo wir gebraucht iverdeu, da'springk» wir .ein!" . „Also nirijt nur bei krankeii Hansfraiien?" frage ich: ' „Audi bei Wöchnerinueii", lautet die Antwort, . „daun bei .-alleinstehenden alte» Männern und Frauen, ferner bei Gelähmten, die sonst keine» Menschen--zur Hilfe haben. Ein führender Sozialpolitiker hat mir einmal zugegeben, daß die Haus- Pflege einer der allerivichtigste» Zweige der Wohlsahrtsarbeit ist. Erstens wirkt sie vorbeugend, und zweitens wären manche Menschen ganz verloren, wenn keine Vauspflegeri»-zu ihnen käme, kiüir beschädigen jetzt in Berlin 170 Za ns Pflegerinnen. Ein ganz vorzügliclieS Meiiicheninaterial haben wir uns allmählid} herangeholt! , Tie ZauSpflegeriiinen werdeii von uns in Eiumouatskurfen unter (eitung einer Aerztiu attsgebildet. Sie fernen die ein fächeren Handgriffe der Krankenuud Wochenpflege und werde» auf das EthoS ihrer Arbeit - hiugewieseu. Verschwiegen, a»> passungssäliig. sauber und vrdeullich »ins; eine Hauspflegeri» je:». Es ijt-feine leuhte und feine einfache Arbeit! Für innere jüdischen Hausps-legcrinueu istes sehr charakteri.suich. das; viele nach Ab'chlus; des gurses fragten: Konnleic wir nicht noch einen Kurs haben? -- Eines 'Nachts fiel mir ein, es »ins; doch jüdische Aerzte und Aerzti»- uen geben, die uns Helsen wiirden. Ich letzte-mich, mit der Wirlschailshilie der jüdiühen Aerzte bei der Genteiiide in Berbiiidung. lind eine Anzalil junger Aerzte und Z'lerzlinnen erklärten sich bereit, gegen Bezahlung in der Hanspflege z» arbeiten. Sie inaclien haupliäclilicl}.'Nachtwachen und pflegerische Arbeiten, wie Injektionen und Spiiluugeii. die eine Hanspslegerin nicht.machen darf. — Wir liaben »enerdiugs auch eine. Hilie für Tva sch tage eingerichlel. 'W-enn z. B. eine Haussrau durch eine Eiitbiudung oder ilrauklieil geschwächt ist itud die grvsie 'A>ä>.he-. nicht allein bewältigen kan», dann uelleii wir il>r einmal im Nc'ouat eine Wcischilau. A'atürlicli kommt dies wie alles .andere nur für Bedürilige iu Be 1 racht." ,.v\d) würde gern etwas über die Grüudung lind Srganisat-iou der jüdische.» Hauspflege erfahren'." ..Tie jüdische Haicspslege wurde im Herbü >!>.!.! -gegründet. Nlii der Stadl Berti» wurde damals ein 'Abkommen getros'en, nach dem diele uns die jüdischen ittzolilsahrlsempsänger. die Hauspilege brauchen, zuweist und uns die hoste» dafür ersetzt. Ei.» Teil unserer Schutzbefohleue» wird unS von den jüdi-fcheu Wohlfahrtsämter» überwiesen. Für diese Fälle wird nus vom jüdische» WohlfahrtSanit die Hälfte der Hauspilegefosten ersetzt.'. ..Iliid wie-iverdeu die sonstigen-Kosten'aufgebracht'?" . ..Ich schreibe uiiiinterbrodien Briefe", autwortet Frau Nvsenll,al-,Üne.zt,uski lädielud. ..aber: keine abgezogenen Briese, sondern immer persönlich gehaltene, üüir brauchen Gönner — das können Sie sich denke»!" ..Stellen Ihnen viele ehrenamtliche Hel'er zur Bers'ügung?" ' iclir grosi. Als ich neu 'Bc'r!>i^-ov Hauss lwnpimclilich mit - cinderie ücb iclioii I» A K I I \ IC 1. S S K K Seide u. Wolle für den vervyöhnten Geschmack .. >>> -XurtoMtondd.mm 195 .11 jBi.ymqrcki 797’ . DD H Jedon hroitaq Roili' u. Abuhni,ll«0;. ..Tie gesamte Bur.cp. gn-d ü.rciän-o'aii.'ir-.-arbc'i'f- - wird alis.s>lilichlich vpii elfte::.init 1;.heu Afra’:l'n'ö1'* inadit. . Tie - ineiüeii Am» nmeven Ta men .:vl'e:ien;: siiiif bis >ec!is- Tiundeu .