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Central-Verein-Zeitung · 1936-07-02 · 27 (2.7.1936) · page 15

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936)
Issue
27 (2.7.1936)
Date
1936-07-02
Page
– (sequence 15)
Language
German
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-2L Palästina-iTm§c)ian der €.-V.-Zeitung Die Unruhen und ihre Auswirkungen Von unserem ^-Palästina-Berichterstatter Tel-Aviv, 24. Juni. : "Wahrend es in Anbetracht der zunehmenden Verbissenheit^ die sich in der arabischen- Terror- .hewegung ausdrückt, und im Hinblick auf die ausserordentliche Zurückhaltung der Londoner Politik immer schwerer wird,.sich eine wirkliche L ö s u n g der jüdisch-arabischen Frage in naher Zukunft vorzustellen, keimt hin und wieder eine schüchterne Hoffnung auf eine baldige Entspannung der augenblicklichen Kampftage. Zum guten Teil ist freilich auch dabei der Wunsch der Vater der Hoffnung. Demt noch werden alltäglich und allnächtlich Bomben geworfen und Schüsse abgefeuert, an immer neuen Stellen fallen Blütopfer. Mit eiserner Kegel- , mässigkeit versehen die jüdischen Autobus-Genossenschaften ihren Dienst — freilich fahren sie an gefährdeten Stellen mit unheimlicher Geschwindigkeit gnd auf Streckt#, die teilweise durch arabisches Gebiet führen, sind die Wagen mit starken Eisendrahtgittern statt der Fenster ausgerüstet — als Schutz gegen Steinwürfe. Es gibt weite Strecken, die ganz oder vorwiegend durch jüdisches Land führen und heute noch ohne Eskorte befahren werden. Aber selbst auf diesen Wegen wird täglich der eine oder andere Autobus beschossen. Auf dem flachen Lande wundert und freut man sich, mit welcher selbstverständlichen Sicherheit, Ruhe und Zuversicht sich die jüdischen Menschen auf ihrem Boden bewegen, aber überall ziehen bei Anbruch der Dunkelheit die Wächter und Hilfspolizisten auf Wache, überall spielen von den Wassertürmen nachts die Scheinwerfer, stehen die' Wachthäuschero und Schützenstände bereit, und selten vergeht eine Nacht ohne wenigstens ein paar Schüsse. Es kann keinem Zweifel unterliegen, dass der entschlossene und bisher selbst in kritischen Fällen stets erfolgreiche Selbstschutz der Juden, dem man wenigstens die Indienststellung zusätzlicher bewaffneter Wächter und einer grösseren Anzahl von Hilfspolizisten bewilligt hat, allmählich Eindruck zu machen beginnt. Aber noch haben die Ueberfälle und Ueberrumpelungsversuche nicht aufgehört, und nur in den Feld- und Baumfreveln ist vielleicht ern kleiner Rückgang zu verzeichnen. Dagegen mehren sich die Attentate auf Eisenbahn, Telegraph und Telephon, obwohl die englischen Streitkräfte, nachdem sie neu "organisiert und eingeteilt: worden sind, einen verstärkten Patrouillendienst eingerichtet haben. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die entscheidenden Massnahmen zur endgültigen, Niederwerfung des Aufstandes, nämlich der vorbeugende Angriff auf die bekannten Terrorzentralen und die Aushebung von Mordbanden nach der gegenwärtigen Lage der Dingenur von den Organen der Mandatsregierung und nicht durch den jüdischen Selbstschutz geleistet werden können. Der erste grössere Schlag war die Zersprengung einer arabischen Bande bei Nur el -Scbemesch, ander Aulostrasse