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Central-Verein-Zeitung · 1936-07-23 · 30 (23.7.1936) · page 3

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936)
Issue
30 (23.7.1936)
Date
1936-07-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1J , 2. Beiblatt * Nr. 30 23. Juli 1936 Von Dr. Margarete Steinberg V 1« MM' fMKff M Viittcfnltcvlirfic Jiimjt ist Klinst der Kirche, und die Kirche bedient sich der Kunst, um ihrt reltgiösen Idecm zil vermitteln, um die Gedanken der Gemeinde in bestiminte Richtung zu leiten. So gleicht die bildnerische stattnng der Kirche einem belehreudtut Buch, iii dem Gestalte» und Geschehnisse in zhklischer Ädeise.ungeordnet werden.' In dem theolvgischeii Prvgramnt gehört seit dem 4. Jahrhundert die Erörterung der ntystische'n Be- ^i.eliungeu der beiden Testamente zueinander, dadurch wird du» Alte Testament in du-. Kathedralenprvgramm unsgenbmmen und besviiders vertreten, durch die Patriarchen. Propheten, Könige und Helden. Sie erscheineit -? allerdings nicht ait bevorzugten Steilen — ul» selbstverständliche Begleitfiguren in der Bvrhälle. inden Bvgeuzivtckeln äutd zuietteu der -Apsi». vom 1b. Jahrhundert an im Austeitbau iu den Gewänden und Bogenlailnutgen der Portale.. Die Propheten sind ivürdige Männer in langen, faltenveieljen Getvänderu: Buch oder Schristroile und der Redegestus weisen darauf hin. dast sie sieh im Leben in bedeutungsvoller Weise mündlich und schriftlich geänstert haben. Sie sind in keiner Weise individuell charakterisiert, und die Identifikation ist nur möglich, wenn die Schrift den Namen nennt oder eine bcigeordnete Szene ein historisch bekanntes Creignis darstellt. So erkennt mail am Portal in Amiens Jeremias an den Schildcrnilgen Im Bierpastrelief: Der Herr befiehlt Jeremias, seine Lenden zu gürten- und in einer zweiten Szene, das Joch niff sich zn nehmeil. N'ach welchem Prinzip die Austvahl der Propheten erfolgt, ist schwer ersichtlich. Die Zahl scheint aus änstereu Gründen. durch die Gliederung der Architektur bestimmt zu werden,'denn man hält sich durchaus nicht immer an die gegebenen 4. grasten und 12 kleinen Proplieten. Der Zwang der Architektur, die eilgeil „usleiiiutervaile, haben bielleicht auch, den Anstost gegeben ztt einer eigenartigen Gruppieruilg, die dann alich in thpologischer Weise ansgeivertet loordelt ist: Apostel stehen auf den ^Schultern der Propheteil, d. h. der Alte Bund ist das Iundanieut des N'enen. Tiefe Beziehung ztvischen r'lposteln lind Propheten wird and) in anderer Weise symbolisiert: Propheten halten Medaillons mit Köpfen der Apostel. Zu dieser Gruppe gehört alich die berühmte Zusammenstellung vvn Apostelpaaren und Prophetenpaaren an den Georgsschranken de» Bainberger Tome», Cs handelt sich hier , um eine schon vorher übliche Iorm der Santa Conversazione. der Disputatio. die bei den Propheten iit dramatischer Weise zugespisttwird. . Im Gegensatz zu der würdevollen Ztlrückhaltuug der Apostel erscheinen die Propheten in stärkster geistiger Spaniuing. Durch die . Prägnanz der Mimik, durch die gewaltsamen Gestell Und die Intensität des Blicke» sind sie .-als leidenschaftlich Denkende, als ..Geiüerfüllte" charakterisiert. 