äm Ta.g' vvon\ifut'.icti! Tas will wohl etwas beihen' 'W>>r liatn-n Nlelde» . stellen in den I'.' itcid.linhen 'h>oli.'a!ii!sl'e'grken.. Ta stellt das -Telej'honiuemäo:- >nll. T:e B.'el- ' dünge» koinmeii enliveder von e:neui 'A.'oM'alirts- ' rtiut oder von den Bednr'tigen 'e;t"t. Tann beifd es jedesmal, die geeignete hci'.i-o'legeriii aussilche». 'War liaben den Grnud'a.l: Er» ii'ic-d'mal .geliollen mid d.inn' geprm!. Zedernm': dann zahle», was er zalilen kann.' . „Sicher zeigt iicli auch bei Ilircr Arbeit die veränderte 'soziale Sclnclitung der Zuden in Berlin?" .- ..Za. die B-eranderuiig i't. vor dem gr'iege in der.cillaemei pflege arbeitete., hotien w:r e Arbeiterüimciieii' zu tim. Tnach der ZliNalion. - Ta kam 'blitlel.staiid lunzn. Heule i't e--' rn den beiden grosgeil 'Büc'Iil'.girt-l'egrlcm - iHiartc'üenbiirg und Wil'niersdors ganz überwiegend.der verarmte jndislhe''v,'it>e!>hii>d. der int-- bramln T'-e'e '>>lenfeiten können gerade nocli ci.n.-kc'iumem wenn alle geiund sind. 'AZird »nee die Zra>, krank, '"o entstehl euie perzweiielte Titu.iticm. leu-ndei.-- in kinder.reiclien Zcinnlicni. '»lan - >'a>g t>'!- limhlMe« icha'tsliitie. bll'er ieder i't m mit >ul> 'ell"i belastet. 'Nlan kann nglil verla!!>,e:: da'! >i.e >>,Ii ii-ocl> mit den Nachbarn fmnmrni. i!nd die Ziigend ielgl! Unsere.ganze jüdische Bh'ln'ati.rt-p'tecie imrd l>ald nur noch 'Altersp.'le-te 'ein - Tciiilier kminie..dc'ch satt immer eine, i oditer oder -'inlite oOee chmie-- gertocljter einipringen. ünd d:e je'lit ’'' ■ ..Zlire Ceiilnngen nnd gewig wm Zahr zii Zahr gestiegen." „Ganz, erlieblici,! Zm Z,-,l>re IN!'» Iial'e» sich ilusere Veittungen gegen, da - -Bors,ihr verdreitticlü. Statt 17 1111 Püegeünnden >n> re lull nmrdeir I \ :!M7 Stnnden n» ,'mlne le,'ö'iue!. Z»t Bconalsdurchschnitl nuiioen in i > > und Faun« lieu von uns betreut., darnni-er viele Tanerwllc: von Allen und S ieclieü. Zm Zlilire I"Imhen ime in Berlin einen BereUscha't -dienn miv die .lleiueil Gemeinden in der ''tzroviuz 'Braiident'iirg eivge« 'richtet.'-Man rn-'t öei mi--- <m. nnO ivir idmleU daun eine Hanspslegerin Inn,in-." Frau hcoseullial 'tne;nnili wird von andere» Seile dringend verlangt. '..''Bitte',. sagt sie;»>»- Sclilus; zn 'mir. ..iclireiben Sie liniere Adresse Ilinzii". Hier ist sie: Biirv der judi'cliicm'. Hans« . ptlege. Z.rau 'Bern ittl'ldl'erg. .'Bculin B.->iiiner-d07-. . Gieselerstr. Pott'clieck Uonto 'Berlin 'Ar. igu Frau. Ei»»»}, '.l.coieul.lial .'im »»i'ti. >ur ,ad:'che Hauspflege. IH-,l,- M.->, Die Schneidorin MOllClIStCli6T SChillCT DerSchnoiriep Berlin NW 6, Schiffbauerdamm 12 ., ä'.-' I Ii.’ Ar ,liiH! 21 Estherka Von Gusti Hecht , . Glaubt mir, cs.war die schönste Haud, die. die Fülle des Mantels raffend, den Arm vollendete. die die fünf Finger einzeln zn sanften Bogen spannte, ein helles, schimtnerndes, feingliederiges Geschöpf ans den dnnt'len Bahnen des Stoffes. -Unvewegliih lag die wunderbare Hand, und nnbeweglich stand auch die schlanke Bcädchengestalt vor den Torbogen der Hrakaner Synagoge in dein sclnneichelnden. zärtlichen Tänuuerlicht. das mit spielerischer Lust die Grenzen der Wirklichkeit anfznheben bestrebt" war. und Farbenhelle und Schatten gerade so übertnütig verteilte, daß der gemauerte Stein, lebendig wurde und die Bcädchetlgestalt ähnlich der gemeiszelten Figuren ivar, wiesie an den Ghonvänden einer Zfathedralc vor" den starren Säulen stehen. Gs war an einem Freitag abend, der Gottesdienst mußte gleich zu Ende sein, und mtf der Straße. ivar es still. Aus der Synagoge drang das gleichmäßige Gemurmel der - Gebete. Tas Bcädcheii war aus ihrer Stellung gerückt, die Hand hätte fester in den Stofs gegrisfen.' ivie aus einer Träumerei erwachend, um sich der Gegenwart zu benuneu. Ja. einfach und einleuchtend war diese - Gegeiuvart nicht und das Tämmerlicht hatte auch ihr anscheinend die Konturen verwischt, damit ne in dieser unverbindlichen Art zu keiner harten Wendung fähig! sei.. Vorläufig ' also stand Esther etwas verträumt und staunend vor der'Synagoge in Krakau, und es ivunderte sie. angesaugen von dem Srte. Ivo ne stand, .alles .gleicherina-ßen, ..Gegenwart und Bergangenheit. War nicht alles, staunenswert? Bis gestern hatte Esther noch in Lpoczno gewohnt, wurde Estherka gerufen und war die Tochter einesf Schneiders. Spoezno lag mitten auf dem Lande, cs war ein kleines-Torf. E'stherkas Bater nähte, für die Bauern die Joppen ans ranliem Stpff. Tie Flicken, die Estherka zum Spielen be.kam, schenkte sie iveiter, vielleicht aus angeborener Großzügigkeit, viel-?- leicht aber auch.'weil sic ihr nicl)i schön genug waren. Tenn Estherka wußte so"--ungefähr schon in Lpvczliv. was schön ist: sie mußte ja nur sieh'selbst init den andern Kindern ver-. gleichen, um darauf zu kvnuueu, daß il,re Augen leuelikender und ihr Haar glänzender war. als das der andern, sie-brauchte nur ilir Bild irgendwo int Spiegel anfzufangen, tun. zn wissen.Ivie. schön es. ist-, schön zu sein. Nun.- Schönheit ist. ein ofstziies Empfehlungsschreiben und. Schönheit schafft einem Bvrr'echte und eine Sonderstellung, auch in Opoczno. Estherka durfte lachen, wo es nichts zu lachen gab, und durfte weinen, wenn sie selbst ungezogen war: ja. Estherka durfte sich Launen und — das ivar der größte Bvrzug,. den sie genoß. — Estherka durfte sieh Sehnsucht leisten. Sehnsucht nach dem "Unbekannten., nach der Ferne, ein unruhiges Herz, wie es so bald keinem in Lpoczno-geziemte. Es'iväre niclsts leichter, als dieses Trängen und.Sehnen getvöhnlichen Ehrgeiz.nach.eittem besseren Leben ztt nennen, besonders, ivenn inan es im Hinblick auf das später erreichte Ziel überlegt, aber es hieße Estherkas LBillen lind Sicherheit überschätzen, wenn man il)t so eine Gewalt über das Schicksal zumutete. daß ne es bewußt in. diese und keine andern Bahnen zu lenken verstand. Nein, so weit reichte der Blick der schönen Schneiderstvehter nicht, ttnd als sie in der stillen Straße stand, war die Uebe.rraschung. fid) in dieser Situation zu finden, ein Beweis dafür, wie dunkel und planlos ihr Entschluß gewesen sein mag. kurzweg aus Lpoczno zu fliehen. . Krakau, das neh in der Nachmittagssonne dehnte und streckte, das da und dort verführerisch anfblitzte. war so herrlich, wie es Estherka sehen wollte, und es war vom ersten Augenblick vertraut und bekannt. So und nicht anders muußte Krakau lein, denn cs mitßt.e ja iiieht irgendwelclien ' Borstcllungen entsprechen, Estherka hatte keine gehabt. Ünd daß sie sieh l,ier nicht fremd'' fnliite, sondern glc.icl} heimisch war, gehörte auel) zu den?Ueberrascl)ungeu il}rer Lage. "Als sie das i'iberdäclite - - vH Estherka überdachte und betrachtete sieh oft mit leiser eitler BZolilgefälligkeit und Grüudlichkeit. - - schien il,r das als Yieelitfertigung ihres Handelns. und etivas überlegen läclielud. fiel ilir Lpoczno ein. in das sie, wie sic jetzt sicher wußte, niclll paßte. . In der Synagoge war der Gottesdienst zu Ende. Es öffnete siel} das, Tor. und an Esther -schritten seliwärzfeiexliche Blanner -vorbei. Sie stand