Haifa— Tel-Aviv, bei der mehr als dreissig Araber getötet wurden, und auch zwei englische Soldaten den Tod fanden. -Beinahe dreitausend Mann englisches Militär mit Tanks und Flugzeugen wurden . eingesetzt, um in dem unwegsamen. Gelände, das den Aufständischen glanzende Schlupfwinkel bietet, eine wirkliche Einfassung durrhzufuliren. Von umfassenden Sicherungsmassnahmen war auch die schon lange geforderte Zerstörung einiger besonders berüchtigter „Hinterhalte“ begleitet: Die sogenannte SchVhunat. ha l’arhim (Blech-Siedlung) — ein ganzes Dorf von Baracken aus alten Petroleumtanks und ähnlichen Materialien an der Chaussee von Mikweh Israel —, aus dem wochenlang täglich geschossen wurde — ist von englischen Tanks dem Erdboden gleichgemacht worden, und einige. Häuserblocks in der Altstadt von Jaffa, die schon lange allen Gesetzen der Hygiene und Sicherheit Hohn sprachen, wurden von englischen’Pionieren gesprengt. Vereinzelt beginnen die Behörden-auch, die .-charfen neuen Gesetze wirklich anzuwenden, ln mehre, ren arabischen Dörfern wurden Waffonsuchen veranstaltet; jeder Widerstand wurde sofort mit Gewalt niedergeschlagen — es gab bei solchen Gelegenheiten, schon mehrere Tote — und die Häuser, in denen man Waffen oder Sprengstoffe fand, wurden augenblicklich zerstört. Bei Beschädigung von Wegen, Brücken und Wasserleitungen müssen die Männer des mich den Dorfes sofort in Zwangsarbeit selbst den Schaden reparieren, Kollektivstrafen, werden auf der Stelle durch Beschlagnahme von Vi,eh und Getreide eingetrieben. und der Erlös wird an. den Geschädigten abgeführt. In zwei Fällen, welche die allgemein sehr kameradschaftliche und loyale Zusammenarbeit mit den britischen Streitkräften zu beeinträchtigen drohten, haben die Behörden sich ener-; gisch’ bemüht, für Aufklärung und Recht zu sorgen: wie bekannt, wurden binnen vierundzwanzig Stunden an zwei Stellen jüdische Wächter schwer verletzt, einer von ihnen tödlich, und zwar einmal durch betrunkene Soldaten, einmal durch eine englisch-arabische- Polizeistreife. Besonders gut scheint sich die kameradschaftliche Zusammenarbeit zwischen den jüdischen Chauffeuren und dem englischen Militär zu entwickeln. Nach dem Gefecht bei Nur el Scbemesch wurden die jüdischen Chauffeure zweier Truppentransportautos vom englischen Befehlshaber ausdrücklich belobigt und zur Dekoration vorgeschlagen. Der Chauffeur, der bei dem Ueberfall auf die Chaussee Jerusalem—' Jericho, jm Kugelregen die von den Arabern errichtete Barrikade forträumte und damit den Juden und Engländern des Konvois den Weg bahnte, wurde von seinen Kameraden belohnt, indem die Autokoope'rative, für die er arbeitete, ihn, einen völlig mittellosen jungen Jemeniten, -“■ohne die sonst erforderliche Einzahlung als ordentlichen Genossen uud Teilhaber aufnahm. Die jüdischen Mitglieder der palästinensischen Polizei haben auf die Gehaltserhöhung und dem Wochenurlaub verzichtet, - da diese Verginisti-., .' gungen unter dem Druck einer, von arabischen •. Polizisten ausgesprochenen Streikdrohuiig bewilligt worden seien.. Aber auch im.arabi.M-hen Lager -tdbst scheinen sich die Geister zu scheiden. Den grossen. Parteihäuptern, Bürgermeistern und anderen Kreisen, die den „Obersten arabischen