11 nb in noch stärkerem Blaste Propheten. Seher sind die Iigurcn der Ttrastlnirger Ntniislersässade. „Der Mensch als Gefäst Gottes" ist das Wort der gleicl,- zeitigen Bihstik: es sind hagere Greise mit bis zur Drastik' uild Craltierthcit gesteigertelir Alisdruck - - Crpressivnislnils - tvih* Jahre vor der Prägung des Wortes. Cs sind ‘ Nteilsihe». die au» innerem Zivang, durch göttlichen .Auf kämpfeil inüsieil gegen Unrechtlichkeit. gegen Beräusterlichung des Kult», .gegeil die „ividergöttliche" Richtung, die iliiht in verstandeskühler Denkarbeit, sonderit in elstatischer Gegriffen heit ilire Bücher in spinbolisch.kühner Bildersprache niedergeschrieben habeil. Im Vordergründe der . Prophetie steht meist die Ilnheilsweissagung: darum erscheinen diese Männer kämpfenLhiind - leidend, an deil Kalizeln von.Giovanni Pisani lvie von Cntsetzen geschültett: da» Dpruchband ursprünglich au» fachlichen Gründen bei-, gegeben, lvird hier int Sinne der Gotik als formales Biotiv ins Grandiose gesteigert, es begleitet schnellend und züngelnd die hastigerregten Gebärden. Gotisch lloch ist der Plan, der den Anlast zu D o n at e l l o s Ieremiasstatnc gibt. denn, sie schmückt in hergebrachter Absicht neben vielen anderen Statuen den Campanile in Florenz: aber entstanden ist eine Schöpfung der beginnenden Renaissance. Cs ist die Shnthei'e von Antike und Naturalismns. die tit Italien, aber eben auch nur in Italien, auf dem Böden der Antike echt wachsen konnte. ein antiker Imperatorcnkopf, eine römische Togafigur mit dem Pathos des römischen Redners, und es ist zugleich das namentlich bekannte Porträt eines zeitgenössischen Ilorentincrs, der in den aktuellen Parteikämpfen eine groste Rolle spielte. Dieser Greis mit dem Stoppelbart und dem verkniffenen SMund. mit dem stark cntblöstten Körper, an dem der Künstler seine groste Kenntnis der. anatomischen und motorischen Diirclibildnng zeigen konnte, ist eine scharf uinrissene Persönlichkeit. aber in keiner Weise die geistige Prägung eine» Jeremias. Ctwa Zh Jahre vorher hatte man diese gesunden: Clans S l u ter gibt in fei-, nem Mosesbriinnen in Dijon nach mittelalterlicher Tradition Gestalten de» Alten Testamentesin paarweiser Anordnung. Die einzelnen Proplieten, angeregt durch die Niodell.e des Iudenviertels, sind zu Thpen gesteigert und differenziert durch die verschiedenen Grade des Temperaments, der Aktivität und - der sozialen Haltung. Jeremias ist äusterlich kenntlich diirch die Worte des Klageliedes: „Schauet doch und sehet, ob irgendein Schmerz sei wie meiu Schmerz", aber es ist auch ein glaubhafter Jeremias, asketisch, zergrübelt. versorgt, der ..verachtetste" der Proplieten. aber muh Anfsasinng derinittetalterlichen Kircl,enväter durch sein Leiden auch der bevorzugteste unter den Äiännern der Weissagung. Cs gibt hier nur noch die Stcige-rnng Micliekangelb: alles ändere i't daneben belanglos. e in b r a n d l - lial in. seinem jngendlichen Interesie für das malerisch reizvolle Aenstere nur'da» Greisenhafte. Zerknil terte und die orientaliscl,e Almosphäre gegeben: die innerliche Zivietpraclie mit dem innerlicl,sten aller Proplieten isl-nns der alle Rembrandt schuldig geblieben. Bi i ch e 1 a n g e l o . liat in der Sirtinjsclien Decke den Proplieten und <hl'il>'e» einen delierrsclienden Platz eingeräunit. 'B-iihliger erscheint 'ihm die Süenbarnng durch Dunkle Weisiaglilig als durcl, siclitbäre ^minder, deren Darstellung er in die Bogenzioiclel.gelegt Iint. Bian kann nicht, trol'.dem e» oit be Häupter lvorden ist, den greisen Ierenila» «il» Selbstporlrät de» vierzigjälir-igen Kinutler» aussasien. Aber Selbsterlebtes, Selbsterliltenes hat er gestaltet, als er den lragiscli Ans erlvählte». Abseitsstehenden sclius. hstichelangelv gibt niclit den Proplieten de» Buche» . Jeremias, den > Aktiven. Zürlienden. er gibt den Iereinias des Klageliedes in