noch immer reglos. da; aber die Falten ihres Mantels hatten sich gestrafft. fielen 'um die schlankeii Hüsten, vorivärtsivallend. daß Ne die federnde Bereitschaft der Beine, lvs- .zusehreiten,. al)nen ließet/ und der Kragen, der ivie ein'sanft ansteigendes Hügelland um N'acken ttnd Hals lagerte, liatte seinen grauen -geschwungetten Wulstschattennoch vertieft und erwärmt, um den Hintergrund zu dem feinen, kleinen Ge.siclit zu vervvllkvmmtten und uni das leise Zittern,, das es jetzt verriet.' au t zufangen. Biele der Ncänner, die an il)r vvrbeikamcii. fallen sie nicht, viele aber frappierte das 'Bcädi'lieu i„ der seltsamen Unbeweglichkeit so. daß üe-sich im Augenblick keine Frage einfallen ließen, sondern', möglicherweise' erst viel später die .Erscheinung mit der LL'irklidikeit in irgendeine Beziehung zu bringen versuchten. Ta mußte schon einer koiniiu'ii. der sich so batd nicht'verblüffen ließ, der geivöhnt ivar. die Gedanken-seinen'Herzschlägen niclit nachhinlen zu lasten, geivöhnt. mit den Augen zu ielien, die. - ivie Bvrpvsten im Gefeclü, Bceldung von dem Gesehenen den Nerven gebeir und Alarm zum Haiideln blasen, da mußte Lewko kommen. Lewlv. der Hofschatzmeister des Königs, um auf tyftficr zuzugehen und sie geradeaus zu fragen: „Wer -bist - du. Kind?" Ehrfürchtig wären die anderen zurückgctretcn und bildeten nun ein zögerndes und gespanntes Halbrund mit die Zwei. 'Neben dem -Nc.inn. der groß und . iclnoer wie ein Alpdruck ivar. luirtle Milier noch uhinaler. Tocl>. sie deliiilc iiud slreckle >i>li. als iw ihiii antivorlete. sie - icljien zu loculileii. scliien dem Hofschatzmeister Leiolo gewaellie» zu sein. Tas Szenaeium iv.ir voll-loiii>i>eu..-'Bor dem seliliclilen golischeii'.-Üc'itiu'rwe.tk' der Slmagvge ständen die beiden- Aklmire. ein lc'tzlis Sonneiislcicker'n „vergoldete' nur g-'e einen Seite die Blaltluppeln der' Aoilwillen. und -darüber zeigte der Hiiumel leine' .gla'serne Helle. Tie ,'Znsclliiner ii.ilnnl'n ewie den erwarteten und erlösenden Sclilus; des ersteit Altes., als Leiolo.das---"ccidrlie'n bei der' Hand -nahm und mit il>r dcivonging. seine ciroiien Schritte,- verlieineend, angcp>>s;l i> ül,erl>is Bogel tritt. Lewko-war der Hosicliatzine-ister irainnirs -des Großen, und die 'Bcin-er» uniiikellcu. dc'.ß er einen ,'',,nibe>'i'lng bew.iie. der iln, völlige Gewalt über K-aümir'an---nl>en ließ. Tilgt ich liatte er ^'Zutritt bei Hote. und in jeder iiiuim ziellen S ta atsaugelegenlie it lies; n 11 j e. au wie vo» Lew ko rctlen, und lselien. ilaiiuiir bestätigte die 'von! s-eineiit iärosu'litc'r BcTeslaw dcii In?eu eileilicii Piw:- - legieu . ..lind' wir ernenern-. bekcaftigen und l'eslciligen das ''B>'i'ge>,.igte 'Behufs der imn,er>0ii!>>enden «uiüigteil" ft,rnd unter di'» :;r, Paragrnpl,en. die die Juden'- tivr Uugereelit, gleit iclmtzen lolllen. und Kasimir ergänzte »e nocli. nm die Stellung der Juden uoeii melle zn suliern. -Steckte liinter cilledem Leivko- .'tzinbeering oder eine , persönliel>e .Bvrliebe Kci'ini-ies tue die .Zndeu? Nieltts davow! Kaßmirs lieberleanngen und lfntlelilnste-waren trei von '0lw'ü! und Scntinumls. sie riehlclen lict, lediglich ani das Z,iel. Polen zu fördern, die 'BZirißlintt zur Bliite zu ' bringen. lünte-- e,uzn,n!,r,'ii zn:n allgemeiiien 'Ausstieg. Und daß iein liocliüer ttlatgeber Znde;r>ar. lwlte nicig mclir zu bedeuten, als d>tß -Uanniie am einen mescheiten Kopf dieser TaGickte ioegen üiiijt verzichtete. lForlicchiag nuw.mz!