Rat" beherrschen, wird offenbar die zunehmende Zügellosigkeit unheimlich. lind sie glauben wohl auch selbst, dass es England mit seiner Versicherung, unter dem Druck dos Terrors werde unter keinen Umständen verhandelt, <Tust ist. Die terroristische Jugendbewegung aber will von solchen UeberJogungen nichts'wissen. So - bleiben seihst einflussreiche Persönlichkeiten der-arabischen Bewegung nicht von Drohbriefen aus dem eigenen Lager verschont, und manche haben es bereits vorgezogen, ausser Landes zu gehen und. sich damit allen Weiterungen zu entziehen. Neben den arabischen Politikern der älteren Schule und neben der mehr irrationalen Nationalbewegung der arabischen Jugend zeigt sich aber immer deutlicher eine dritte Tendenz — die sozialpolitische. Bei Hafeiiarheitejii. Kleingewerbetreibenden und unteren Beamten besteht:stellenweise die Neigung, aus dem politischen Streik einen Streik um Erhöhung der Löhne und Verbesserung der teilweise wirklich recht unerfreulichen Arbeitsbedingungen zu machen. In Handel und Gewerbe werden die ersten Anzeichen der Streikmiidigkeit bemerkbar, und der etwas wirksamere Schutz der Arbeitswilligen, der neuerdings durcligefiihrt wird, hat tatsächlich in Jerusalem und Jaffa zur Oe ff nun g 'mancher Läden geführt, ln den gemischten Vierteln, in denen' Jaffa und Tel-Aviv ineinander übergehen, zeigen sich gewis^/ erste Symptome einer Art Normalisierung, in der Filiale der Anglo-Palestine Bank verkehren die arabischen Kunden w ie gewöhnlich, gewisse Geschäftsverbindungen werden zögernd wieder ausgenommen und der Tei-Aviver Autobus 5, der zur Hauptpost Jaffa führt, verkehrt regelmässig ausser Freitag und Sonnabend. Auch die arabischen Bauern beginnen die Streikfolgen zu fühlen. Ein grosser Teil der Melonenernte droht zu verderben, der Hafen von Jaffa liegt noch immer still, wabernd die Landungshriieke Tel-AviV in einer Breite von sechs Metern schon eine Länge von 100 Metern erreicht hat, durch künstliche Dünen und Wälle geschützt worden ist und sowohl die neuen Lager-und Verwaltungsgebäude als auch die Zufahrtstrasse zum Messegelände sich der Vollendung nähern. .Man soll natürlich all -diese noch sehr schwachen Anzeichen nicht überschätzen. Schon die nächste- Stunde kann den Rückschlag bringen, und solange noch immer jüdischen und neuerdings auch englische« Blut flieset und die Todesopfer der Aufständischen immer zahlreicher werden, wird jeder daran erinnert, dass nicht Frieden herrscht, sondern So; hat die StadlvorwoHung Tel-Aviv jetzt. -Tanz und musikalische Urtto.rhaltung in Cafes und Hotels verboten. Audi die-er Teil de-, Te1- Aviver Lebens halle .sich bisher unverändert abhmeiier Ludwig Steinmetz \ . Nürnberger Str. 56 (neben Wo.olworth\ " gespielt, obwohl gerade m letzter. Zeit in den Grenzgebieten der. - Stadt wieder häufiger M-Imsse und Bomben zu tioren..waren: Jerusalem dagegen steht schon seit mehr als sechs Wochen unter dem Belageningszuslaii-I, der «lein Bürger gerade Zeit lässt, von der Arbeit nach Hause zu eilen und dann joden, von Freunden isoliert, an seine Wohnung fesselt. Diese Lahmlegung .des öffentlichen Lebens ist natiirlicn. auch wirtschaftlich ein schwerer. Schaden, vor allem aber wirkt die Isolierung und die gespannte Atmosphäre