tiefeili slunn. ilieil Leid, im Sinneli. in gebeugter naltnng, mit krait- und ivillenloser Hand. Aber ivie immer bei-Bcichelarigelo ist diese 'Ruhe nur äusterlich, iiur ein Stadium im Ablauf. N>an fühlt, wie die Seele beivegt lvird durch g»älende Cnipsindung. ivie diese ungebroclicne Körperluhkeit nacli üur scliei-nbarcr KraNl.osigkeit zu neuer Aktivität bereit ist. Und so kann dieser Jeremias des -M'iclielaiigelo, der im Ralimeit eines clirisilicI>Kl>eologisclien >^>edailkcnshstem» stellt, docl> ancli zil einem Smii-- bol iverden für den gläubigen Juden, ivie es ja auch der Bivfes ivnrde. zu dem die ronusclien Gliettojnden pilgerten. Ierenuas verkündet die Katastrophe für Israel und erlebt . die Tempel Zerstörung, aber er verkündet ancl,. dast da» Judentum damit nici>t zerstört iit: ..denn der Herr spricl,!: ich ivill einen neuen Bund -malhen und mein liesest in ihr -nerz geben und in il,ren Sinn schreiben" - ..denn der Herr verstöstt nicht ewiglich." Zooleginheii «tarie.iis lä,>cnugt etivas von zeichneriiclier Anpaiiniig-.-gat'e. ' 'hleniger.sei,eint d.c» n,aa,^,,-ek ,leimigen, dos der N»U>>rv»nd nnsileNt. Crnil Alorc-nie fottte fiä> ii,ich ivie vor oin die lSel'rnnclisgraptiik kong-nlrie-en. oucl, Atodilciic-t liegt ihn,. Ivie es Cm!- icnirie f ne Noi ui ine in der Berliner äiisNelln».) - verraten.- ./si -c <>- » Ausstellung Ernst Marcuse - Ging hnirciiie, der in den ^'-aiidelgonqen des Berliner Niiüiirvundtlieaters Stizzen und -'preiie- - Zeichnungen. Letiindien nnd modiilhe .d-ulioui ce oiisilellt. i'l vor allein ein tiig>tiger cüeluouchs grapluker. Z'liii dein t-sediet. der PreiiezeiNuinng vielen Be'iicliern. der Ansttellniig -ein vertrauter Begrilt dnreti seine BerolsenUichniigen. in vielen Blättern, leinet h.'nrenie OuNes. dr iveui luer . i'eive Cin'äNe mit-viel Kininliriingsgal'e in du> tntiächtietien Ivegegedenlieilen eiiiznvrdiieii i n tu dank seiner zeichnerische» Begabung zn einem Ganzen zu vereinigen. 'Aienn er ein .Sfr,',nt buch" vor uns ontseiilägt und viele. 'U;t-nfiiienüiern «-mlvetm loht, ii! er ein ,'risä,er C-r;äl,lec. Und auch im .Crsasi'eu der vieUäUigei, Bemohner des Dtc Bilder am Kopf der Seile: l:,esken (12W bis 1292) ron Jacohn Tomti und Jot oho.di Cameririo in der Ktrehc Santa Marin Maggiore m Rom.— Unten, ron links nach rechts: Jeremias, Mafmoi‘■tahrvon Gliccnslcm Bcndcniann: Jeremias an! den 7 rUmmern des Tempels — Propheten am Rnmhcrvcr Dom .' I;l. Propheten Aus einer Serie .von Ilse Blurnenthal-Weiss Mein Wort soll wehren'' \\ ie I euer mul Seh wert, Soll weisen mul lehren, W ,\s keiner gelehrt. Mein Wort soll hallen V om. Cjiplel /.om T.il, Soll steigen »ml fallen . Wie Klinge mul Stahl. Mein Wort soll ragen W ie I clscngebälk, Soll treiben uiul mul tragen, .. Bis alles, was welk. Untl-ödc und leer, Strom, wird und Meer, l eben und ’Rlut, I lamme und («lut, (Jcilscl und Mich, . Wille mul Trieb, Jahr tausende fort — — —, So sei mein Wort. (Ion, meine (iottheit! Kraft meiner Seele Du,. Blühender Staub,, der des .Mantels W'erktr.ulil Mit IEdelsteinen bestickt! Gott,-meine, ■(iottheit! (>ucl!e des ller/cns Du, Die in mir‘strömt wie Rauseh aus l ag und Nacht, W ie I.icbcsspruch,. v/fc aller Schöpfung Breis. Gott, meine Gottheit'. ’ Segen dy: Arinui Du, Die meiner Nächte Ausgestolscnsein I insegnet leise noch: Kill hin Dein Herr! Gott,, meine Gottheit! I rost meiner Trauer Du, Darin des Auftrags Sehmer/.cnslos Kh’ noch das Her/ den letzten Schlag getan. -MED 0382

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