seelisch bedrückend und der Jerusalemer empfindet die an manchen Tagen doch nicht ganz ungefährliche Fahr! nach Tel-Aviv als eine Erholung. Hier sind stundenweise die Lastautos mit den singenden Kindern, jeminitischer Flüchtlinge, die jetzt zum ersten Male eine Art Kindergarlenbetremiiig und gemeinsame Srlnilausfliige -kennenlernen. das einzige, was an die Schrecken der Zeit erinnert. * Während der Messe hat man auch absichtlich de,», öffentliche,, I.eben so wenig wie möglich Schranken auferlegl, um die wirtschaftliche Schwierigkeiten der Ereindenimtusl rfe nicht liech zu vermehren. Abgesehen von diesen, und' allen anderen mittelbaren lbirtiheschäden werden die unuullciliareii Zerstörungen wirtschaftlicher Sachwerte', die im Zusammenhang mitden ' 'Unruhen .erfolgt sind, bereits'auf etwa 'JOOUUOLP geschätzt. Aber wie trotz allem der 'breite Strom des wirtschaftlichen -'Lebens unbeirrbar weilergeht, daliir! sei nur ein Beispiel genannt. In der letzten Woche wurden M neue Aktiengesellschaften, zwei Genossenschaften „»<1 fünf offene Handelsgesellschaft gegrumtet. Diese Zahlen sind keineswegs viel niedriger als in der Re- . kordzeit vor der letzten llerbstkrise. In-ilen ersten neun Monaten 1955 lag die Griindungstäligkeil — der Firmenzahl nach — um rund'20 Prozent über dem Stande des Vorjahres. Sie .betrug im Durchschnitt je Woche: sechs Aktiengesellschaften. vier Genossenschaften und IS offene Handelsgesellschaften. Natürlich kann man aus diesen Ziffern keine umfassende Konjunkturdiagnose ahleiten. Aber sie sind doch ein Symptom dafür, «lass nicht nur der Versuch zur Zerstörung der jüdischen-Wirtschaft gescheitert ist, sondern dass es auch nicht gelungen ist, die Entwicklung zum Stillstand zu bringen. II Plissee* Dusch & Co. III || Berlin SWM9f Kommandantenstr.72 |(l!• Expedition nach auswärts am gleichen Tage •| Jüdische Jugend im Alltag Palästinas 3.; Fortsetzung Sinn und Wesen des Kibbuz Was ist ein „Kwuza“, ein „Kibbuz“ oder ein ..Mescbek“?- Wohl weiss .jeder, was gemeint ist, aber kaum jemand kann diese Worte begrifflich klar fassen. „Kibbuz“ und „Kwuza“ sind eprachlichvom seihen Stamm; „Kwuza“ ist die.Femininform von „Kibbuz“. An sich bezeichnet „K w u z a“ eine K o 11 e k - t i v - S i e d j u n g , man gebraucht das Wort aber auch zur Bezeichnung einer Gruppe, die gemeinsam siedeln Will, aber noch nicht zur. „Hitjaschwut“ (Ansiedlung) gekommen ist. Die Organisation lose zusammengeschlossener Kwuzot, die ihr Selbstbestimmüngsrecht auch im Zusammenschluss w-eitgehend gewahrt haben, nennt , sich „Chewer Kwuzot“ (etwa: „Kwuza-GeniPinsrhaft“). „Kibbuz“ dagegen bezeichnet eine Bewegung, die den Einzelsiedlungen gegenüber als Organisation. in"-einem gewissen Masse •autoritativ auftreten kann. Warum Kibbuz? Wer den Kibbuz nicht erlebt hat, versteht ihn nicht. Und nur, wer ihn zu erleben vermag, kann in ihm glücklich sein. Nicht alle, die in der Ga lut das Wunschbild . ihrer Träume „Kibbuz“ nannten, halten dem Anprall der Wirklichkeit des Gemeinschaftslebens im Kibbuz stand, und es gibt viele Juden in Palästina, auch Arbeiter, die von ihm kaum wissen oder ihn sogar nur belächeln. —- K rb b u z I 3 c h o r ga n i eiert sind, vorsichtig geschätzt, vielleicht 10000 Erwachsene, eine sehr geringe Zahl. Andererseits ist d i e landwirtschaftliche Provinz des jüdischen Palästina. das Emek. mit seinen w"ohl 6500 Menschen zum grössten Teil kibbuzisch aufgebaut. Dip Bedeutung der kibbuzischcn Bewegung und ihre Aussichten im Rahmen der palästinensischen A r h e i t e r b e w o g u n g und des Zionismus im allgemeinen können Beobachter, die nicht im Lebenszusammenhang Palästinas stehen, nur schwer äbschätzen, und im Land se|t,st sind die Meinungen sehr geteilt. Was aber die Bedeutung des Kibbuz für das jüdische Palast in a anbetrifft, so lässt sieh'-immerhin einiges , Die jüdische Bevölkerung Palästinas ist weder vnlklich noch kulturell einheitlich. Die jemenitischen Juden sind ebensosehr Orientale-» wie die russischen Juden Osteuropäer Und die .Juden aus Deutschland W e s t e u r ö p ä «• r sind. Bis jetzt ist das Wort vom ..Schmelzticgel „Palästina“ noch der etwa.- voreilige Eindruck formulierungskräftiger Berichterstatter; denn die verschiedenen Jede dei .lischuw sind herkunftsinässig in mehr Dingen getrennt als vereint, und lebensmässig gehen die Wege oft auch sehr auseinander. Auch der ..Kibbuz kann in dieser Hinsicht nur wenig tim, , und er gerade ist wirklich der Ort, wo die unterschiedlichsten Typen zu- sammen-trömen. Das Fazit ist., dass die Einwanderergeneration ihren chaotischen Charakter 1 wohl nicht verlieren wird. Der .lischuw ändert .überdies stetig 'sein G«-. sicht, wächst und nimmt an wirtschaftlicher Potenz zu. Die erziehende und zu-aiiiinen-oiin'dzende Kraft eines Staates -teht nicht zur Verfügung, alle Chancen, die es gibt, werden n-cht'einer Körperschaft. die regulierend auftreten könnte.'sondern dem Individuum gegeben, «las d.ese Chance individuell wahrnimmt, ohne viel Rücksicht auf dpn Nebenmann zu nehmen. Jeder muss sehen, wo er bleibt, und es versteht rieh, dass d eein Gemeinschaftsbewusstsein nicht gerade fordert, Die Massen der jüdischen Bevölkerung in Palästina sind also führungs- und richtungslos. Einige Einrichtungen verdanken zwar der Selbstdisziplin dpr Bevölkerung ihr Entstehen, ' aber diese Selbstdisziplin hält sich in beschränk- . ten Massen, Vor allen Dingen ist sie aut einzelne Stände beschränkt, und viele innere Probleme Palästinas' sind darauf Zurückzufuhren, dass die Menschen nicht weiter sehen können, als ihr Berufs- oder Standesinteresce reicht. Die Erziehung der Ein wandernden zu einem jüdischpalästinensischen Volks- und Staatsgefiihl mit umfassenderen Aspekten ist beute noch unmöglich.; Hier liegt min die entscheidende Bedeutung, die der Kibbuz, nach unserer Meinung, für das Land bat. Der Kibbuz ordnet den Einzelnen in einen Leben&zusammenhang ein. Er tritt gestaltend auf, verwirklicht bestimmte Siedlungspläne, fördert die Eroberung von Arbeitsfdätzen. die, gering entlohnt, dem selbständigen Arbeiter keine Existenzgrundlage sichern würde» und erzieht vor allen Dingen seine Menschen zum gemeinschaftlich-verantwortlichen Handeln, wobei es sich hier um keine „Erziehung“- im Sinn . de-- Wortes handelt; sondern das Leben, da,s rnangemeinsam lebt, erzieht. DerDörfler lebt nicht mehr abgeschlossen von der Stadt, der Stadlarbeiter nicht fremd den Prot,honen des Siedlers. sondern in-allmählicher. Entwicklung festigt sich hier ein V o 1 k s g e f ii h 1 , das die Grundlage für jede einmal kommende Form der Selbst-. Verwaltung im Lande „ein muss. Der Kibbuz ist durchaus die Zelle des kommenden Palästina. Die . Zahlder Menschen, die er erfasst hat, ist nicht gross:J AVt unter der nicht viel geringeren . Zahl von Menschen, dieinmal durch ihn hindurrh- 'gewangen sind. wenn auch . nur wenige Jahre, sind Tausende, die im gemeinschaftlichen Sinne-gefestigt sind.' Sie ßind in bestimmter Weiße geprägt worden; man merkt ihnen ihre ki.buzische Vergangenheit an. wenn man sie trifft, und sie sind an ihrem Platz oftmals. Kri.-tallisationspunkte der Besinnung und Festigung iiri Fluss der Dinge in Palästina. Die Kibbuz-Bewegung , Die kib hu zische Bewegung ist trotz ihrer zahlen»,äs-igen Schwäche organisatorisch k e i n einheitliches Gebilde. Sie zerfällt in drei grosse, voneinander unabhängige Gruppe», de» ..K i b h u z M e ü c h a d“ mit etwa Ö500. den „K ibhuz Arz i“ mit etwa 5500 und di» ..G h e w e r K w u z o t“ mit etwa 1500 Menschen, zu . denen sich in jüngster Zeit noch ein oder zwei in der Entwicklung begriffene Zusammenschlüsse ähnlicher Art kommen. Diese- Spaltung iiiu.-- auf den e,.-t..„ Blick iib.-rflii^-ig .und'eigenbrötlerisch erscheinen. Man fragt sich, w-lche grundlegenden WT sensu» I erheb rede' in einer Siedlungsbewegung . und also solche wird in weilen jüdischen Kreisen der'.Galul.;.der . Kibbuz '.ja-. begriffen •— auftreten können, -lass getrennte Organj.-ationen mit eigenen Verwaltungen, Büros, Tagungen und ZeifschriM >n und sogar in einem -Falle eine besondere politische Partei notwendig werde». . Die Erklärung i-f, «lass wir de,, Kibbuz nicht als SiedluiiL'sbewegung versiehe,, dürfen, sondern als Teil d<T politischen Arbeiterbewegung Palästinas. , "... Zwar liegt das S c h w e r g e w i c I, I der jüdischen Arbeiterbewegung j„ Palästina in de,, Städten, die heute die M a sse „ ernähren. Sie ha! aber dire Vergangenheit, als sie noch vornehmlich Handarbeiterbewcguiig war, dicht vergesse,, und fordert darum leid'm-chaftlich deii Ausl,au des jüdischen I a n d w i r t s <■ |, a f».-. i i c h «• n Sektors, der nac|iihrer Ansicht die Grundlage <Ls ganzen . Aufbaues'überhaupt' ist. Diese Erkenntnis iT nicht romantisch, sönd.ern politisch, 'Das Entscheidende d--r zionistische,, Idee ist ja die Absicht, ii, Palästina nicht eine neue Galutsiiuation z„ schaffe» Konzentrierung der Juden in bestimmte städtische Berufszweige —, sondern ein strukturell völlig neues jüdisches Vofk-Ieben aul'/.ubauen. Stadt und Land „ollen jüdisch werde,,; alle Arbeit sollen Juden - selbst' tun. .iDst man die Dinge in Palästina aber vollends treiben — und sie laufen ja ohnehin fast schon so, wie sie wollen —. so werden im Laufe .der Z-T wohl ei» paar jüdische Städte von bedeutende»,' Aus-' inass entstehen;' das Land aber wird arabischbl-dben. Denn die Zahl der selbständigen Siedler ist im' Vergleich zur L a n d a r b e i.t e r sc h a f t gering, und der, jüdische Plantagenbesitzer beschäftigt zu ein mi grossen Teil arabische Arbeiter, die billig sind, während der jüdische -Landarbeiter in den Konjunkturjahrqji 1952 bi- 1955 vielfach in di-- 4

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